Mittwoch, 24. April 2013

Ruhig bleiben!

... so lautet das Motto für den heutigen Tag gegen Lärm (neudeutsch: noise awareness day). Das fällt naturgemäß denjenigen unter uns besonders leicht, die inzwischen schwerhörig geworden sind. Passend dazu schreibt die Tageszeitung am 19.04.2013 "In Ballungsräumen hört man schlechter" und berichtet über die Auswertung von 120.000 Hörtests in deutschen Städten. Jetzt mal im Ernst:

Im vorigen Blog-Beitrag Deutsche Wertarbeit ging es um die marode Fahrbahnoberfläche der A8 zwischen Leonberg und Heimsheim - ein seit Jahren bekanntes Qualitätsproblem. Hierüber berichten die Stuttgarter Nachrichten am 23.04.2011 "Flüsterasphalt bröckelt: Fast neue A8 schon wieder kaputt". Das Regierungspräsidium sagt zu, dass im Laufe des Jahres die schlimmsten Schäden geflickt werden, dass die Fahrbahn irgendwann saniert wird (leider ohne präzise Terminangabe) und dass die Kosten möglicherweise von der für die mangelhafte Ausführung verantwortlichen Firma übernommen werden sollen. Über die Reparatur dieser Rüttelstrecke freuen wir uns natürlich und wir begrüßen es auch, dass die öffentliche Hand (sprich: wir Steuerzahler) nicht auf den Kosten sitzen bleiben soll. Wenn die Kosten nicht vom Bund getragen werden müssen, der ja bekanntlich kein Geld übrig hat, dann könnte man ja gegebenenfalls von der für die Sanierung verantwortlichen Firma einen verbindlichen Termin einfordern. Jeder von uns Bürgern, würde doch dem verantwortlichen Zulieferer für die Beseitigung seiner Qualitätsmängel einen Termin setzen, oder?

Hochinteressant ist auch der zweite Teil des Artikels, in dem etwas steht, was manche schon länger vermuten: der offenporige Asphalt (OpA) ist nicht bloß teurer als andere Fahrbahnbeläge und obendrein anfällig für Qualitätsmängel, sondern die versprochene Lärmminderung kommt auch nicht immer oder zumindest nicht auf Dauer zustande. Diese Nachricht brachte auch der SWR. Erwähnt wird sodann die A8 zwischen Leonberg-West und Rutesheim als abschreckendes Beispiel.

Schon beinahe nett finden wir da noch die Schlagzeile der Stuttgarter Zeitung zum selben Thema: "Flüsterasphalt: Der OpA wird im Alter immer lauter".

Die Schwäbische Zeitung  schreibt dazu: "Baden-Württemberg verzichtet künftig auf Flüsterasphalt". Das Ministerium setzt nun anscheinend auf eine neue Mischung für den Fahrbahnbelag, die zwar länger hält aber weniger Lärm schluckt, also unter dem Strich lauter wird. In diesem Falle wird es aber nicht ohne zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen für die Anliegergemeinden abgehen.

Die Welt schrieb übrigens am 19.04.2013: "Feinstaub und Lärm lassen Gefäße verkalken" - das haben Mediziner des Westdeutschen Herzzentrums in einer Langzeitstudie an Einwohnern des Ruhrgebietes herausgefunden. Der Kardiologe Hagen Kälsch erklärte: "Diese beiden Formen von Verkehrsbelastungen helfen zu erklären, warum Menschen, die nah an Verkehrsadern leben, ein höheres Risiko von Gefäßablagerungen haben".

So viel Lärm in so wenigen Tagen! Da wird man dann schon nachdenklich, ob man dem Motto des Tags gegen Lärm folgen möchte: 

Ruhig bleiben !