Sonntag, 9. Dezember 2018

Punk

Der Präsident des Bundesrechnungshofes wirft  der Deutschen Bahn AG "Abkassieren durch Abwarten" vor - berichtet die Tagesschau. Die Betriebswirte der Bahn wissen nämlich, wie man erfolgreich wirtschaftet: erst fährt man die Infrastruktur jahrelang auf Verschleiß und, wenn demzufolge beispielsweise eine Brücke dermaßen baufällig geworden ist, dass man sie gar nicht mehr sanieren kann, sondern bloß noch abreißen, dann lässt man den Bund den notwendigen Neubau bezahlen. Die Bahn ist dann nämlich nicht mehr in der Pflicht. Wir Steuerzahler  gratulieren den Politikern und dem Vorstand der Deutschen Bahn AG zu diesem interessanten Anreizsystem. Wer das wohl erfunden haben mag? Außerdem fällt dem Bundesrechnungshof noch auf, dass "seit der Einführung des Finanzierungssystems 2009 eine Verschlechterung des Schienenzustands" eingetreten ist; er meint "Züge verlangsamen sich oder ganze Strecken können nicht benutzt werden", sowie dass man den Erfolg beim Einsatz von Investitionsmitteln doch einfach mal am "Mega-Projekt Stuttgart 24" kontrollieren könne. 

Telepolis berichtet, dass die Bahn deshalb den aleatorischen Fahrplan einführt. Eine Innovation, auf die jeder gewartet hat.

So. Damit jetzt die Laune besser wird, hier noch ein Werbevideo der Deutschen:Bahn AG: Ex-Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg erreicht gerade noch seinen Zug, der mal wieder total überfüllt ist. Auf der Suche nach seinem Sitz durchquert er u.a. eine indische Hochzeitsgesellschaft, kollidiert mit einem freundlichen Schaffner und springt elegant über Hunde und Kleinkinder. Als passende Musik läuft dazu "The Passenger" von Iggy Pop. Schließlich im letzten Waggon an seinem Sitzplatz angelangt trifft Nico Rosberg auf den Godfather of Punk, der ihn dort mit den Worten empfängt: "sorry, geänderte Wagenreihung"

Update 16.12.2018

Die Neue Zürcher Zeitung vom 11.12.2018 schreibt "die deutsche Regierung kümmert sich lieber um künstliche Intelligenz als um eine pünktliche Bahn". Seit 2015 hat die Bahn übrigens eine halbe Milliarde Euro für Berater ausgegeben, schreibt die Zeit am 16.12.2018, und dass die Regierung diesen Laden jetzt umstrukturieren will.

Stuttgart 25 erweist sich zudem als ein Fass ohne Boden und verschlingt laut Stuttgarter Zeitung 2019 alleine schon ein Achtel des Investitionsetats der Bahn. Das geht zu Lasten anderer wichtiger Vorhaben. Laut streng vertraulichen Unterlagen, die dem Aufsichtsrat vorliegen, steigen die Kosten weiter.

Update 01.01.2019