Sonntag, 19. August 2018

Marode Brücken: nicht nur in Genua?




In Genua stürzte am 14.08.2018 eine vielbefahrende Autobahnbrücke ein und dabei kamen viele Menschen um ihr Leben. Am 16.08.2018 berichtete Zeit-Online (hier) “Italiens Regierung droht mit Verstaatlichung der Autobahnen”. Der private Betreiber verdiente zwar Milliarden mit der Maut, investierte aber angeblich nicht genug in die Sicherheit.  Falls das so stimmt, gilt: Privatisierung kann gefährlich werden.

Außerdem berichtete die Zeit am 15.08.2018 (hier): “Viele Brücken in Deutschland sind marode”. Bei den Brücken liegt das häufig daran, dass Feuchtigkeit durch Risse in den Spannbeton eindringt und dann die Stahlbewehrung im Inneren korrodiert. Es gibt rund 40.000 Brücken an deutschen Fernstraßen und davon befinden sich immerhin ein Achtel (!) in “nicht ausreichendem bzw. ungenügendem Bauwerkszustand”. Die staatliche Aufsicht führt Buch darüber und es gibt öffentlich einsehbare Unterlagen von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST): eine zusammenfassende “Brückenstatistik” vom 16.05.2018 (hier) und ausführliche Tabellen mit Einzelbewertungen (hier) aller Bauwerke.

Da mag man fragen, wie es um die Brücken in unserer Gegend steht: Laut der BAST-Liste von 2018 bekommt die Wasserbachtalbrücke bei Silberberg die Note 2.8 in Fahrtrichtung Westen und 2.4 in Fahrtrichtung Osten. Die Überführung von Rutesheim und Silberberg über die A8, die Bahnhofstraße, hat Note 2 und die Eisengrifftalbrücke bei Rutesheim erhält Note 2.3-2.4. Was bedeutet das? Die Noten 2.0-2.4 bedeuten “befriedigend” und 2.5-2.9 “ausreichend”. Diese Brücken sind somit verkehrssicher. Allerdings wurden sie im Zuge der Sanierung der A8 erst im Jahr 2008 in Betrieb genommen und sind somit noch nicht wirklich alt; da wundert es uns ein wenig, dass deren Zustand heute nicht besser ist. Wurden die Brücken schon so gebaut? Oder verschlechterte sich deren Zustand innerhalb von 10 Jahren (seit 2008) von "ausgezeichnet" hin zu "befriedigend" oder gar nur "ausreichend"? Wie ist dann die Prognose für die kommenden 10 Jahre?

Interessant erscheint da ein Artikel im Spiegel aus dem Jahr 2016 (hier), der damals eine Karte mit Brücken in schlechtem Zustand brachte. Die Eisengrifftalbrücke bei Rutesheim wurde 2016 als “nicht ausreichend” (Note 3) bewertet. Heute ist die Brücke besser. Wurde repariert oder haben sich die Bewertungskriterien geändert? Die Enztalbrücke bei Pforzheim war 2016 “ungenügend” und sieht jedenfalls heute genauso aus, wenn man vorbeifährt.

Quelle: der zitierte Spiegel Artikel von 2016


Und dann gibt es ja noch 26.000 Eisenbahnbrücken in Deutschland! Die Zeit berichtete 2014 (hier), dass viele davon kaputt sind. Hat das etwas mit der Privatisierung der Bahn zu tun? 2014 gab es auch eine Karte mit dem Zustand der Eisenbahnbrücken (hier). Die Karte spricht für sich. Manche Brücken gehören abgerissen und eine von diesen steht in Leonberg. Jedenfalls bis jetzt noch.


Quelle: der zitierte Zeit Artikel von 2014


Interessant ist schließlich noch die folgende Grafik 


Ausgerechnet in den eher reichen Bundesländern im Süden der Republik wird anscheinend (zu) wenig in die Infrastruktur investiert? Sollen wir von den Reichen das Sparen lernen? Deshalb zum Abschluss noch ein zum Thema passendes Video.