Donnerstag, 1. November 2018

Unfallbrennpunkte

Wenn man auf der Autobahn A8 von Leonberg nach Karlrsuhe fährt, so fallen neue Tempolimits auf, die wegen der Unfallzahlen verhängt wurden. Die Pforzheimer Zeitung berichtet darüber hier und hierDie Stuttgarter Zeitung bezeichnete 2016 auch die Autobahn bei Leonberg als eine "unfallträchtige Strecke". Die Stuttgarter Nachrichten schrieben damals: "A8/A81, Kreuz Stuttgart: Leonberg und Sindelfingen liegen bei den Unfallzahlen über dem Landesschnitt. Rund 6500 Unfälle haben sich auf dem Gebiet der beiden Gemeinden zwischen 2008 und 2015 ereignet. Auch in Richtung Karlsruhe treten Unfälle nahe des Kreuzes Stuttgart gehäuft auf. Das Kreuz Stuttgart ist schon lange als Unfallschwerpunkt bekannt."

Neuerdings kann man sich die Unfälle auf einer interaktiven Karte anschauen, dem Unfallatlas des Statistikportals. Erwartungsgemäß häufen sich die Unfälle auf der Autobahn. Hier Screenshots für unsere Gegend:







Eine Google-Suche fördert denn auch schnell eine lange Liste von Schlagzeilen und Presseberichten aus der letzten Zeit zu Tage. Diese Aufzählung erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit; schließlich kommt nicht jeder Blechschaden in die Zeitung. Die Liste ist beträchtlich lang ...
  • A8 bei Leonberg: Gaffer verursachen langen Stau nach Unfall, StN 02.09.2017
  • A8/A81 bei Leonberg-Ost: Lkw-Unfall sorgte für langen Stau im Berufsverkehr, StN 06.09.2017
  • Leonberg: BMW fängt auf der A8 Feuer, StN 07.09.2017
  • Ford Mustang überschlägt sich auf A8 - Fahrer in Lebensgefahr, PZ-news 28.11.2017
  • A8 bei Leonberg: Lkw drückt anderen Laster gegen Betonleitwand, StN 30.11.2017
  • A8 bei Leonberg: Massenkarambolage führt zu Verkehrschaos, StZ 04.12.2017
  • A8: Verkehrschaos nach Lkw-Unfall im Engelbergtunnel, StN 07.12.2018
  • Leonberg - Unfall auf der A 8: mehrere Verletzte, StZ 08.12.2017
  • Junge Frau löst Autobahn-Crash aus: mehrere Verletzte, Tag24 09.12.2017
  • Unfall auf der A8 bei Rutesheim: Autofahrerin verletzt, Polizei sucht Verursacher, StZ 20.12.2017
  • A8 bei Rutesheim: Unfall mit neun Fahrzeugen sorgt für 16 Kilometer Stau, LKZ 22.01.2018
  • Unfall auf der A 8 bei Leonberg: Totalschaden: Mercedes kommt von der Straße ab, LKZ 31.01.2018
  • A8 bei Leonberg: LKW schleift verkantetes Auto mit, StN 01.02.2018
  • Leonberg: Sieben Kilometer Stau nach Unfall auf der A 8, StN 02.02.2018
  • A8 bei Leonberg: BMW-Fahrer flüchtet nach Unfall, StN 09.02.2018
  • Massenkarambolage: Ehepaar stirbt bei Unfall auf der A8, LKZ 04.03.2018
  • A8-Unfallschwerpunkt fordert neues Opfer: Fahrer von Kleintransporter stirbt, PZ-news 08.02.2018
  • Autobahn bei Leonberg: Auto schleudert über die A8, StN 08.05.2018
  • A8 und A81 bei Leonberg: Langer Stau nach Karambolage im Engelbergtunnel, StN 16.05.2018
  • Leonberg A 8: Ford prallt auf Renault und Skoda, LKZ 31.05.2018
  • A8 beim Dreieck Leonberg: Reisebus brennt vollständig aus, StN 03.06.2018
  • A8 bei Leonberg: BMW fängt auf der Autobahn Feuer, LKZ 05.06.2018
  • Unfall auf der A8 bei Leonberg: Autofahrer bei Auffahrunfall am Stauende schwer verletzt, StN 06.06.2018
  • Spektakulärer Unfall bei Ditzingen: Sattelzug verliert Dutzende Getränkekisten auf Autobahn-Auffahrt, StN 19.06.2018
  • Autobahn 8 bei Rutesheim: Unfall im stockenden Verkehr, LKZ 13.06.2018
  • A 8 bei Leonberg: Kurz eingenickt und Unfall gebaut, LKZ 21.06.2018
  • Krankenschwester mit drei Promille auf der A8, StN 22.05.2018
  • Karambolage auf der A 8: Betrunkener rammt ein Familienauto, StZ 24.06.2018
  • Fahrzeug überschlägt sich: A8 nach Crash gesperrt! Tag24, 29.06.2018
  • A8 bei Rutesheim: Unfall mit 3 Fahrzeugen, LKZ 03.07.2018
  • Unfall in Leonberg: Wohnmobil fährt auf Autotransporter auf, StN 07.07.2018
  • BAB8/Leonberg: Unfall mit 14.000 Euro Sachschaden und einer leichtverletzten Person, Focus 08.07.2018
  • Leonberg: Drei Autos krachen auf der A 8 ineinander, StZ 08.07.2018
  • Polizeibericht aus Leonberg: VW-Transporter kippt auf der A 8 um, LKZ 12.07.2018 
  • A8 bei Heimsheim: Verkehrsbehinderungen nach schwerem Lastwagenunfall, StN 20.07.2018 
  • Schwerer Unfall auf der A 8: 150 000 Euro Schaden, LKZ 20.07.2018 
  • A8 bei Rutesheim: Motorradfahrer bei Unfall schwer verletzt, LKZ 21.07.2018 
  • Polizeibericht aus Leonberg: Volvo fährt in Stauende, StZ 23.07.2018
  • BAB 8 / Leonberg: Auffahrunfall mit drei Fahrzeugen POL-LB 23.07.2018 
  • BAB 8 / Heimsheim: Unfall fordert Leichtverletzte, POL-LB 23.07.2018
  • A8 Leonberg: zu stark abgebremst, POL-LB 31,07.2018
Was bringt nun ein Tempolimit? Dazu schrieb 2015 die Welt"Statistisch kann man einen Zusammenhang zwischen Tempolimit und weniger Verkehrstoten herstellen: 2013 sind auf Autobahnen mit Geschwindigkeitsbegrenzung pro Autobahnkilometer 30 Prozent weniger Menschen tödlich verunglückt als auf Autobahnen ohne Tempolimit."  Die Schwäbische brachte 2017 eine Auswertung auf Basis der offiziellen Unfallstatistiken der Autobahnen und auch dort zeigt sich ein klares Bild:





Ein Tempolimit verringert das Unfallrisiko, weil es den Verkehr gleichmäßiger fließen läßt. Frankreich führte gerade Tempo 80 auf Landstraßen ein, um die Unfallzahlen zu senken.  




Zum Ende noch eine letzte Meldung: Mit amtlicher Unterstützung der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr sollte eine "Elfenbeauftragte" mit ihren spirituellen Kräften eine Unfallserie auf der A2 beenden. Sie habe dort Strecken „energetisch versiegelt“, sagt sie. Falls Sie nun wissen wollen, wie die Dame arbeitet: „Elfenbeauftragte nehmen Kontakt zu Naturgeistern, Elementar- und Erdwesen auf“. Der Bericht darüber steht in der Hannoverschen Allgemeinen, 04.08.2018. Möglicherweise sollten wir auch mal Kontakt aufnehmen ...

Sonntag, 19. August 2018

Marode Brücken: nicht nur in Genua?




In Genua stürzte am 14.08.2018 eine vielbefahrende Autobahnbrücke ein und dabei kamen viele Menschen um ihr Leben. Am 16.08.2018 berichtete Zeit-Online (hier) “Italiens Regierung droht mit Verstaatlichung der Autobahnen”. Der private Betreiber verdiente zwar Milliarden mit der Maut, investierte aber angeblich nicht genug in die Sicherheit.  Falls das so stimmt, gilt: Privatisierung kann gefährlich werden.

Außerdem berichtete die Zeit am 15.08.2018 (hier): “Viele Brücken in Deutschland sind marode”. Bei den Brücken liegt das häufig daran, dass Feuchtigkeit durch Risse in den Spannbeton eindringt und dann die Stahlbewehrung im Inneren korrodiert. Es gibt rund 40.000 Brücken an deutschen Fernstraßen und davon befinden sich immerhin ein Achtel (!) in “nicht ausreichendem bzw. ungenügendem Bauwerkszustand”. Die staatliche Aufsicht führt Buch darüber und es gibt öffentlich einsehbare Unterlagen von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST): eine zusammenfassende “Brückenstatistik” vom 16.05.2018 (hier) und ausführliche Tabellen mit Einzelbewertungen (hier) aller Bauwerke.

Da mag man fragen, wie es um die Brücken in unserer Gegend steht: Laut der BAST-Liste von 2018 bekommt die Wasserbachtalbrücke bei Silberberg die Note 2.8 in Fahrtrichtung Westen und 2.4 in Fahrtrichtung Osten. Die Überführung von Rutesheim und Silberberg über die A8, die Bahnhofstraße, hat Note 2 und die Eisengrifftalbrücke bei Rutesheim erhält Note 2.3-2.4. Was bedeutet das? Die Noten 2.0-2.4 bedeuten “befriedigend” und 2.5-2.9 “ausreichend”. Diese Brücken sind somit verkehrssicher. Allerdings wurden sie im Zuge der Sanierung der A8 erst im Jahr 2008 in Betrieb genommen und sind somit noch nicht wirklich alt; da wundert es uns ein wenig, dass deren Zustand heute nicht besser ist. Wurden die Brücken schon so gebaut? Oder verschlechterte sich deren Zustand innerhalb von 10 Jahren (seit 2008) von "ausgezeichnet" hin zu "befriedigend" oder gar nur "ausreichend"? Wie ist dann die Prognose für die kommenden 10 Jahre?

Interessant erscheint da ein Artikel im Spiegel aus dem Jahr 2016 (hier), der damals eine Karte mit Brücken in schlechtem Zustand brachte. Die Eisengrifftalbrücke bei Rutesheim wurde 2016 als “nicht ausreichend” (Note 3) bewertet. Heute ist die Brücke besser. Wurde repariert oder haben sich die Bewertungskriterien geändert? Die Enztalbrücke bei Pforzheim war 2016 “ungenügend” und sieht jedenfalls heute genauso aus, wenn man vorbeifährt.

Quelle: der zitierte Spiegel Artikel von 2016


Und dann gibt es ja noch 26.000 Eisenbahnbrücken in Deutschland! Die Zeit berichtete 2014 (hier), dass viele davon kaputt sind. Hat das etwas mit der Privatisierung der Bahn zu tun? 2014 gab es auch eine Karte mit dem Zustand der Eisenbahnbrücken (hier). Die Karte spricht für sich. Manche Brücken gehören abgerissen und eine von diesen steht in Leonberg. Jedenfalls bis jetzt noch.


Quelle: der zitierte Zeit Artikel von 2014


Interessant ist schließlich noch die folgende Grafik 


Ausgerechnet in den eher reichen Bundesländern im Süden der Republik wird anscheinend (zu) wenig in die Infrastruktur investiert? Sollen wir von den Reichen das Sparen lernen? Deshalb zum Abschluss noch ein zum Thema passendes Video.



Samstag, 28. Juli 2018

Mondfinsternis

so sah die totale Mondfinsternis am 27.07.2018 über Silberberg aus (rechts darunter Mars)





Samstag, 16. Juni 2018

Erdbeben in Deutschland

Spiegel-Online bringt einen interessanten Artikel über das Erdbebenrisiko in Deutschland. Hier eine Karte mit registrierten Beben seit dem Jahr 1000:
Der englischsprachige (sehr wissenschaftliche) Orginalartikel steht hier.




Sonntag, 6. Mai 2018

Aktuelle Pläne für die Bahnlärmsanierung in Leonberg-Silberberg

Im folgenden Artikel steht eine Faktensammlung zur geplanten freiwilligen Bahnlärmsanierung in Leonberg: Am 23.04.2018 fand dazu in der Stadthalle eine Informationsveranstaltung statt (siehe Bericht in der LKZ). Auf dem Podium waren unser Oberbürgermeister Martin Kaufmann, dem diese Angelegenheit erkennbar wichtig war, mit seinen Mitarbeitern aus unserer Stadtverwaltung, die Leiterin der Bahnlärmsanierung im Südwesten, Sabine Weiler, sowie der Experte Martin Reichert von der Firma Modus Consult, die die notwendigen Lärmberechnungen durchführt. Die Unterlagen aus der Veranstaltung sind auf der Webseite der Stadt Leonberg öffentlich ausgelegt.

Die Bahnlärmsanierung ist eine freiwillige Leistung des Bundes in Wohngebieten, in denen die Belastung von Bestandsstrecken (d.h. alten Bahnstrecken) besonders hoch ist. Natürlich unterliegt sie einer Förderrichtlinie. Relevant ist daraus u.a. §1, Abs. 3:

"Ziel der Förderung ist es, die Lärmbelastung der Anlieger bestehender Schienenwege der Eisenbahnen des Bundes ... um die von den Schienenwegen ausgehenden Schallemissionen zu mindern, (a.) soweit die zu schützenden baulichen Anlagen vor Inkrafttreten des BundesImmissionsschutzgesetzes errichtet wurden oder (b.) ... oder (c.) ... oder (d.) der Verkehrslärm nach Errichtung der baulichen Anlage in nicht vorhersehbarer Weise zugenommen hat."

Saniert wird also, falls die Gebäude vor dem 01.04.1974 errichtet wurden (diese Aussage steht auch so in der Präsentation der Deutschen Bahn) oder falls der Lärm unvorhersehbar stark zugenommen hat (diese Aussage steht so nicht in der Präsentation der Deutschen Bahn ⇒ ein Schelm, wer Böses dabei denkt).


Wie sieht die Belastung in Silberberg aus?


Berechnung Schienenlärm durch die Firma SoundPlan im Rahmen der Lärmaktionsplanung für Leonberg (Quelle: Stadt Leonberg, Lärmaktionsplanung Stufe 2 vom 01.03.2018, Anlage 3a, Maßnahme M11)
Die aktuelle Lärmaktionsplanung für Leonberg zeigt in Silberberg, dass die ersten zwei bis drei Gebäudereihen entlang der Bahnlinie stark belastet sind. Die obige Karte muss man wie folgt lesen: berechneter Pegel nachts über 55 dB(A) = hellgrün, über 57 dB(A)  = dunkelgrün, über 60 dB(A) = gelb, über 63 dB(A) = rot

Ein Hinweis zum Verständnis solcher Zahlen: In der Norm "Schallschutz im Städtebau" (DIN 18005) steht: "Bei Beurteilungspegeln über 45 dB(A) ist selbst bei nur teilweise geöffnetem Fenster ungestörter Schlaf häufig nicht mehr möglich" und deshalb wird in allgemeinen Wohngebieten ein Orientierungswert von 45 dB(A) empfohlen. Es besteht allerdings keine Rechtspflicht diese Empfehlung der Experten einzuhalten und deshalb ist die reale Belastung vielerorts höher. In der sehr lesenswerten Unterlage über Schienenlärm des Arbeitsrings Lärm der Deutschen Gesellschaft für Akustik steht u.a.: "Die auf der Basis von epidemiologischen Studien beim Straßenverkehr postulierten Risikoschwellen für Herzinfarkte von 65/55 dB(A) tags/nachts haben sich auch für den Schienenverkehrslärm ergeben". Also sollte die nächtliche Lärmbelastung aus gesundheitlichen Gründen unterhalb 55 dB(A) und idealerweise unter 45 dB(A) liegen. Leider fließen diese Erkenntnisse nicht in die gesetzlichen Vorgaben ein.

Schauen wir uns nun die Unterlage zur Bahnlärmsanierung von Modus Consult für Silberberg an:

Berechnung Schienenlärm durch die Firma Modus Consult im Rahmen Bahnlärmsanierung Leonberg 2018 (Quelle: Unterlage zur Informationsveranstaltung am 23.04.2018, Anlage 2.8)
Blau eingezeichnet ist die 57 dB(A) Isophone. Das bedeutet: Alle Gebäude zwischen Bahnlinie und blauer Isophone haben nachts eine Lärmbelastung von mehr als 57 dB(A). Hier zeigen also SoundPlan und Modus Consult vergleichbare Bilder. An allen rot eingezeichneten Gebäudefassaden liegt der nächtliche Pegel oberhalb des Grenzwertes von 57 dB(A).

Manche Nachbarn mögen sich jetzt wundern, wenn ihr Wohngebäude zwar innerhalb der 57 dB(A) Isophone liegt, aber keine rote Fassade hat. Das liegt nicht etwa daran, dass an diesem Haus die Lärmbelastung geringer ist, sondern vielmehr daran, dass es nach 1974 errichtet wurde und gemäß §1 Abs. 3(a) der oben zitierten Förderrichtlinie nicht förderfähig ist. Liebe Nachbarn, da haben Sie eben Pech gehabt (?) ... Mehr dazu später.

Lärmschutzwände und/oder Lärmschutzfenster?

Modus Consult hat berechnet, wie sehr Lärmschutzwände auf beiden Seiten der Bahnlinie die Belastung verbessern.

Berechnung Schienenlärm durch die Firma Modus Consult im Rahmen Bahnlärmsanierung Leonberg 2018 nach Errichtung von drei Meter hogen Lärmschutzwänden (Quelle: Unterlage zur Informationsveranstaltung am 23.04.2018, Anlage 3.1.8)

Die drei Meter hohen Lärmschutzwände sind grün eingezeichnet. Die blaue 57 dB(A) Isophone liegt nun erheblich näher an der Bahnlinie. Dementsprechend weniger Wohngebäude überschreiten den Grenzwert. An den Stellen, wo Fassaden noch immer rot eingezeichnet sind, werden zusätzliche "passive Lärmschutzmaßnahmen" notwendig; dabei handelt es sich um Zuschüsse für Lärmschutzfenster und Lüftungsanlagen. Letztere braucht man, weil die Lärmschutzfenster zumeist geschlossen bleiben sollten, weil sie natürlich keinen Lärm abhalten, solange sie zum Lüften offen stehen. 

Ist Ihr Haus zu jung?

Wir untersuchen nun im Nordosten Silberbergs die Wirksamkeit der Lärmschutzwände:

Nordosten von Silberberg: Detail aus dem vorigen Bild

An der Friedrich Haugstraße wird auch mit Lärmschutzwand der Grenzwert von 57 dB(A) übertroffen, wie man an den roten Fassaden sieht. Möglicherweise sind die Lärmschutzwände mit 3 Meter noch zu niedrig und man sollte 4 m Höhe anstreben? Die nördliche Lärmschutzwand endet auf der Höhe der Paulinenstraße 32. Deswegen ist der Lärmschutz der in der Nähe liegenden Häuser weniger wirksam. Deren Fassaden sind jedoch nicht rot eingezeichnet, weil die Häuser hierfür zu jung sind. Der Bebauungsplan "Östliche Haugstraße" stammt aus dem Jahr 1976 und Stichtag für die Förderwürdigkeit war der 01.04.1974. Rein technisch würde jedenfalls eine Erhöhung und Verlängerung der Lärmschutzwand auch dort erhebliche Verbesserungen bringen.


Was steht eigentlich im Bebauungsplan?

Auf den Webseiten der Stadt Leonberg kann man erfreulicherweise die alten Bebauungspläne herunterladen (das, das und das ist ein guter Service der Stadt!). Relevant erscheint im Bebauungsplan "Östliche Haugstraße" die folgende Passage:

Auszug aus dem Bebauungsplan Östliche Haugstraße aus dem Jahr 1976

Es gibt also ein Lärmgutachten der Firma Bender und Stahl aus dem Jahr 1974. Offenbar steht dort, dass bei der geplanten Bebauung ein Beurteilungspegel von 50 dB(A) an den Fassaden nicht überschritten wird. Heute liegen die Pegel oberhalb 63 dB(A), wie im Rahmen der Lärmaktionsplanung der Stadt Leonberg berechnet wurde. 13 dB(A) Unterschied sind erheblich. Das entspricht rund und roh gerechnet einer 20-fachen Verkehrsbelastung. Hier muss man deshalb fragen, ob nicht die Bestimmung §1, Abs. 3(d) greift, wonach "der Verkehrslärm nach Errichtung der baulichen Anlage in nicht vorhersehbarer Weise zugenommen hat." Immerhin gab es doch damals ein offizielles Gutachten, welches eine solche Steigerung offenbar nicht vorhergesehen hat. Die physikalische Erklärung dafür, wie es zu jener Steigerung um 13 dB(A) kam, ist übrigens sehr einfach: 


Die Zahl der Güterzüge nahm über die Jahre hinweg schleichend, aber stetig zu




Update 07.05.2018: Ein nie gebauter Lärmschutzwall


Folgender sachdienliche Hinweis aus der Nachbarschaft kam gerade herein:


Detail aus dem Bebauungsplan Östliche Haugstraße aus dem Jahr 1976

Im Detailbild des Bebauungsplanes 1976 ist blau ein Lärmschutzwall eingezeichnet, der sicherstellen sollte, dass keine Sichtverbindung zwischen den Wohngebäuden und der Eisenbahn besteht. Der Lärmschutzwall musste seinerzeit vom Bauträger errichtet werden. Der Bauträger ging allerdings vorher in Insolvenz und seitens der Behörden wurde auch nichts mehr unternommen. Und deswegen ist ein Lärmschutzwall im Bebauungsplan dokumentiert, der niemanden vor Lärm schützt, weil er in Wirklichkeit überhaupt nicht existiert.


Update 11.05.2018: Stellungnahme der AGVL

Dort stehen weitere wichtige Hinweise:

  • die in den Berechnungen von Modus Consult angesetzten aktuellen Zugzahlen für 2016 erscheinen zu niedrig
  • für die Vorhersage der zukünftigen Lärmbelastung setzt die Bahn einen Prognosehorizont 2025 fest; die Lärmschutzmaßnahmen werden voraussichtlich 2022 umgesetzt werden; ein Prognosehorizont 2030 wäre möglich und angemessen
  • die Bahn betrachtet nur Lärmschutzwände und Lärmschutzfenster; es gäbe aber durchaus weitere Maßnahmen, wie Entdröhnung von Brücken, Schienenschmieranlagen oder schlicht Tempolimits; diese werden nicht ausreichend betrachtet
  • es besteht eine Forderung den Einbau der im Rahmen der Sanierung eingeplanten Lärmschutzfenster an Gebäuden mit gesundheitsschädlicher Belastung [~60 dB(A) nachts] zeitlich vorzuziehen: dafür braucht man nämlich nicht auf eine Planfeststellung zu warten sondern kann sofort umsetzen
Ach ja, ... bereits vor längerer Zeit hatten wir in diesem Blog darauf hingewiesen, dass die Rechtsgrundlage, auf welcher die Deutsche Bahn lärmige Güterzüge fahren lässt, fragwürdig erscheint: es gibt bis heute keine Betriebsgenehmigung


Samstag, 28. April 2018

Presseschau zum Leonberger Lärm

Am 23.04.2018 fand in der Leonberger Stadthalle ein Informationsabend über die freiwillige Lärmsanierung der hiesigen Bahnstrecke statt (siehe Bericht in der Leonberger Kreiszeitung). Die Unterlagen sind inzwischen bei der Stadt Leonberg zugänglich und wir werden diese analysieren.
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Hier noch ein paar weitere, ältere Zeitungsartikel über Lärm in Leonberg:

  • am 22.12.2017 hofft die Leonberger Kreiszeitung auf ein "Entflechtungs-Wunder"(?) Im Rahmen des achtspurigen Ausbaus der A8/A81 zwischen Stuttgarter Kreuz und Leonberger Dreieck wurde ein vierter Fahrstreifen gebaut, wobei dem Regierungspräsidium Stuttgart offenbar wichtig war, zu betonen, dass es keinen zusätzlichen Fahrstreifen gibt, obgleich jetzt einer mehr da ist. Dafür hätte man nämlich eine Planfeststellung gebraucht. Die Planer sagen: „Diese nun in Richtung Autobahnkreuz Stuttgart verlängerte vierte Fahrbahn bringt für Leonberg keinen zusätzlichen Verkehrslärm“.

Die Luftbildansicht auf Google Maps zeigt vier Fahrspuren in jeder Richtung, d.h. eine mehr als zuvor
  • am 06.03.2018 berichtet die Leonberger Kreiszeitung, dass es am Bahnhof Rutesheim, der im Leonberger Ortsteil Silberberg gelegen ist, weniger ruhestörende Ansagen der Deutschen Bahn stattfinden werden. Ein Anwohner erreichte mit seiner Klage, dass die Bahn nachts auf Gongtöne und allerlei Durchsagen verzichtet.

Sonntag, 25. März 2018

DUH misst Stickstoffdioxid

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat im Februar 2018, also einen Monat lang, an über 500 Orten in Deutschland die Belastung mit Stickstoffdioxid (NO2) gemessen. In Deutschland gilt im Jahresdurchschnitt ein Grenzwert von 40 µg/m³ NO2. In der Schweiz liegt der entsprechende Grenzwert bei 30 µg/m³ NO2. Die DUH veröffentlichte soeben ihr Ergebnis, wonach die Luft nicht bloß in Innenstädten, also an Orten wie dem berüchtigten Stuttgarter Neckartor, stark belastet ist, sondern auch vielerorts in der Fläche. 


In unserer Gegend finden sich verschiedene Messwerte, teilweise auch von anderen "Forschern" als der DUH:
  • 47 µg/m³ in Gerlingen an der Hauptstraße (SWR)
  • 28 µg/m³ in Malmsheim an der Heimsheimerstraße (SWR)
  • 29 µg/m³ in Rutesheim an der Bahnhofstraße nahe der A8 (SWR)
  • 47 µg/m³ in Leonberg an der Grabenstraße (Umweltbundesamt 2016)
  • 31 µg/m³ in Leonberg an der Berlinerstraße nahe Leo-Bad (DUH)



Wir wissen natürlich nicht, wie repräsentativ diese Messungen aus dem Februar übers Jahr wirklich sind. Allerdings zeigt sich, dass in diesem Monat mit dem Schweizer Jahresgrenzwert vergleichbare Belastungen nicht nur an verkehrsreichen Straßen in Innenstädten auftreten, sondern überall: Anscheinend herrscht hier flächendeckend eine Hintergrundbelastung von rund 30 µg/m³ NO2.

Das Umweltbundesamt gab am 08.03.2018 eine erschreckende Pressemitteilung und eine Studie zu den gesundheitlichen Wirkungen der Belastung mit Stickstoffdioxid heraus: 2014 waren rund 6000 vorzeitige Todesfälle bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen darauf zurückzuführen, weiterhin 8% der Diabetes- und 14% der Asthma-Erkrankungen.


Update 29.03.2018;

Städte mit DUH-Klagen (Quelle)

Update 15.04.2018:


Der Spiegel berichtet, dass neben anderen Faktoren auch Feinstaub Alzheimer auslösen kann.




Sonntag, 4. Februar 2018