Samstag, 7. Januar 2017

Neujahrsfeuerwerk



Blick auf Rutesheim an Neujahr (vom Hotel 2050)
Wir wünschen allen unseren Lesern ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr.

Im letzten Blog am 04.12.2016 ging es um den Begriff "postfaktisch", der - kaum eine Woche später - von der Gesellschaft für deutsche Sprache prompt zum Wort des Jahres gewählt wurde. Manches liegt eben in der Luft. Das gilt auch für den Feinstaub, der unter anderem beim Silvesterböllern freigesetzt wird und um den es im folgenden Beitrag geht. Allerdings nicht in Form von postfaktischem Geschwätz, sondern wir zeigen Zahlen, Daten, Fakten.

Am 11.12.2016 haben wir einen Feinstaubsensor an unserem Haus in Silberberg in Betrieb genommen. Dieser misst im Minutentakt die Feinstaub-Konzentration. Das OK Lab Stuttgart hat solche kostengünstige Feinstaubsensoren für Jedermann entwickelt (übrigens: danke an Ewald und Rajko, die mir mit der Inbetriebnahme geholfen haben). Das Ziel der Initiative ist, "Citizen Science" zu fördern - also Wissenschaft für Alle ...

Hier unsere Feinstaub-Belastung über die drei Tage von 31.12.2016 bis 02.01.2017, also Silvester, dem Neujahrstag (in der Mitte) und dem Tag danach. Die Feinstaub-Belastung steigt steil an ab dem 01.01.2017 um 00:00 Uhr.


Grau eingezeichnet sind die minütlich gemessenen Rohdaten, die starke Schwankungen aufweisen, die blauen Werte wurden über eine Stunde lang geglättet und die grüne Kurve zeigt über 24 Stunden geglättete Werte. Der rote Strich bei 50µg/m³ ist der gültige Tagesgrenzwert. Man sieht: unsere Gegend war bereits vor dem Feuerwerk grenzwertig und diese Belastung verzehnfachte sich durch die Knallerei. Nachdem das Feuerwerk vorbei war, dauerte es rund 24 Stunden bis der Feinstaub wieder abgeklungen war. Man sieht eine Dunstglocke aus Feinstaub bei Sonnenuntergang am Neujahrstag noch über Silberberg hängen (der Zeitpunkt entspricht der Zeit 1.5 Tage in obigem Messschrieb mir gut 300µg/m³ PM10).


Das Ergebnis unserer Messung passt übrigens ausgezeichnet zu denen der professionellen Geräte: auch die Feinstaubkarte des Umweltbundesamtes weist an Silvester - vor dem Feuerwerk - für unsere Gegend grenzwertige Belastungen in Höhe 50µg/m³ aus:

Quelle: Umweltbundesamt
Man sieht: der Feinstaub befällt nicht bloß irgendwelche verkehrsreichen Straßenschluchten am Stuttgarter Neckartor, sondern er tritt auch in Vorstädten und im ländlichen Raum auf. Übrigens sahen an Neujahr fast alle Sensoren des Feinstaubmessnetzwerkes Belastungen in Höhe des zehnfachen Tagesgrenzwertes (blau in der folgenden Darstellung des OK-Lab).

Feinstaub-Konzentration in der Region Stuttgart am Neujahrstag

Man kann diese Karte mit Echtzeitdaten zur Feinstaub-Konzentration im Internet abrufen. Auch die AGVL hat Daten ausgewähler Sensoren und allgemeine Informationen.

Citizen Science heißt: wir werden weiter messen und beobachten ...

Zum Start ins neue Jahr noch ein hübsches Bild vom Morgenspaziergang am Dreikönigstag durchs Wasserbachtal: dort war es ernsthaft kalt ...