Sonntag, 9. Oktober 2016

Verkehrsminister der Länder fordern längere Züge


Die Länderverkehrsminister wollen mehr Güter von der Straße auf die Schiene bringen und fordern deshalb, dass das Schienennetz so ausgebaut werden soll, dass 740 Meter lange Züge fahren können. Das berichtet die Allianz Pro Schiene. Für die Bahn-Lobby ist es selbstverständlich attraktiv, höhere Transport-Kapazitäten im Güterzugbereich zu schaffen.

Was sagt die Politik dazu?

„Tatsächlich ist es eine gute Idee, die in Deutschland zulässigen Güterzuglänge besser auszunutzen. Die gleiche Gütermenge wäre mit weniger Zügen zu bewältigen. Diese Effizienzsteigerung hätte den schönen Nebeneffekt, dass wir auch eine Lärmminderung erreichen: Statt viele kürzere Züge fahren weniger Züge in Standardlänge. Dieser Ansatz ist daher aus Sicht des Landes Hessen zu begrüßen“, sagte der hessische Verkehrsminister Al-Wazir.

Die Bürgergruppe für Sicherheit und Lärmschutz an der Bahn aus München kommentiert: "Herr Al-Wazir meint doch allen Ernstes, dass ein Waggon umso leiser ist, je länger der Zug ist, in dem er eingestellt ist. Glaubt Hr. Al-Wazir womöglich, dass nur Züge Lärm machen, aber Waggons nicht? Da das der größte Unsinn ist, der uns in all den vielen Jahren, in denen wir uns schwachsinnige Äußerungen von Politikern anhören mußten, vorgekommen ist, verleihen wir Herrn Al-Wazir den Preis Knalltüte des Monats."

Natürlich gratulieren wir gerne.


"Komplexer geht es kaum"



Prognosen zum Lärm sind durchaus schwierig, nicht nur für Politiker sondern auch für Experten. In den VDI-Nachrichten steht am 06.10.2016, dass das Eisenbahn-Bundesamt Mitte 2017 ein Lärmkataster mit Rasterlärmkarten bis auf Gebäudeebene vorlegen wird. Die auch in der Lärmaktionsplanung für Leonberg tätige Firma SoundPlan aus Backnang arbeitet daran mit. Die VDI-Nachrichten kommentieren:

"Allerdings ist mit der Erstellung von Katastern und Aktionsplänen noch keinem Betroffenen geholfen. Dagegen haben Bund und DB seit 1999 anhand vorhandener Lärmkarten bereits über 1,1 Mrd. €  in Schallschutzmaßnahmen investiert. Von den rund 3700 als besonders lärmbelastet eingestuften Streckenkilometern war bis Ende 2015 knapp die Hälfte saniert."


... und wie sieht es hier bei uns aus?



Die Strecke von Korntal über Leonberg und Renningen nach Magstadt liegt auf der Dringlichkeitsliste der geplanten Lärmsanierungen der Deutschen Bahn auf dem ehrenwerten Platz 93. 

Auszug der Dringlichkeitsliste; in den Spalten stehen die Nummer der Strecke (4810 bzw. 4870), die Priorität (Platz 93), das Land (Baden-Württemberg), der Ort, von km, bis km und Länge.

Bei der Lokalisierung der geplanten Lärmschutzmaßnahme hilft vielleicht noch die folgende Angabe der Bahnkilometer und der Bahnsteiglängen aus der Wikipedia für die Württembergische Schwarzwaldbahn:



Der Streckenabschnitt bei Leonberg-Silberberg ist in der Lärmaktionsplanung für Leonberg mit sehr hohen berechneten Lärmpegeln (von den tatsächlich messbaren Pegeln ganz zu schweigen) ausgewiesen.

Laut dem Entwurf für die Lärmaktionsplanung 2015 für Leonberg herrschen entlang der Bahnstrecke Lärmpegel, die gesundheitsschädlich sind, und die oberhalb der Eingriffsgrenze von 67 / 57 dB(A) tagsüber / nachts liegen.