Sonntag, 24. April 2016

Einstürzende Neubauten ?

Bereits seit langem ist bekannt, dass es in Deutschland viele marode Brücken gibt. Am berühmtesten ist derzeit die Schiersteiner Brücke über den Rhein (vgl. Wikipedia). Man mag sich jetzt fragen: Gibt es noch mehr solche Probleme?

Wie alles anfing ...


Die Welt vom 01.09.2015 brachte den Artikel "12.000 deutsche Brücken von akutem Verfall bedroht" und der Spiegel griff dieselbe Angelegenheit am 07.03.2016 unter dem Titel "Marode Fernstraßen: Hier zerbröseln Deutschlands Brücken" erneut auf. Worum geht es dabei?

Der Journalist Lars-Marten Nagel stellte laut Welt bereits 2008 einen Antrag nach dem Informationsfreiheitsgesetz, um Daten über den Erhaltungszustand von Brücken zu erhalten. Politiker fordern zwar gerne Transparenz von politischen Gegnern, aber die CSU-Verkehrsminister Ramsauer und Dobrindt lehnten die Herausgabe dieser Informationen an den Journalisten Nagel ab. Wo kämen wir schließlich hin, wenn jedermann einfach nachlesen könnte, was bei uns alles kaputt ist?

Die Deutsche Presseagentur verlor deshalb eine Klage vor dem Verwaltungsgericht, die das Bundesverkehrsministerium zur Herausgabe zwingen sollte. Das Ministerium führte ins Feld, dass Daten zum Zustand unserer Verkehrswege nützlich für Terroristen sein könnten. Dieses Argument geht natürlich ins Leere, weil doch gerade der Verdacht besteht, dass die Brücken von alleine und ganz ohne Einwirkung von Terroristen einstürzen könnten!

Sieben Jahre nach der ersten Anfrage hatte die Welt Erfolg mit einer weiteren Klage und erreichte die Freigabe von Informationen. Wahrscheinlich gehen CSU-Politiker vorsichtiger mit dem Verlag um, der die BILD-Zeitung herausgibt, als mit einzelnen neugierigen Journalisten. Das Ergebnis der Anfrage war jedenfalls grausam und erklärt, warum Politiker gerne einen gnädigen Mantel des Schweigens darüber ausbreiten: der Verfall schreitet rasend voran.

Die Grünen stellten weitere Nachfragen im Parlament und nun liegen detaillierte Antworten zum Brückenzustand vor. Hier die Bewertung der Brücken in Baden-Württemberg auf Anfrage des Abgeordneten Matthias Gastel und mehrerer Kollegen.

Zusammenfassung: Es dauert sieben lange Jahre, um Informationen, welche uns Bürgern nach dem Informationsfreiheitsgesetz zustehen, aus einem CSU-geführten Verkehrsministerium zu "befreien".


Wie sieht es in unserer Gegend aus?


Im Spiegelartikel gibt es eine interaktive Karte, in der man Orte heranzoomen kann. So sieht ein Screenshot daraus bei Leonberg aus:
 

Dort fällt auf, dass die erst 2008 erbaute Eisengrifftalbrücke bei Rutesheim in einem nicht ausreichendem Zustand ist, ebenso wie viele weitere, orange eingezeichnete Autobahnbrücken entlang von A8 und A81. Anstatt hundert Jahre oder länger zu halten, geraten also moderne Bauwerke binnen 7 oder 8 Jahren in einen mangelhaften Zustand. 

Was lernen wir daraus? Nicht nur die Fahrbahnoberfläche zerbröckelt auf der A8 rapide, sondern auch die Brücken. Wir hatten in diesem Blog vor einem Jahr über die Schlaglöcher geschrieben und - auf Verdacht - aus unserer (nicht unbedingt sachverständigen) Sicht merkwürdig aussehende Bilder von der Eisengrifftalbrücke gepostet. Offenbar sollten wir bei der Bewertung der Qualität der Leistungen unserer Straßenbaubehörden vorsichtshalber immer mit dem Schlimmsten rechnen.


Wie geht es bei der Bahn?

 

Wenn wir schon dabei sind, den Zustand unserer Autobahnbrücken zu betrachten, dann liegt auch ein Blick auf die Bahn nahe: Die Zeit hatte am 02.09.2014 einen Artikel "So kaputt sind Deutschlands Bahnbrücken" mit interaktiver Karte. In unserer Gegend zeigt ein Screenshot Folgendes:


Das Spektrum reicht also von punktuellen Schäden bis hin zur Diagnose "muss abgerissen werden" (westlich des Leonberger Haldengebietes).


Feuilleton

 

Beim Berliner Flughafen wurde der Pressesprecher gefeuert (Quelle: Spiegel vom 11.04.2016), nachdem er verkündet hatte: "Die Berliner und Brandenburger haben ein Recht zu sehen, wo ihre Milliarden versenkt worden sind". Da sage noch einer, ehrlich währt am längsten.

Wir freuen uns ferner darauf, dass - anders als der Berliner Flughafen - demnächst ein anderer Meilenstein der deutschen Baukunst eröffnet werden kann. Die Kosten für den Bau der Elbphilharmonie stiegen von anfangs geplanten 77 Mio Euro auf 789 Mio Euro. Bereits diese Leistung verdient unseren Respekt. So etwas muss man erstmal nachmachen. Es kommt aber noch besser: Zur Eröffnung spielt am 11.01.2017 die Band Einstürzende Neubauten. Die Welt titelt dazu am 12.04.2016 "Einstürzende Neubauten in der Elbphilharmonie: Zur Eröffnung im kommenden Jahr lässt es Hamburg so richtig krachen". Wir hoffen das Beste für den Erhalt des Gebäudes.