Sonntag, 6. März 2016

Johnny Controlletti ...

... war eine Figur aus einem alten Lied von Udo Lindenberg und im Refrain hieß es: "Alles unter Kontrolle". Der Streit zwischen der Leonberger Stadtverwaltung und der (ehemaligen) Gruppe Immissionen aus der Lokalen Agenda macht auf uns ganz den Eindruck, als ob die hiesige Verwaltung ebenfalls enormen Wert darauf legt, alles unter Kontrolle zu halten.

 

Was ist passiert?

Die Agendagruppe Immissionen hatte vom Forum der Lokalen Agenda, wo verschiedene Bürgerinitiativen zusammen mit der Stadtverwaltung Mitglieder sind, eine Finanzierungszusage für ihre Arbeit erhalten und Geld für ein Flugblatt ausgegeben. Die Verwaltung verweigert jetzt nachträglich die Erstattung  der zugesagten Mittel und schiebt dafür nicht näher beschriebene "haushaltsrechtliche Gründe" vor. Tatsächlich aber kritisiert die Verwaltung, dass der Inhalt vor dem Drucken nicht mit der Verwaltung abgestimmt worden war.

Die
Leonberger Kreiszeitung berichtet über den im Laufe des Streites erfolgten Austritt der Agendagruppe Immissionen aus der Lokalen Agenda und schreibt: die Angelegenheit werde jetzt in städtischen Gremien behandelt und das Thema sei für die Stadt noch nicht beendet. Statt also eine Meinungsverschiedenheit mit etwas gutem Willen schnell aus der Welt zu schaffen, wird jetzt wochenlang herumdiskutiert  und die Verwaltung drückt sich vor einer nachvollziehbaren Beschreibung ihrer sogenannten haushaltsrechtlichen Gründe. Der ganze Vorgang zeugt von wenig Souveränität im Umgang mit abweichenden Meinungen. Die Kosten der Verwaltung für ihre unermüdliche Gremienarbeit übersteigen wahrscheinlich schon lange die Druckkosten jenes Flyers.
 
Stadtrat Frank Albrecht verlor inzwischen laut der Leonberger Kreiszeitung die Lust bei der Lokalen Agenda mitzumachen. Urteilen Sie selbst: hier nochmals der inhaltlich eher harmlose Flyer, der die Bürger aufruft sich bei der Lärmaktionsplanung zu beteiligen. Auch der Stadtanzeiger berichtete.

 

Worum geht es eigentlich?

Im Lauf der Zeit wurden bei der Agenda schon  viele Flyer bezahlt: warum sollte eigentlich nur dieser jetzt umstrittene Flyer mit der Verwaltung abgestimmt werden?  Wieso werden nicht alle Flyer und alle Agendagruppen gleich behandelt? Was passiert eigentlich, wenn es bei deiner Abstimmung mit der Verwaltung zu Meinungsverschiedenheiten kommt? Dürfen Bürgerinitiativen Meinungen veröffentlichen, die von denen der Verwaltung abweichen? Haben die Damen und Herren aus der Verwaltung während ihrer Dienstzeit nichts Besseres zu tun als die Flugblätter von Bürgerinitiativen zu redigieren? Was sagt eigentlich der Chef der Stadtverwaltung zu dieser Zeitverschwendung? Wir wissen das nicht, weil er schweigt. Möchte er vielleicht das Management der Leonberger Bürgerinitiativen übernehmen? Oder fühlt sich seine Verwaltung wie das "Syndikat" in dem Lied von Udo Lindenberg?
Und Johnny Controlletti
übernahm sofort das Management
Er sagt: Si, si, Signor
wir machen das perfekt und schnell

die Jungs vom Syndikat sind enorm professionell



 


Die Stadt braucht Ehrenamtliche - aber brauchen enagierte Bürger Gängelei durch die Stadt?

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Update vom 24.04.2015

Problem gelöst, die Stadt zahlt den der Agendagruppe Immissionen seinerzeit zugesagten Betrag aus. Dies hat der Stadtrat so beschlossen. Die Leonberger Kreiszeitung berichtete am 19.04.2016: "Unter den Flyer-Streit wird ein Schlussstrich gezogen". Nur schade um das Porzellan, welches die Verwaltung mit dieser im Grunde albernen Streiterei zerschlagen hat.


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Bildnachweis: Quelle des Auschnittes aus dem Lindenberg-Bild: (licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Germany license. Attribution: Hawobo at german Wikipedia project)