Sonntag, 29. November 2015

Falsche Zahlen ?


Lärm


Die Leonberger Kreiszeitung brachte am 24.11.2015 ein Interview mit der Überschrift "Die Maßnahmen zum Lärmaktionsplan wirken hilflos". Es gibt dort wenig wirksame Maßnahmen für viel Lärm. 

In der Veranstaltung der Stadt zur Bürgerbeteiligung am 26.11.2015 antworteten Vertreter der Gutachterfirma SoundPLAN auf eine direkte Frage, dass bei den Lärmberechnungen für die Wasserbachtalbrücke lärmmindernder "Flüsterasphalt" unterstellt wurde. Dort liegt aber gar kein solcher. Dies erklärt (teilweise) die im vorigen Blog angesprochenen merkwürdigen Abweichungen in Silberberg: Wenn man bei einer Berechnung "Flüsterasphalt" ansetzt, wo keiner verlegt wurde, dann kommt selbstveständlich ein fehlerhafter, weil zu niedriger Wert heraus. Die Zahl der Betroffenen wird dann unterschätzt und Grenzwertüberschreitungen bleiben verborgen.  

... Die Bürgerbeteiligung zur Lärmaktionsplanung läuft bis zum 04.01.2016 ... Jeder Betroffene kann Stellung nehmen ... Wie das geht, steht auf den FAQ's der AGVL. Hier nochmals das Flugblatt der AGVL mit dem Aufruf an die Leonberger Bürger, sich an der Lärmaktionsplanung zu beteiligen.





Keine offiziellen Zahlen ...

gibt es bislang über die zu erwartende Belastung des Böblinger Flugfeldes mit Luftschadstoffen und Lärm von der Autobahn A81. Ausgerechnet dort soll das neue Kreiskrankenhaus gebaut werden. Die Leonberger Kreiszeitung berichtet am 17.11.2015 über "Druck beim Grundstückskauf". Es wäre ziemlich abwegig, wenn der Kreis das Grundstück kaufen würde, bevor die Kosten für gegebenenfalls notwendige, zusätzliche Schutzmaßnahmen klar sind.


Feinstaub und Stickstoffdioxid in der Region Stuttgart 


Bekanntlich läuft seit einiger Zeit ein Vertragsverletzungsverfahren der EU gegen Deutschland, weil wir - unter anderem in der Region Stuttgart - die seit 2010 gültigen gesetzlichen Grenzwerte für Stickstoffdioxid massiv verletzen (ältere Blogbeiträge darüber stehen hier und hier). 

Die Deutsche Umwelthilfe startete deshalb eine Welle von Klagen für saubere Luft in Deutschland. Es geht, so schreiben die Finanznachrichten, um Fahrverbote für besonders schmutzige Dieselfahrzeuge in Großstädten, aber auch um einen Antrag auf Zwangsvollstreckungsmaßnahmen (!) gegen den Staat wegen fortgesetzter Untätigkeit: "Die DUH hat außerdem gegen das bayerische und das hessische Umweltministerium Zwangsvollstreckungsmaßnahmen wegen der Grenzwertüberschreitungen in München, Darmstadt und Wiesbaden beantragt. Dort sind bereits rechtskräftige Urteile ergangen, die nicht eingehalten werden. Die DUH beantragt nun die Androhung von Zwangsgeldern gegenüber den beiden zuständigen Landesministerien wegen Nichtumsetzung der Urteile. Das Gesetz sieht ein maximales Zwangsgeld von 10.000 Euro vor; dieses kann wiederholt und auch pro Tag festgesetzt werden." Es ist anzunehmen, dass die grün-rote Landesregierung von Baden-Württemberg gerade scharf darüber nachdenkt, was zu tun ist, um nicht in ähnliche Schwierigkeiten zu geraten. Es gibt eine ausführliche Unterlage der Deutschen Umwelthilfe. 

Die Stuttgarter Zeitung vom 24.11.2015 berichtet "Tempo 40 verhilft nicht zu sauberer Luft". Der gemessene Rückgang von Luftschadstoffen sei eher einer Verstetigung des Verkehrs und der grünen Welle geschuldet als dem Tempolimit, so heißt es.

Die Stuttgarter Nachrichten vom 25.11.2015 kritisieren: "Bundesministerium verbreitet falsche Zahlen". In Stuttgart wurde von 90 statt von 2320 Personen berichtet, die aufgrund der Luftverschmutzung unter Gesundheitsrisiken leiden. Die Automobilindustrie hat die offizielle Zahl gerne übernommen.



Falsche Zahlen überall ?


Das Handelsblatt berichtet am 25.11.2015 zum Thema Dieselgate "Suchspiel mit Volkswagen", wie schwierig es für VW-Kunden ist, herauszufinden wer wie stark betroffen ist: "„Mir scheint, VW hat ein globales Problem damit, aufrichtig und ehrlich mit der Öffentlichkeit und den Behörden zu sein“, beschwert sich ein enttäuschter VW-Fahrer aus Kanada.". Jedenfalls hat es auch die anderen VW-Marken erwischt, wie Audi und Porsche. (Telepolis erklärt, warum deshalb der Kurs der VW-Aktien steigt)

Reuters berichtete am 24.11.2015, dass der Renault Espace, ein Fahrzeug, das nach Herstellerangaben die Euro 6 erfüllt, 25-fach erhöhte Emissionen aufweist. Vergleichbare Berichte gab es neulich über den Opel Zafira. Ein Dominoeffekt?

Den Skandal "Dieselgate" haben bekanntlich die US-Amerikaner entdeckt, indem sie schlicht und ergreifend Abgas-Messungen an realen Fahrzeugen vorgenommen haben. Jeder deutsche Autofahrer möge sich mal fragen, warum er eigentlich sein Fahrzeug regelmäßig zu einer Abgasuntersuchung fährt, wo - anders als in den USA - niemals etwas festgestellt wird. Nun, ganz einfach: das liegt daran, dass bei der AU niemand richtige Messungen durchführt; vielmehr wird dort bloß der Bordcomputer des Fahrzeuges ausgelesen. Das war doch richtig bequem für VW, Opel und Renault, ...

Die Abgasuntersuchung untersucht also keineswegs das Abgas. Bereits der Name ist falsch. Wer ist dafür verantwortlich? Auch das ist ganz einfach: die Lobbyisten, die solche realitätsfernen Scheinregeln durchgesetzt haben und jene Politiker, die das zulassen.

Wir zitieren aus den Forderungen von Transparency International an den Bundestag: "12. Die Beteiligung von Interessenverbänden, Unternehmen und sonstigen privaten Akteuren bei der Vorbereitung von Gesetzen ist kenntlich zu machen („legislativer Fußabdruck“)."

Befremdlich, dass maUpdate

Die Leonberger Kreiszeitung vom 30.11.2015 hatte einen Artikel über die Informationsveranstaltung vom 26.11.2015 und stellt fest: n so etwas überhaupt fordern muss und dass solchen Forderungen dann nicht umgesetzt werden. Wir schließen deshalb diesen Blog mit einem pessimistischen Zitat aus dem Roman Der Prozess von Franz Kafka: „Die Lüge wird zur Weltordnung gemacht.“


Update

Die Leonberger Kreiszeitung vom 30.11.2015 brachte einen Artikel über die Informationsveranstaltung vom 26.11.2015 und stellt dort fest: "Die Bürger kommen zum Infoabend zum Lärmaktionsplan, die Bürgermeister nicht. Auch das sorgt für Ärger".

Die Pforzheimer Zeitung vom 29.11.2015 weiß auch von falschen Zahlen: es geht dort um fehlerhafte Lärmberechnungen in Remchingen, ebenfalls an der A8.

Sonntag, 22. November 2015

Silberberger Lärmkarten

Im Rahmen der Lärmaktionsplanung wurden Lärmkarten berechnet. Man kann diese Übersichtskarten bis auf einzelne Wohngebäude heranzoomen. Bunt eingezeichnet sind in den Karten die berechneten mittleren Lärmpegel ("Isophonen"). Hierzu gibt das Umweltbundesamt folgende Orientierung: Zur Vermeidung von Gesundheitsgefahren sollte der Lärm tagsüber / nachts die Pegel 65 dB(A) / 55 dB(A) nicht übersteigen. Zur Vermeidung von erheblicher Belästigung sollte der Lärm tagsüber / nachts die Pegel 55 dB(A) / 45 dB(A) nicht übersteigen. Kurz gesagt: alles was bunt ist, gilt zumindest als eine erhebliche Beläsigung.

Nachlesen kann man das ganze im Portal der Stadt Leonberg und in den ausführlichen Darstellungen der AGVL.

Hier einige Kartenausschnitte für Silberberg für den nächtlichen Lärm. Die Berechnungen scheinen merkwürdig ungenau zu sein, weil die Rechenergebnisse aus unterschiedlichen Quellen sich an manchen Häusern um bis zu 5 dB(A) unterscheiden. 5 dB(A) entsprechen einer Verdreifachung der Verkehrszahlen. Die farbigen Gebiete nehmen in den verschiedenen Karten unterschiedliche Form an. Wenn Sie interessiert sind, wie hoch der berechnete Lärm an Ihrem Wohnort ist, dann sehen Sie selbst ...


Lageplan Leonberg-Silberberg

Quelle: Open Street Map


Bahnlärm

Nächtlicher Bahnlärm laut Lärmkartierung 2015 der Stadt Leonberg


Nächtlicher Bahnlärm laut  Eisenbahnbundesamt 2012
An den Reihenhäusern Drosselweg 54-66 weist die Karte der Stadt Leonberg einen Pegel von rund 55 dB(A) aus, während das Eisenbahnbundesamt eher 60 dB(A) zeigt.



Autobahnlärm


Nächtlicher Autobahnlärm laut Lärmkartierung der Stadt Leonberg 2015 (Berechnung nach RLS 90)


Nächtlicher Autobahnlärm laut Berechnung der LUBW 2012

Nächtlicher Autobahnlärm laut Berechnung des Regierungspräsidiums Stuttgart 2010 (Achtung: Farben haben in dieser Karte eine andere Bedeutung als in obigen Isophonekarten)

Auf der Lärmkarte der Stadt Leonberg liegt ganz Silberberg unter 50 dB(A) im gelben oder weißen Gebiet. Dies würde bedeuten, dass der beim 2008 erfolgten Ausbau der Autobahn A8 einzuhaltende Grenzwert von 49 dB(A) gegenwärtig tatsächlich eingehalten ist. Auf der Karte der LUBW reicht der braune Bereich (über 50 dB(A)) ins Wohngebiet hinein, was eine Überschreitung des gesetzlichen Grenzwertes dokumentiert. Auch die Berechnung des Regierungspräsidiums Stuttgart zeigt Grenzwertverletzungen an vielen der Autobahn zugewandten Wohngebäuden. Man fragt sich deshalb: Was stimmt nun eigentlich?

Bei einem Briefwechsel mit der Stadt Leonberg war hierzu keine schlüssige und nachvollziehbare fachliche Antwort zu bekommen. Selbstverständlich hält aber die Stadt die eigenen Daten für korrekt.

... Die Bürgerbeteiligung zur Lärmaktionsplanung läuft bis zum 04.01.2016 ... Jeder Betroffene kann Stellung nehmen ... Wie das geht, steht auf den FAQ's der AGVL.