Freitag, 4. September 2015

Landflucht, Lärmschutz und eine innovative Methode zum Sanieren von Schlaglöchern ...

Die ersten beiden Abschnitte handeln von Erdkunde und sind eher schwere Kost - es geht dort um Zahlen und Statistiken. Wer sich davon allzu herausgefordert fühlt, der möge zum Feuilleton weiterblättern.


Landflucht?


Das Handelsblatt hat bei Google eine interaktive Landkarte eingestellt mit dem Titel "Deutschlands Dörfer: älter, ärmer, leerer", die uns zum Herumstöbern einlädt. In den Farben Rot/Gelb/Grün sind Gemeinden eingezeichnet, die schrumpfen/stagnieren/wachsen. Wenn man die Karte zoomt und einzelne Gemeinden anklickt, dann sieht man Daten zur Entwicklung der Bevölkerungszahlen, Gewerbesteuer usw. Da fällt zunächst auf, dass man vielerorts im flachen Land rot sieht. Deutschland leidet also unter einer regelrechten Landflucht. Grün, d.h. Wachstum, sieht man hingegen vorzugsweise in Bayern, sowie an ein paar Orten rund um Stuttgart, Freiburg, Heidelberg und Frankfurt.


Quelle: Handelsblatt


Eine amtliche (und ebenfalls interaktive) Karte gibts dazu beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Wir zoomen in unsere Gegend (Achtung, die Farben sind anders definiert als beim Handelsblatt). Wer die hinterlegten Zahlen, Daten und Fakten studieren möchte, sollte in die Originalkarte gehen - ein Blick in die Zahlen lohnt sich:




Die Großstädte Stuttgart, Böblingen und Pforzheim wachsen stark, ferner Heckengäu und Rutesheim, was man als Nachbar in den letzten Jahren auch deutlich vor Ort sehen kann. Leonberg und viele Gemeinden im Nordschwarzwald sind dagegen blau eingezeichnet - sie schrumpfen.


Lärmschutz


Quelle: Hersteller
Forscher aus dem Karlsruher Institut für Technologie KIT teilten 2012 mit, dass mit Pflanzen begrünte Wände gegen Lärm und Luftverschmutzung helfen. Inzwischen gibt es käufliche Produkte. Wir sind nun gespannt, wann und wo wir diese im realen Einsatz sehen: wahrscheinlich dort, wo das Wachstum stattfindet: in Bayern also oder vielleicht in Rutesheim ... 

Das Bundesministerium für Verkehr (BMVI) hat Statistiken über Lärmschutz an den Bundesfernstraßen herausgegeben. Der Vergleich zwischen Bayern und Baden-Württemberg erschien uns interessant. Deshalb hier ein paar Zahlen dazu. Deutschland hat insgesamt 12917 km Autobahnen, davon liegen 1054 km in Baden-Württemberg und 2515 km in Bayerm (Quelle: Statisches Bundesamt). In den Statistiken des BMVI findet man nun, wie hoch der Zuwachs bei den Lärmschutzwällen über die Jahre war. Natürlich müssen wir fairerweise diesen Zuwachs durch die im jeweiligen Land liegenden Autobahnkilometer dividieren, denn wer weniger Autobahn (BaWü) hat, der braucht auch weniger Lärmschutz. Gerechnet per Autobahnlänge zeigt sich ein jährlicher Zuwachs von 0.2% bis 0,5%. Bis alle Autobahnen Lärmschutzwälle haben, würde es es also beim jetzigen Tempo rein rechnerisch weit mehr als 100 Jahre dauern (wobei natürlich niemand die Absicht hat so viele Wälle zu bauen).


Baden-Württemberg (dunkelgrau) baute im langjährigen Mittel pro Autobahnkilometer bloß halb so viele Lärmschutzwälle wie Bayern (hellgrau). Deshalb gibt es hierzulande 61 km Lärmschutzwall, verglichen mit 328 km in Bayern. Bei den Lärmschutzwänden finden wir hingegen einen Bestand von 166 km in Baden-Württemberg gegenüber 254 km in Bayern. Auf die Länge der Autobahnen gerechnet haben da die Schwaben also ihre Nase durchaus vorne. Baden-Württemberg investiert somit lieber in Lärmschutzwände als in Lärmschutzwälle. Lärmschutzwälle sind allerdings in der Regel kostengünstiger als Lärmschutzwände. Die Schwaben investieren also - entgegen ihrem Ruf - lieber in die teurere Lösung? Warum eigentlich? Rechnet man nun die Strecken mit Lärmschutzwällen und Lärmschutzwänden zusammen, so zeigt sich, dass Baden-Württemberg heute auf 21.6% und Bayern auf 23.3% seiner Strecken Lärmvorsorgemaßnahmen installiert hat. Betrachten wir nun die Kosten dafür:

Man sieht, dass die Bayern in den vergangenen zehn Jahren eher stetig in den Lärmschutz investiert haben, während Baden-Württemberg vor zehn Jahren erst langsam und zögerlich anfing. Weil die Bayern in die kostengünstigeren Lösungen investiert haben, gibt es dort insgesamt gesehen jedenfalls mehr Lärmschutz als in Baden-Württemberg, wo man das Geld bevorzugt in teure Lösungen gesteckt hat und deshalb auch weniger für sein Geld bekommen hat. In der Bankenkrise 2008/2009 wurde überall wenig gebaut. Danach aber hat man in Baden-Württemberg ab 2011 Gas gegeben und recht viel Geld ausgegeben. Jetzt wäre interessant zu wissen, wo das viele Geld im einzelnen investiert wurde. Der Ausbau der A8 zwischen Leonberg und Heimsheim erfolgte jedenfalls vor 2008, als hierzulande weniger Geld in Lärmvorsorge gesteckt wurde. Die Anwohner können das hören. Jeden Tag.


Auch in Weissach und Flacht, so berichtete die Leonberger Kreiszeitung am 24.08.2015.


Stuttgart fällt zurück

Bis neulich war Stuttgart die Stauhauptstadt Deutschlands. Unsere Region fällt aber zurück. Das steht jedenfalls im Spiegel Online vom 24.08.2015.


Und jetzt noch das Letzte in Kürze



Quelle: Twitter und WJTV vom 21.08.2015
In diesem Blog war schon häufiger die Rede über marode Straßen und wie man diese reparieren sollte. Aus Jackson, der größten Stadt in Mississippi, kam nun ein kreativer Vorschlag von Bürgermeister Tony Yarber: Er möchte seine Schlaglöcher durch Beten sanieren.

Solche innovativen und doch kostengünstigen Ideen aus Amerika fehlen unseren Straßenbaubehörden, oder?

Yarber ist übrigens Pastor der "Relevant Empowerment Church" (alleine schon der Name dieser Kirche klingt prima - sie kümmert sich mit Macht um die relevanten Dinge). Yarber erinnert uns in der Haltung seiner Hände an irgendjemanden Berühmtes ...



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Danke an die Hinweisgeber auf die hier verwendeten Links





Silberberger Sommerabend

... bald ist wieder Silberberger Lichterfest