Samstag, 18. Juli 2015

Luftverschmutzung und Infrastrukturapokalypse


Das Umweltbundesamt stellte am 11.02.2015 hier im Internet fest: "Stickstoffdioxid wird Schadstoff Nummer eins". Dieser Luftschadstoff stammt vornehmlich aus den Autoabgasen und kommt deshalb insbesondere dort vor, wo viele Autos fahren und wo wenig Wind bläst.

Bekannt ist hier das Stuttgarter Neckartor, wo laut Stuttgarter Nachrichten vom 26.06.2015 derzeit an 64 Tagen im Jahr der seit 2010 einzuhaltende Grenzwert für Feinstaub überschritten ist. Der Jahresgrenzwert für Stickstoffdioxid in Höhe 40 µg/m³ wird nicht nur am Neckartor sondern vielererorts verletzt - an der Messtelle Leonberg Grabenstraße beispielsweise um rund 50%. Die EU hat nun ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik Deutschland eingeleitet und etwaige Strafen muss das Land bezahlen. Diese Millionenklage ist die Quittung für jahrelanges Nichtstun, an dem übrigens Politiker aller Couleur beteiligt waren.


Schwarz-gelbe und Grün-rote Politiker bei ihrer täglichen Arbeit am Umweltschutz
Eine drohende Bestrafung entwickelt naturgemäß eine gewisse abschreckende Wirkung und die Politik beginnt (viele Jahre nach Inkrafttreten des Grenzwertes) langsam darüber nachzudenken, was wohl zu tun wäre. In Stuttgart diskutiert man Fahrverbote, schreiben die Stuttgarter Nachrichten vom 17.07.2015. Treffend ist auch der Kommentar "Schweres Erbe", wo man liest: "Seit Jahren versuchen Landesregierungen, die Schadstoffe in Stuttgart einzuschränken. Das kostete vielen Politikern ihre Glaubwürdigkeit. Die nun angekündigten Fahrverbote sind richtig, wenn das Maß stimmt"

Wie die Werte für Luftschadstoffe in der Nähe der Autobahnen, beispielsweise am viel befahrenen Leonberger Dreieck (150.000 Kfz/Tag) aussehen, das weiß niemand. Messstellen gibt es dort nämlich keine - ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Fragen nach Zahlen, Daten oder Fakten werden seitens Regierungspräsidium und Verkehrsministerium abgewimmelt. Den entsprechenden Briefwechsel veröffentlichen wir demnächst. Dabei wäre es doch ganz einfach die Luftverschmutzung zu bekämpfen, indem man in der Nähe con Wohngebieten ein striktes Tempolimit z.B. auf 80 km/h und ein LKW-Überholverbot verhängt.


Tempo 70 und LKW-Überholverbot zur Luftreinhaltung auf der autobahnänlich ausgebauten B10 im Grünen nördlich von Ulm

Auf Bundesstrassen (hier: B10) ist es anscheinend möglich Tempolimits zur Luftreinhaltung einzurichten - anders als auf Autobahnen (wie der A8). Bei den Autobahnen - das behauptet der grüne Minister - klingt die Schadstoffbelastung bereits nach kurzer Entfernung ab. An der B10 scheint das aber anders zu sein, sonst dürfte es dort doch kein Tempolimit geben, oder? Ja freilich, die Schadstoffe breiten sich wahrscheinlich unterschiedlich aus, je nachdem ob sie auf einer Bundesstraße oder einer Autobahn entstanden sind.

Wie geht es eigentlich unserer Infrastruktur?



Bei der aktuellen Hitzewelle im Juli, bei der die Temperatur mancherorts auf fast 40°C stieg, wurde auf vielen Autobahnen Tempo 80 verhängt. Der Grund sind sogenannte Blow-ups, wo sich die Fahrbahn gefährlich aufwölbt. Die Badische Zeitung und Spiegel online erklären das Ganze. In Bayern wird den Motorradfahrern empfohlen anstatt Autobahnen die Landstrassen zu benutzen. Warum haben in Deutschland eigentlich Landstraßen bessere Qualität als Autobahnen?

Die Welt und die Stuttgarter Nachrichten schreiben am 08.07.2015, dass Regierungspräsidien Tempolimits anordnen sollen, wenn die Temperatur an zwei aufeinanderfolgenden Tagen über 30°C steigt. 

Also hier nochmal eine Zusammenfassung zum Mitschreiben: Im Winter zerbröckelt auf der A8 bei Leonberg (aktuell auch bei Karlsbad) die Fahrbahn aus Flüsterasphalt wegen Frostschäden, auch wenn es in den letzten Jahren nur wenig Frost gab. Im Sommer wirft die Autobahn Blasen: die Betonplatten, beispielsweise auf der A5, wölben sich auf. Wer kann denn damit rechnen, dass es in unserem gemäßigten Klima zwei aufeinanderfolgende Tage über 30°C gibt? Eigenartig ist nur, dass es anscheinend in Nordeuropa Straßen gibt, die im Winter nicht gleich zerbröckeln und in Südeuropa welche, die im Sommer nicht gleich verkochen ... Unsere Infrastruktur zerfällt, weil man ungeeignetes Material verbaut und Qualitätsmängeln nicht nachgeht (nirgends steht, welche Konsequenzen die Politik und Verwaltung aus solchen Mängeln zieht; vielmehr hört man, dass bei der Sanierung der maroden A8 erneut Flüsterasphalt verbaut werden soll) ...

Übrigens: Aus eigener Erfahrung am 14.07.2014 berichten wir gerne, dass auf der A5 auf der deutschen Rheinseite zwischen Straßburg und Karlsruhe Tempo 80 wegen Straßenschäden galt, während es gleichzeitig auf der parallel verlaufenden französischen Autobahn auf der anderen Rheinseite keine Probleme gab.

Ach ja: Auf den Luxemburger Autobahnen gab es laut dem Trierischen Volksfreund  ein Tempolimit wegen erhöhter Luftschadstoffwerte. Solche Probleme gibt es sicherlich nur auf Luxemburger Autobahnen und nicht auf deutschen. Bei uns klingt die Belastung bekanntlich in geirnger Entfernung ab ...

ZDF Zoom hatte übrigens am 01.07.2015 einen Beitrag "Rasen erwünscht"








Sonntag, 5. Juli 2015

Am Ende lacht der Schopfmakake ...

Die MDR-Sendung Fakt Ist...! hatte am 22.06.2015 einen ausführliche Talk über Verkehrslärm u.a. mit Prof. Eberhard Greiser, dem Lärmforscher von der Universität Bremen. Seine Empfehlung zum Schluss der Sendung lautet: "Machen Sie Ihrem Politiker die Hölle heiß". Naja, dann geben wir uns eben Mühe ...



via YouTube



Toll Collect hat eine Karte aller mautpflichtigen Straßen ins Internet gestellt. Daraus lernen wir: Mautpflichtig ist die Ersatzautobahn B295/B464 zwischen Böblingen und Leonberg nur auf wenigen, kurzen Teilstücken, nämlich der B295 Leonberg/Renningen und der B464 Böblingen/Sindelfingen. Ansonsten ist die Strecke mautfrei. Also gibt es dort einen echten Anreiz für die LKWs: Auf der Ersatzautobahn kann man nicht nur dem Dauerstau auf der A8/A81 sondern auch der Mautpflicht entkommen.



Wer mehr über LKW-Maut auf Bundestrassen wissen möchte, der sei auf folgenden aktuellen Beitrag der SWR-Landesschau vom 01.07.2015 verwiesen. Wofür die zusätzlichen Einnahmen wohl verwendet werden sollen?


via YouTube



Autobahn 73 - via Wikipedia
In Nürnberg klagt der BUND gegen einen Lückenschluss am Frankenschnellweg (alias: Autobahn A73). Man hat dort im Jahr 2007 kurzerhand die zu schließende Lücke als Kreisstrasse definiert, um auf diesem Wege einer Umweltverträglichkeitsprüfung auszuweichen; eine solche Prüfung ist lästig, weil dabei voraussichtlich herausgekommen wäre, dass der Grenzwert für Stickstoffdioxid überschritten ist. Hier der aktuelle Artikel des BUND. Auch die Süddeutsche berichtete am 24.06.2015. Uns erinnert das Nürnbeger Vorgehen an den geplanten Verflechtungsstreifen auf der A8 bei Leonberg, wo man ebenfalls eine Umweltverträglichkeitsprüfung unterlässt, weil dabei voraussichtlich herausgekommen wäre, dass der Grenzwert für Stickstoffdioxid in autobahnnahen Wohngebieten Leonbergs verletzt wird und zudem Lärmschutzmaßnahmen erforderlich werden. Außerdem erinnert uns der Vorgang auch an den Lückenschluss B295/B464 bei Renningen, wo man gewisse Provisorien am Kreisverkehr gerne als Kreisstraßen (sic!) betrachtet, um ebenfalls einer Umweltverträglichkeitsprüfung zu entgehen, weil dabei voraussichtlich herausgekommen wäre, dass in Renningen die Lärmgrenzwerte überschritten werden. Eigenartig: unsere grüne Landesregierung scheut offenbar Umweltverträglichkeitsprüfungen so wie weiland der Teufel das Weihwasser.


Apropos Luftschadstoffe (hier die aktuellen Messwerte für Leonberg): an sonnigen Tagen entsteht aus den vom Verkehr emittierten Stickoxiden Ozon. Hohe Belastungen sind gesundheitsschädlich. Das hat man in der Schweiz verstanden. Die Zeit schreibt am 04.07.2015: "Schweiz senkt wegen hoher Ozonwerte die Nahverkehrspreise". Man möchte die Menschen dazu bringen bei Hitzewellen aufs Auto zu verzichten.


Beim 35. Kirchentag am 03.-07.06.2015 in Stuttgart gab es unter anderem auch Veranstaltungen zum Thema Lärm. Hier eine Zusammenfassung.

Das Eisenbahnbundesamt (EBA) führte im Rahmen der Lärmaktionsplanung Schiene als Öffentlichkeitsbeteiligung eine Befragung durch, die am 30.06.2015 geschlossen wurde und zu welcher es 17.500 Beiträge von Bürgern gab. Hier die geographische Verteilung der Beiträge aus dem Großraum Stuttgart. Offenbar gibt es bei uns eine besondere Betroffenheit entlang der Strecke von Kornwestheim über Leonberg nach Renningen.
Die Beschreibung des Prozesses der Lärmaktionsplanung Schiene hat es allerdings in sich, wie das folgende Zitat zeigt: "Aufgrund des dargestellten Umfangs der Lärmaktionsplanung wird es nicht möglich sein, von Bürgern vorgeschlagene Maßnahmen zur Lärmminderung im Detail zu berücksichtigen. Der erste Lärmaktionsplan des EBA wird deshalb noch keine Maßnahmen enthalten, sondern vielmehr die verschiedenen Bemühungen des Bundes zur Lärmminderung der ermittelten Lärmbelastung gegenüberstellen." Schön gesagt! Das heißt aber doch nichts anderes als: Fragen kostet nichts und Eure Antworten werden wir ignorieren ...


Schopfmakake beim Selfie (via heise)
Dazu passt dann noch eine Durchsage von Conchita Wurst (bekannt aus dem Eurovision Song Contest) für den öffentlichen Nahverkehr in Wien. Scheinbar hat man ja bei den Wiener Linien Humor.
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PS: Dank an die Hinweisgeber für die Links