Donnerstag, 31. Dezember 2015

Zum Jahreswechsel

wünschen wir alles Gute.

Hier ein Blick aus dem Fenster an Heiligabend 2015 in Silberberg.


Die Frist für die Stellungnahme zum Leonberger Lärmaktionsplan wurde bis Ende Januar verlängert. Vielleicht haben Sie ja gerade Zeit, um der Stadtverwaltung Ihre Meinung mitzuteilen. Denn wie immer gilt: Schweigen ist Zustimmung.

Update 01.01.2016

 

zum Jahreswechsel



Mittwoch, 23. Dezember 2015

Man soll nicht alles wissen ...

... "nec scire fas est omnia" so hieß es in der Antike bei Horaz (65 - 8 v. Chr.) und unsere Bundesregierung hält sich gerne daran.

Die Stuttgarter Nachrichten  berichten am 09.12.2015, dass Bundesverkehrsminister Dobrindt seinem hiesigen Kollegen Hermann verbietet, einen Modellversuch durchzuführen. Das Ziel desselben wäre gewesen festzustellen, ob ein Tempolimit auf zwei kurzen Autobahnteilstücken dort die Unfallhäufigkeit senkt. 

Dobrindt meint dazu: „Deutsche Autobahnen gehören zu den sichersten Straßen auf der ganzen Welt. Wo es nachgewiesene Unfallschwerpunkte gibt, sind Geschwindigkeitsbegrenzungen möglich. Schon jetzt unterliegen rund 40 Prozent des Autobahnnetzes einem zeitweisen Tempolimit.“ Diese Antwort, wonach Autobahnen zu den sichersten Straßen gehören, mag durchaus richtig sein, hat aber mit der Frage, ob ein Tempolimit die Verkehrssicherheit erhöht, rein gar nichts zu tun. Wer häufig Autobahn fährt, weiß wie oft es dort kracht. Da hat also der Herr Minister das Thema verfehlt oder er möchte das Ergebnis einer solchen Untersuchung lieber nicht wissen.  Schade, wenn ein Bundesverkehrsminister in einer selbst gewählten Unwissenheit verharren möchte und an Forschung kein Interesse zeigt.  

Stattdessen geht Dobrindt lieber mit der Mode und zeigt sich im oben zitierten Artikel der Stuttgarter Nachrichten zusammen mit Verkehrsminister Hermann in einem merkwürdigen großkarierten Outfit. Diese Kluft passt irgendwie zu ihm. Wer hat ihm bloß den Karnevals-Anzug verkauft? Auch der Vizekanzler scheint schon ganz neidisch zu werden ... 

Sonntag, 29. November 2015

Falsche Zahlen ?


Lärm


Die Leonberger Kreiszeitung brachte am 24.11.2015 ein Interview mit der Überschrift "Die Maßnahmen zum Lärmaktionsplan wirken hilflos". Es gibt dort wenig wirksame Maßnahmen für viel Lärm. 

In der Veranstaltung der Stadt zur Bürgerbeteiligung am 26.11.2015 antworteten Vertreter der Gutachterfirma SoundPLAN auf eine direkte Frage, dass bei den Lärmberechnungen für die Wasserbachtalbrücke lärmmindernder "Flüsterasphalt" unterstellt wurde. Dort liegt aber gar kein solcher. Dies erklärt (teilweise) die im vorigen Blog angesprochenen merkwürdigen Abweichungen in Silberberg: Wenn man bei einer Berechnung "Flüsterasphalt" ansetzt, wo keiner verlegt wurde, dann kommt selbstveständlich ein fehlerhafter, weil zu niedriger Wert heraus. Die Zahl der Betroffenen wird dann unterschätzt und Grenzwertüberschreitungen bleiben verborgen.  

... Die Bürgerbeteiligung zur Lärmaktionsplanung läuft bis zum 04.01.2016 ... Jeder Betroffene kann Stellung nehmen ... Wie das geht, steht auf den FAQ's der AGVL. Hier nochmals das Flugblatt der AGVL mit dem Aufruf an die Leonberger Bürger, sich an der Lärmaktionsplanung zu beteiligen.





Keine offiziellen Zahlen ...

gibt es bislang über die zu erwartende Belastung des Böblinger Flugfeldes mit Luftschadstoffen und Lärm von der Autobahn A81. Ausgerechnet dort soll das neue Kreiskrankenhaus gebaut werden. Die Leonberger Kreiszeitung berichtet am 17.11.2015 über "Druck beim Grundstückskauf". Es wäre ziemlich abwegig, wenn der Kreis das Grundstück kaufen würde, bevor die Kosten für gegebenenfalls notwendige, zusätzliche Schutzmaßnahmen klar sind.


Feinstaub und Stickstoffdioxid in der Region Stuttgart 


Bekanntlich läuft seit einiger Zeit ein Vertragsverletzungsverfahren der EU gegen Deutschland, weil wir - unter anderem in der Region Stuttgart - die seit 2010 gültigen gesetzlichen Grenzwerte für Stickstoffdioxid massiv verletzen (ältere Blogbeiträge darüber stehen hier und hier). 

Die Deutsche Umwelthilfe startete deshalb eine Welle von Klagen für saubere Luft in Deutschland. Es geht, so schreiben die Finanznachrichten, um Fahrverbote für besonders schmutzige Dieselfahrzeuge in Großstädten, aber auch um einen Antrag auf Zwangsvollstreckungsmaßnahmen (!) gegen den Staat wegen fortgesetzter Untätigkeit: "Die DUH hat außerdem gegen das bayerische und das hessische Umweltministerium Zwangsvollstreckungsmaßnahmen wegen der Grenzwertüberschreitungen in München, Darmstadt und Wiesbaden beantragt. Dort sind bereits rechtskräftige Urteile ergangen, die nicht eingehalten werden. Die DUH beantragt nun die Androhung von Zwangsgeldern gegenüber den beiden zuständigen Landesministerien wegen Nichtumsetzung der Urteile. Das Gesetz sieht ein maximales Zwangsgeld von 10.000 Euro vor; dieses kann wiederholt und auch pro Tag festgesetzt werden." Es ist anzunehmen, dass die grün-rote Landesregierung von Baden-Württemberg gerade scharf darüber nachdenkt, was zu tun ist, um nicht in ähnliche Schwierigkeiten zu geraten. Es gibt eine ausführliche Unterlage der Deutschen Umwelthilfe. 

Die Stuttgarter Zeitung vom 24.11.2015 berichtet "Tempo 40 verhilft nicht zu sauberer Luft". Der gemessene Rückgang von Luftschadstoffen sei eher einer Verstetigung des Verkehrs und der grünen Welle geschuldet als dem Tempolimit, so heißt es.

Die Stuttgarter Nachrichten vom 25.11.2015 kritisieren: "Bundesministerium verbreitet falsche Zahlen". In Stuttgart wurde von 90 statt von 2320 Personen berichtet, die aufgrund der Luftverschmutzung unter Gesundheitsrisiken leiden. Die Automobilindustrie hat die offizielle Zahl gerne übernommen.



Falsche Zahlen überall ?


Das Handelsblatt berichtet am 25.11.2015 zum Thema Dieselgate "Suchspiel mit Volkswagen", wie schwierig es für VW-Kunden ist, herauszufinden wer wie stark betroffen ist: "„Mir scheint, VW hat ein globales Problem damit, aufrichtig und ehrlich mit der Öffentlichkeit und den Behörden zu sein“, beschwert sich ein enttäuschter VW-Fahrer aus Kanada.". Jedenfalls hat es auch die anderen VW-Marken erwischt, wie Audi und Porsche. (Telepolis erklärt, warum deshalb der Kurs der VW-Aktien steigt)

Reuters berichtete am 24.11.2015, dass der Renault Espace, ein Fahrzeug, das nach Herstellerangaben die Euro 6 erfüllt, 25-fach erhöhte Emissionen aufweist. Vergleichbare Berichte gab es neulich über den Opel Zafira. Ein Dominoeffekt?

Den Skandal "Dieselgate" haben bekanntlich die US-Amerikaner entdeckt, indem sie schlicht und ergreifend Abgas-Messungen an realen Fahrzeugen vorgenommen haben. Jeder deutsche Autofahrer möge sich mal fragen, warum er eigentlich sein Fahrzeug regelmäßig zu einer Abgasuntersuchung fährt, wo - anders als in den USA - niemals etwas festgestellt wird. Nun, ganz einfach: das liegt daran, dass bei der AU niemand richtige Messungen durchführt; vielmehr wird dort bloß der Bordcomputer des Fahrzeuges ausgelesen. Das war doch richtig bequem für VW, Opel und Renault, ...

Die Abgasuntersuchung untersucht also keineswegs das Abgas. Bereits der Name ist falsch. Wer ist dafür verantwortlich? Auch das ist ganz einfach: die Lobbyisten, die solche realitätsfernen Scheinregeln durchgesetzt haben und jene Politiker, die das zulassen.

Wir zitieren aus den Forderungen von Transparency International an den Bundestag: "12. Die Beteiligung von Interessenverbänden, Unternehmen und sonstigen privaten Akteuren bei der Vorbereitung von Gesetzen ist kenntlich zu machen („legislativer Fußabdruck“)."

Befremdlich, dass maUpdate

Die Leonberger Kreiszeitung vom 30.11.2015 hatte einen Artikel über die Informationsveranstaltung vom 26.11.2015 und stellt fest: n so etwas überhaupt fordern muss und dass solchen Forderungen dann nicht umgesetzt werden. Wir schließen deshalb diesen Blog mit einem pessimistischen Zitat aus dem Roman Der Prozess von Franz Kafka: „Die Lüge wird zur Weltordnung gemacht.“


Update

Die Leonberger Kreiszeitung vom 30.11.2015 brachte einen Artikel über die Informationsveranstaltung vom 26.11.2015 und stellt dort fest: "Die Bürger kommen zum Infoabend zum Lärmaktionsplan, die Bürgermeister nicht. Auch das sorgt für Ärger".

Die Pforzheimer Zeitung vom 29.11.2015 weiß auch von falschen Zahlen: es geht dort um fehlerhafte Lärmberechnungen in Remchingen, ebenfalls an der A8.

Sonntag, 22. November 2015

Silberberger Lärmkarten

Im Rahmen der Lärmaktionsplanung wurden Lärmkarten berechnet. Man kann diese Übersichtskarten bis auf einzelne Wohngebäude heranzoomen. Bunt eingezeichnet sind in den Karten die berechneten mittleren Lärmpegel ("Isophonen"). Hierzu gibt das Umweltbundesamt folgende Orientierung: Zur Vermeidung von Gesundheitsgefahren sollte der Lärm tagsüber / nachts die Pegel 65 dB(A) / 55 dB(A) nicht übersteigen. Zur Vermeidung von erheblicher Belästigung sollte der Lärm tagsüber / nachts die Pegel 55 dB(A) / 45 dB(A) nicht übersteigen. Kurz gesagt: alles was bunt ist, gilt zumindest als eine erhebliche Beläsigung.

Nachlesen kann man das ganze im Portal der Stadt Leonberg und in den ausführlichen Darstellungen der AGVL.

Hier einige Kartenausschnitte für Silberberg für den nächtlichen Lärm. Die Berechnungen scheinen merkwürdig ungenau zu sein, weil die Rechenergebnisse aus unterschiedlichen Quellen sich an manchen Häusern um bis zu 5 dB(A) unterscheiden. 5 dB(A) entsprechen einer Verdreifachung der Verkehrszahlen. Die farbigen Gebiete nehmen in den verschiedenen Karten unterschiedliche Form an. Wenn Sie interessiert sind, wie hoch der berechnete Lärm an Ihrem Wohnort ist, dann sehen Sie selbst ...


Lageplan Leonberg-Silberberg

Quelle: Open Street Map


Bahnlärm

Nächtlicher Bahnlärm laut Lärmkartierung 2015 der Stadt Leonberg


Nächtlicher Bahnlärm laut  Eisenbahnbundesamt 2012
An den Reihenhäusern Drosselweg 54-66 weist die Karte der Stadt Leonberg einen Pegel von rund 55 dB(A) aus, während das Eisenbahnbundesamt eher 60 dB(A) zeigt.



Autobahnlärm


Nächtlicher Autobahnlärm laut Lärmkartierung der Stadt Leonberg 2015 (Berechnung nach RLS 90)


Nächtlicher Autobahnlärm laut Berechnung der LUBW 2012

Nächtlicher Autobahnlärm laut Berechnung des Regierungspräsidiums Stuttgart 2010 (Achtung: Farben haben in dieser Karte eine andere Bedeutung als in obigen Isophonekarten)

Auf der Lärmkarte der Stadt Leonberg liegt ganz Silberberg unter 50 dB(A) im gelben oder weißen Gebiet. Dies würde bedeuten, dass der beim 2008 erfolgten Ausbau der Autobahn A8 einzuhaltende Grenzwert von 49 dB(A) gegenwärtig tatsächlich eingehalten ist. Auf der Karte der LUBW reicht der braune Bereich (über 50 dB(A)) ins Wohngebiet hinein, was eine Überschreitung des gesetzlichen Grenzwertes dokumentiert. Auch die Berechnung des Regierungspräsidiums Stuttgart zeigt Grenzwertverletzungen an vielen der Autobahn zugewandten Wohngebäuden. Man fragt sich deshalb: Was stimmt nun eigentlich?

Bei einem Briefwechsel mit der Stadt Leonberg war hierzu keine schlüssige und nachvollziehbare fachliche Antwort zu bekommen. Selbstverständlich hält aber die Stadt die eigenen Daten für korrekt.

... Die Bürgerbeteiligung zur Lärmaktionsplanung läuft bis zum 04.01.2016 ... Jeder Betroffene kann Stellung nehmen ... Wie das geht, steht auf den FAQ's der AGVL.

Sonntag, 18. Oktober 2015

Ein Tag im Herbst ...

In Leonberg wird demnächst der Lärmaktionsplanung zweiter Stufe verabschiedet. Er stellt fest, wieviele Leonberger von Straßen- und Bahnlärm übermäßig belastet werden und er enthält Maßnahmen zur Lärmminderung.

  • am 20.10.2015 findet dazu um 18:30 im alten Rathaus Eltingen eine Veranstaltung mit Dr. Gisela Splett, der für den Lärmschutz zuständigen Staatssekretärin im Ministerium für Verkehr und Infrastruktir statt (steht in dieser Pressemitteilung)
  • Der Lärmaktionspaln kann eingesehen werden. Folgende Unterlagen waren im Planungsausschuss der Stadt Leonberg am 08.10.2015 und im Gemeinderat am 13.10.2015: Eine Drucksache der Stadtverwaltung und eine Unterlage der Firma SoundPlan
  • Als nächstes erfolgt nun die in solchen Fällen vorgeschriebene Bürgerbeteiligung und danach soll der Lärmaktionsplan im Dezember oder Januar im Gemeinderat beschlossen werden.

Naturgemäß kann und soll sich jeder, der das möchte, an der Diskussion beteiligen.

Die Karten für den Straßenlärm gibt es bereits seit dem Jahr 2013 (man sieht: es hat leider ein wenig länger gedauert den jetzt vorliegenden Lärmaktionsplan anzufertigen). Die Karten für den Bahnlärm sind aber neu.

Belastung Leonbergs durch Straßenlärm (Quelle: LUBW, 2013):
nur wenige Hauptverkehrsstraßen wurden kartiert
der Autobahnlärm reicht bis weit in die Stadt
Belastung Silberbergs durch Bahnlärm (Quelle: Lärmaktionsplan 2015):
gelb und rot eingezeichnete Wohngebäude liegen oberhalb 
des Schwellwertes für "vordringlichen Handlungsbedarf"



Luftverschmutzung



In der Tageszeitung stand an diesem Wochenende ein Artikel über Stickoxide mit dem aparten Títel "Europameister der Stinker". Auch ganz ohne VW-Skandal ist in Deutschland die Luft giftiger als erlaubt. Weil unsere Regierung nichts dagegen unternimmt, ist die EU sauer. Das Umweltbundesamt gibt eine (lange geplante) Studie in Auftrag, um "umweltbedingte Krankheitslasten und Verkürzung der Lebenszeit durch NO2-Exposition" zu ergründen.

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr an 60 Prozent aller verkehrsnahen Messstationen die gesetzlichen Grenzwerte für Stickstoffdioxid-Belastung überschritten. Wie sieht eigentlich die Belastung in der Fläche aus? Nun, das Rheinische Institut für Umweltforschung an der Universität Köln stellt täglich Karten mit der Belastung durch Luftschadstoffe ins Internet. Die Karten sehen interessant aus und sind ziemlich bunt.




Oben die Karte für das tägliche Maximum von Stickstoffdioxid (NO2) an einem Samstag. Wissen muss man, dass im Jahresmittelwert ein Grenzwert von 40µg/m³ erlaubt ist, der aber an vielen Messstellen deutlich überschritten wird. Stickstoffdioxid ist ein giftiges Gas, das bei heißen Verbrennungsvorgängen freigesetzt wird und das an feuchten Tagen, so wie heute, mit Luftsauerstoff und Wasserdampf zur Salpetersäure oxidiert. Was nicht in Form von saurem Regen herunterkommt, das wird vom Winde verweht. Bemerkenswert ist, wie klar man auf dem Mittelmeer und der Nordsee die Schifffahrtsstraßen erkennen kann. Gut sichtbar ist auch ein roter Streifen, der von Lyon südlich bis nach Marseille reicht. Vermutlich sieht man da die Emissionen der Rhonetal-Autobahn, der von den Franzosen sogenannten Route de Soleil.  Der Raum um Stuttgart ist tiefrot. Dunkelrot gefärbt, aber in dem vielen Hellrot weniger gut definiert sieht man auch die vielbefahrene Autobahnstrecke von Karlsruhe nach Frankfurt. 


... zum Schluss ...

Im VW-Skandal zeigt sich nun das, was eigentlich alle wissen: Auch andere Hersteller haben unrealistische Angaben zum Schadstoffaustoß ihrer Autos gemacht (allerdings - cleverer als VW - völlig legal). Der Guardian berichtet, dass von 200 getesteten Fahrzeugen gerade mal 5 korrekte Werte genannt hatten, die auch im realen Betrieb in Straßenverkehr stimmen.

Von einem Ingenieur hier zum Schluss noch eine Polemik: "Mein Freund der Softwarebetrüger"







Sonntag, 4. Oktober 2015

Ein offener Brief

Die Arbeitsgemeinschaft Verkehrslärm Region Leonberg (AGVL),  das Klima- und Umweltbündnis Stuttgart (KUS) und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) schrieben am 27.09.2015 gemeinsam einen offenen Brief an Verkehrsminister Hermann. Das Schreiben hat folgendes Anliegen: Beim sog. Dieselgate wurde bekannt, dass der VW-Konzern schon seit Jahren mittels Software die Abgaswerte der Dieselfahrzeuge auf betrügerische Weise manipuliert Darüber hinaus ist aber auch schon seit Jahren bekannt, dass die Zulassungstests zur Einhaltung der Abgasgrenzwerte untauglich sind, da diese Tests unter Laborbedingungen stattfinden, die mit dem realen Fahrbetrieb nur wenig zu tun haben. Das betrifft nicht nur VW, sondern alle Automobilhersteller. Eine Folge solcher Tricksereien ist, dass die meisten Messungen von Schadstoffen wie Stickstoffdioxid erheblich oberhalb der Prognosen liegen und vielerorts - bekanntlich auch bei uns in Leonberg - die Grenzwerte überschritten sind. Eine weitere Folge ist, dass sämtlich Berechnungen der Immissionen (z.B. die Belastung in Wohngebieten oder Krankenhäusern) zwangsläufig falsch sind, weil sie ja auf nachweislich falschen Annahmen über die Emissionen beruhen. Solche Berechnungen sind aber Grundlage von Planfeststellungsverfahren, die u.a. dazu dienen Straßenbauvorhaben zu genehmigen. Die Forderungen in dem oben verlinkten Brief sind einfach und leicht zu verstehen:

  • Anwendung realitätsnaher Tests für Abgasmessungen 
  • Überwachung der Abgasvorschriften durch eine unabhängige Stelle
  • Neuberechnung der Belastungen durch Luftschadstoffe
  • Maßnahmenpläne für Orte, wo die Grenzwerte verletzt werden
  • Tempo 100 auf Schnellstraßen und Autobahnen in der Region Stuttgart als Sofortmaßnahme


Weiterführende Lektüre

Leonberg bundesweit auf Platz 15 bei der NO2-Belastung

  • SPON 03.10.2015: laut Spiegel weiß unsere Bundesregierung, dass viele Grenzwertverletzungen auf jene betrügerische Manipulationen zurückzuführen sind. "Im Jahr 2013 beispielsweise wurde das NO2-Limit an 29 Messstationen bundesweit nicht eingehalten - unter anderem in Stuttgart, München und Köln. Die Bundesregierung führt die Grenzwertüberschreitungen in Ballungsgebieten "wesentlich" auf Diesel-Pkw zurück, die im realen Betrieb auf der Straße deutlich mehr Stickoxide ausstoßen als auf dem Prüfstand. Dies teilte sie auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Bärbel Höhn (Die Grünen) mit."
  • Der niedersächsische Wirtschaftsminister, der gleichzeitig Konzernaufsichtsrat ist, wirft  am 30.09.2015 im Spiegel dem VW-Konzern kriminelles Verhalten vor. Damit hat er gewiss recht, aber sollen sich Politiker und Aufsichtsräte wirklich mit solch wohlfeilem Gerede so leicht aus ihrer Verantwortung stehlen dürfen? VW-Chef Winterkorn musste gehen. Dass irgendein Politiker hier Verantwortung übernimmt, brauchen wir eher nicht zu erwarten. Auch Bundesverkehrsminister Dobrindt war angeblich ahnungslos, heißt es am 23.09.2015 in der Zeit, aber immerhin erteilt er gute Ratschläge und gründet vorsichtshalber eine Untersuchungskommission gemäß der bewährten Manager-Weisheit: Wenn ich nicht mehr weiter weiß, dann gründ' ich einen Arbeitskreis.
  • Die FAZ vom 03.10.2015 weiß: "VW-Abgasskandal: Es waren nicht nur ein paar kriminelle Entwickler" sondern "der Konzern habe systematisch Kunden und Behörden getäuscht". Es waren also keine verwirrten Einzeltäter, sondern mit vollem Vorsatz handelnde Betrüger. Ingenieure haben zumeist ein klares  Gespür dafür, was richtig oder falsch ist. In großen Firmen läßt sich ein jeder, der einen Regelbruch begeht, ein solches Verhalten von seinen Vorgesetzten absegnen. Entsprechende belastende Papiere werden zumeist sorgfältig abgelegt und aufbewahrt. Und wenn sie nicht geschreddert sind, dann gibt es sie noch heute ... Insofern haben die Revisionsabteilungen jetzt einiges zu tun ... Und das nicht nur bei VW. Nicht die deutsche Ingenieurskunst hat versagt, sondern das Gewissen der Manager.
  • Die Computer-Zeitschrift ct schreibt am 02.10.2015 "Von Schummeleien bei Autos, Benchmarks und Bilanzen".  Neben dem Betrug bei den Abgaswerten von Autos gibt es auch schon seit langem Manipuliationen bei Messungen der Rechenleistung von Computern oder dem Energieverbrauch von Handys, indem die Hersteller Spezialsoftware einsetzen, welche Testsituationen erkennt und das Verhalten des Gerätes "optimiert". Wir lernen von Lenin: "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser". Jedenfalls dann, wenn eine unabhängige und unbestechliche Kontrollinstanz vorhanden wäre.
  • Und falls hier noch jemand glaubt, Luftschadstoffe im Abgas seien harmlos: Die Stuttgarter Zeitung schrieb am 16.09.2015: "Luftverschmutzung fordert jährlich Millionen Tote". Auch die Süddeutsche berichtet am 22.09.2015 ausführlich über die gesundheitlichen Risiken. Das Max Planck Institut für Chemie führt jährlich über 34.000 Todesfälle in Deutschland auf Luftschadstoffe zurück. Laut dem Umweltbundesamt ist die dominante Quelle für Feinstäube und Stickoxide der Straßenverkehr. Menschen sterben also nicht nur irgendwo am anderen Ende der Welt z.B. in China, sondern auch hierzulande. Und es sterben mehrfach soviele Menschen an der verkehrsbedingten Luftverschmutzung als an Verkehrsunfällen. Tod durch Atmen.
Quelle: Stuttgarter Zeitung



... und hier noch das Letzte



auf unserem Briefkasten klebt gut sichtbar ein Aufkleber mit der Bitte keine Reklame einzuwerfen. Eigentlich meinen wir das auch so.

Neulich fanden wir eine nicht bestellte, zu Werbezwecken eingeworfene BILD-Zeitung. Auf Neudeutsch nennt man das eine Spam-Mail.

Auf der ersten Seite prangen direkt untereinander das BILD-Logo und das VW-Logo. Sodann bedankt sich irgendjemand für Treue. Schön, oder? 

Treue hat etwas mit Vertrauen zu tun. Manche Leute unterstellen BILD (schon seit vielen Jahren) und VW (jetzt neuerdings), dass sie es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Es hapert also am Vertrauen.

Wir erinnern uns deshalb anläßlich des Tags der Deutschen Einheit und beim Blick auf diese Spam-Mail an das geflügelte Wort von Willy Brandt: "Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört"

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Update:

In den USA kursiert nach einer Recherche des Wall Street Journal vom 29.09.2015 die Meinung, dass der Clean Air Act (das ist das Gesetz zur Luftreinhaltung von 1970) ein rechtliches Schlupfloch beinhaltet, welches VW Möglichkeiten bietet einer teuren Strafe zu entgehen. Das steht auch hier. Die Amerikaner fragen ferner nach der Rolle von Ferdinand Piech bei dem Betrug. Außerdem werden Messergebnisse gezeigt, wie stark der Grenzwert im realen Fahrbetrieb verfehlt wird. Solche Zahlen, Daten, Fakten möchte man gerne auch für Europa sehen ...


Montag, 21. September 2015

Europa - nichts für Weicheier


Darstellung eines weichgekochten Eies im Becher
(Georg Flegel: Stillleben mit Nelke, ca. 1630)


Das weiß ein jeder, wer's auch sei: gesund und stärkend ist das Ei

(Wilhelm Busch)


Wenn man in einem Hotel übernachtet und zum Frühstück ein weichgekochtes Ei haben möchte, dann geschieht bisweilen Merkwürdiges:
  • puritanische Häuser servieren ein hartes Ei und erklären ihren Kunden, dass die EU das Weichkochen von Eiern verboten habe
  • in anarchistischeren Gegenden (dazu zählen nach unserer Erfahrung: Bayern, Berlin und Frankreich) wird derartiger Unfug einfach ignoriert und jeder kriegt sein Ei, so wie er möchte
  • feine feige Hotels pullen einen Pilatus: statt weiche Eier aus der Hotelküche zu servieren, werden am Frühstücksbuffet rohe Eier und ein Eierkocher bereitgestellt. Falls in dieser Konstellation vorschriftswidrig weiche Eier entstehen sollten, dann wäscht der Hotelmanager seine Hände in Unschuld, 
  • in Ostfriesland gibt es weiche Eier gegen eine unterschriebene Einwilligungserklärung, so berichtet jedenfalls die Allgemeine Hotel und Gastronomiezeitung

Was genau vorgeschrieben ist, das ist eher schwer herauszufinden, wie man beispielsweise in diesem durchaus kontrovers geführten Meinungsstreit sieht: "Sind weiche Eier zum Frühstück in Deutschland verboten?". Die EU, jedenfalls, findet immer wieder solch bürgernahe Betätigungsfelder ...


Alte Güterwaggons verursachen den größten Teil
des Lärms auf Eisenbahnstrecken. Sie gehören mit
neuen Flüsterbremsen ausgerüstet. (Quelle: ProRheintal


Deutschland soll ausgebremst werden


Die FAZ meldet am 28.08.2015: "EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc hat ... die Bundesrepublik Deutschland gemahnt, bei möglichen Beschränkungen des Bahnverkehrs zum Schutz der Bürger vor unzumutbaren Lärmbelastungen nicht isoliert vorzupreschen, sondern auf eine gesamteuropäische Lösung nach 2022 zu warten." Na klar: wo kämen wir denn hin, wenn jetzt Einzelne beim Schutz der Bürger vorpreschen, oder? Auslöser dieser Angelegenheit ist, dass es bei uns in Deutschland eine Vorschrift gibt, bis spätestens 2020 die rund 180.000 Güterwaggons auf lärmarme Bremsen umzurüsten. "Für weiterhin laute Güterzüge soll danach ein Fahrverbot gelten." Wir berichteten hier darüber - im Juli 2011. Kaum vier Jahre später mischt sich also Brüssel ein und fordert "zu warten".

Warum mauert die EU-Kommissarin? Die Gründe dafür sind einfach zu verstehen und das Portal Eurotransport.de zitiert dazu die Bürgerinitiativen aus dem Rheintal: "In Deutschland habe man zumindest erreicht, dass bis 2016 die Hälfte der Fahrzeuge, die in Deutschland verkehren, umgerüstet sein müssen und, dass ab 2020 kein Fahrzeug mehr mit Graugussbremsen mehr fahren dürfe. Rein rechtlich, so Pro Rheintal, seien Fahrverbote sowohl nach deutschem als auch nach EU-Recht möglich. Die EU mache sich zum Sprachrohr der Bahnlobbyisten und verhindere effektiven Lärmschutz. Die Initiative macht auch die Waggonhalter für die Diskussion verantwortlich. Diese pokerten, obwohl sie mittlerweile von Staat und EU jeweils einen dreistelligen Millionenbetrag für die Umrüstung bekämen." Aha, es geht also ums liebe Geld, um Subventionen. Wir beobachten hier die geldgierigen Lobbyisten bei ihrer Arbeit! Und die EU-Kommissarin Violeta Bulc spielt tatsächlich mit bei diesem Spiel gegen die Bürger? Warum eigentlich?


Elihu Vedder: Corrupt Legislation, Lobby to Main Reading Room,
Library of Congress Thomas Jefferson Building, Washington D.C., 1896


Eine ehrenwerte Gesellschaft ...


Es gibt weitere Beispiele, wie die EU gegen Bürgerinteressen agiert. Die Zeit rechnet uns vor, dass die Firma Apple mit deren iPhones in den letzten Jahren in Europa 8 Milliarden Euro Steuern gespart hat, indem Apple die Gewinne in Niedrigsteuerländern, wie Irland oder Luxemburg entstehen lässt, anstatt sie in den Ländern zu versteuern, in denen sie real angefallen sind. Neben Apple haben viele weitere Unternehmen ihre Besteuerung - sagen wir mal - kreativ gestaltet: z.B. Amazon, FedEx, IKEA, Pepsi, Procter&Gamble, Deutsche Bank, E.ON ... Die dazu notwendige trickreiche Buchhaltung ist vollkommen legal. Warum? Weil die Regierungen und die EU dafür gesorgt haben. Ach ja: War nicht der heutige EU-Kommissionspräsidänt Juncker in seiner Zeit als Luxemburger Regierungschef maßgeblich an der Legalisierung solcher Gestaltungsmethoden beteiligt?

Die Frankfurter Rundschau berichtet, dass die EU-Kommissarin Cecilia Malmström das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP retten möchte. Neu ist dabei ihr Vorschlag anstatt geheimer Schiedsgerichte unabhängige Gerichte mit bezahlten (!) Richtern zum Klären von Streitigkeiten einzusetzen. Bedeutet das etwa, dass die Richter der geheimen Schiedsgerichte im Rahmen des seitherigen Konzeptes "pro bono", also ohne Bezahlung arbeiten würden? Wohl kaum. Woher kommen dann die Gehälter der vorgesehenen "freien Schlichter"? Wie heißt es doch so schön in einer volkstümlichen Redensart: "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing". Die Zeitung schreibt weiter: "Von einem „völlig neuen Verfahren – transparent und demokratisch“, sprach die EU-Handelskommissarin." Ja, prima ... aber wie darf man denn diese Aussage interpretieren? Dass das seither von den EU-Politikern favorisierte Konzept intransparent oder undemokratisch oder gar beides war? Warum hat diese von uns Bürgern nicht gewählte, aber großzügig bezahlte EU-Kommissarin bis gestern versucht ein undemokratisches Verfahren durchzudrücken?

Abseits solcher Skandale profiliert sich die EU gerne auch mit Absurditäten: Unvergesslich bleibt uns die 2009 außer Kraft gesetzte Gurkenkrümmungsverordnung und der 2014 gescheiterte Versuch eines Olivenölkännchenverbotes.


Der Chef: EU-Kommissionspräsident Juncker

Ich habe fertig!

(... das sagte einst Giovanni Trapattoni ...)


Aktuell steht Europa vor riesigen Herausforderungen: die größte Flüchtlingsbewegung nach bzw. innerhalb Europas seit dem Jugoslawienkrieg der 90er-Jahre, einer nach wie vor ungelösten Griechenlandkrise, 50% Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa usw. Europa versagt hier kläglich. Die Tageszeitung brachte dazu einen zornigen und lesenswerten Kommentar. Zitat daraus:

"Ein postdemokratisches, neoliberales Kuddelmuddel nationaler und oligopolistischer Interessen, ein Experimentierfeld für neue Regierungs- und Verwaltungsformen jenseits demokratischer Legitimierung; gegenseitige ökonomische Erpressung bis an den Rand von Wirtschafts- und Bürgerkrieg; Lobbyismus und Verschmelzung von Politik und Wirtschaft in groteskem Ausmaß; eine Politik, in der Banken wichtiger sind als Menschen; eine Regierungsform, die über das Schicksal der Gesellschaften in Geheimverhandlungen zum TTIP bestimmt, jenseits der Parlamente, jenseits der Öffentlichkeit: Ein Europa, das als Eurozone auf den Hund gekommen ist."

Verglichen mit solchen brennenden Probleme ist der ärgerliche Versuch einer weitgehend unbekannten EU-Kommissarin namens Violeta Bulc den Schutz der Bürger vor dem Bahnlärm zu verhindern eigentlich nicht einmal eine Randnotiz wert. Aber: auch dieser Vorgang passt ins desolate Bild ... 


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Zum Ende hier noch ein aktuelles Video von einer Pressekonferenz mit dem Freiburger Fußballtrainer Christian Streich. Er denkt vor laufender Kameral laut über Flucht und Vertreibung nach. Acht Minuten lang in freier Rede. Ein Trainer muss sagen (können), was Sache ist, und zwar so, dass es ankommt. Bei jedem. Chapeau!

Freitag, 4. September 2015

Landflucht, Lärmschutz und eine innovative Methode zum Sanieren von Schlaglöchern ...

Die ersten beiden Abschnitte handeln von Erdkunde und sind eher schwere Kost - es geht dort um Zahlen und Statistiken. Wer sich davon allzu herausgefordert fühlt, der möge zum Feuilleton weiterblättern.


Landflucht?


Das Handelsblatt hat bei Google eine interaktive Landkarte eingestellt mit dem Titel "Deutschlands Dörfer: älter, ärmer, leerer", die uns zum Herumstöbern einlädt. In den Farben Rot/Gelb/Grün sind Gemeinden eingezeichnet, die schrumpfen/stagnieren/wachsen. Wenn man die Karte zoomt und einzelne Gemeinden anklickt, dann sieht man Daten zur Entwicklung der Bevölkerungszahlen, Gewerbesteuer usw. Da fällt zunächst auf, dass man vielerorts im flachen Land rot sieht. Deutschland leidet also unter einer regelrechten Landflucht. Grün, d.h. Wachstum, sieht man hingegen vorzugsweise in Bayern, sowie an ein paar Orten rund um Stuttgart, Freiburg, Heidelberg und Frankfurt.


Quelle: Handelsblatt


Eine amtliche (und ebenfalls interaktive) Karte gibts dazu beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Wir zoomen in unsere Gegend (Achtung, die Farben sind anders definiert als beim Handelsblatt). Wer die hinterlegten Zahlen, Daten und Fakten studieren möchte, sollte in die Originalkarte gehen - ein Blick in die Zahlen lohnt sich:




Die Großstädte Stuttgart, Böblingen und Pforzheim wachsen stark, ferner Heckengäu und Rutesheim, was man als Nachbar in den letzten Jahren auch deutlich vor Ort sehen kann. Leonberg und viele Gemeinden im Nordschwarzwald sind dagegen blau eingezeichnet - sie schrumpfen.


Lärmschutz


Quelle: Hersteller
Forscher aus dem Karlsruher Institut für Technologie KIT teilten 2012 mit, dass mit Pflanzen begrünte Wände gegen Lärm und Luftverschmutzung helfen. Inzwischen gibt es käufliche Produkte. Wir sind nun gespannt, wann und wo wir diese im realen Einsatz sehen: wahrscheinlich dort, wo das Wachstum stattfindet: in Bayern also oder vielleicht in Rutesheim ... 

Das Bundesministerium für Verkehr (BMVI) hat Statistiken über Lärmschutz an den Bundesfernstraßen herausgegeben. Der Vergleich zwischen Bayern und Baden-Württemberg erschien uns interessant. Deshalb hier ein paar Zahlen dazu. Deutschland hat insgesamt 12917 km Autobahnen, davon liegen 1054 km in Baden-Württemberg und 2515 km in Bayerm (Quelle: Statisches Bundesamt). In den Statistiken des BMVI findet man nun, wie hoch der Zuwachs bei den Lärmschutzwällen über die Jahre war. Natürlich müssen wir fairerweise diesen Zuwachs durch die im jeweiligen Land liegenden Autobahnkilometer dividieren, denn wer weniger Autobahn (BaWü) hat, der braucht auch weniger Lärmschutz. Gerechnet per Autobahnlänge zeigt sich ein jährlicher Zuwachs von 0.2% bis 0,5%. Bis alle Autobahnen Lärmschutzwälle haben, würde es es also beim jetzigen Tempo rein rechnerisch weit mehr als 100 Jahre dauern (wobei natürlich niemand die Absicht hat so viele Wälle zu bauen).


Baden-Württemberg (dunkelgrau) baute im langjährigen Mittel pro Autobahnkilometer bloß halb so viele Lärmschutzwälle wie Bayern (hellgrau). Deshalb gibt es hierzulande 61 km Lärmschutzwall, verglichen mit 328 km in Bayern. Bei den Lärmschutzwänden finden wir hingegen einen Bestand von 166 km in Baden-Württemberg gegenüber 254 km in Bayern. Auf die Länge der Autobahnen gerechnet haben da die Schwaben also ihre Nase durchaus vorne. Baden-Württemberg investiert somit lieber in Lärmschutzwände als in Lärmschutzwälle. Lärmschutzwälle sind allerdings in der Regel kostengünstiger als Lärmschutzwände. Die Schwaben investieren also - entgegen ihrem Ruf - lieber in die teurere Lösung? Warum eigentlich? Rechnet man nun die Strecken mit Lärmschutzwällen und Lärmschutzwänden zusammen, so zeigt sich, dass Baden-Württemberg heute auf 21.6% und Bayern auf 23.3% seiner Strecken Lärmvorsorgemaßnahmen installiert hat. Betrachten wir nun die Kosten dafür:

Man sieht, dass die Bayern in den vergangenen zehn Jahren eher stetig in den Lärmschutz investiert haben, während Baden-Württemberg vor zehn Jahren erst langsam und zögerlich anfing. Weil die Bayern in die kostengünstigeren Lösungen investiert haben, gibt es dort insgesamt gesehen jedenfalls mehr Lärmschutz als in Baden-Württemberg, wo man das Geld bevorzugt in teure Lösungen gesteckt hat und deshalb auch weniger für sein Geld bekommen hat. In der Bankenkrise 2008/2009 wurde überall wenig gebaut. Danach aber hat man in Baden-Württemberg ab 2011 Gas gegeben und recht viel Geld ausgegeben. Jetzt wäre interessant zu wissen, wo das viele Geld im einzelnen investiert wurde. Der Ausbau der A8 zwischen Leonberg und Heimsheim erfolgte jedenfalls vor 2008, als hierzulande weniger Geld in Lärmvorsorge gesteckt wurde. Die Anwohner können das hören. Jeden Tag.


Auch in Weissach und Flacht, so berichtete die Leonberger Kreiszeitung am 24.08.2015.


Stuttgart fällt zurück

Bis neulich war Stuttgart die Stauhauptstadt Deutschlands. Unsere Region fällt aber zurück. Das steht jedenfalls im Spiegel Online vom 24.08.2015.


Und jetzt noch das Letzte in Kürze



Quelle: Twitter und WJTV vom 21.08.2015
In diesem Blog war schon häufiger die Rede über marode Straßen und wie man diese reparieren sollte. Aus Jackson, der größten Stadt in Mississippi, kam nun ein kreativer Vorschlag von Bürgermeister Tony Yarber: Er möchte seine Schlaglöcher durch Beten sanieren.

Solche innovativen und doch kostengünstigen Ideen aus Amerika fehlen unseren Straßenbaubehörden, oder?

Yarber ist übrigens Pastor der "Relevant Empowerment Church" (alleine schon der Name dieser Kirche klingt prima - sie kümmert sich mit Macht um die relevanten Dinge). Yarber erinnert uns in der Haltung seiner Hände an irgendjemanden Berühmtes ...



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Danke an die Hinweisgeber auf die hier verwendeten Links





Silberberger Sommerabend

... bald ist wieder Silberberger Lichterfest