Dienstag, 29. April 2014

Die Ruhe weg

"Die Ruhe weg" so lautet das Motto des 17. Tags gegen Lärm am 30. April 2014. Seit 1998 ruft die Deutsche Gesellschaft für Akustik (DEGA) jährlich im April zu Aktionen auf. Wer Zeit und Interesse hat, möge das Flugblatt oder eine längere Informationsschrift lesen oder vielleicht die Videoinstallation "Two Scenes Mixed" (ebenfalls von der Webseite der DEGA) "geniessen".

Die AGVL plant Aktionen zum Tag des Lärms in Leonberg und Renningen. Und viele andere Zeitgenossen greifen das Thema inzwischen auch auf, z.B. 
  • die Schweizer, die hier ein paar Mythen und Legenden zum Verkehrslärm widerlegen,
  • das Umweltbundesamt, das einen eher milden Beitrag liefert (aber immerhin),
  • die Welt hingegen titelt am 29.04.2014 recht radikal: "Dauerhafter Lärm ist Körperverletzung"
  • die Leonberger Kreiszeitung gibt am 29.04.2014 bekannt "Kreis preist optimale Heilung an der Autobahn". Offenbar möchte der Landrat in einem Farbprospekt von extra hierfür angemieteten Werbeprofis seine im Altkreis weniger beliebten Klinikpläne an der Autobahn anpreisen lassen. "Es sind keine Anhaltspunkte erkennbar, die den Bau ... aus Gründen des Lärms ... ausschließen" heißt es da. Wir verweisen auf die Lärmmessung im vorangegangen Blog, den zitierten Artikel aus der Welt, den morgigen Tag des Lärms und auf den gesunden Menschenverstand unserer Mitbürger. Ob eine bezahlte Werbekampagne wohl gegen all das wirkt?
Ach ja, und was macht eigentlich unsere Landesregierung? Die Schwäbische.de berichtet, dass die "erste und einzige Lärmschutzbeauftragte" - die Staatssekretärin Frau Dr. Gisela Splett - dem Kabinett über den Kampf gegen den Lärm im Südwesten berichtet. "Die Grünen-Politikerin sieht bei den Kommungen dringenden Handlungsbedarf". Zwar löst dieser erhellende Hinweis kein einziges Problem, aber jetzt wissen wir wenigstens endlich, wer mal daran arbeiten könnte. In der Stuttgarter Zeitung steht unter anderem auch noch als eine vorgeschlagene Maßnahme der Landesregierung: "Beispielsweise könnten Räume von Kindertagesstätten und Schulen lärmdämpfend gestaltet werden". Könnte es sein, dass da ein paar Prioritäten durcheinander geraten sind?


Nachlese vom 30.09.2014:

Die Landesschau des SWR berichtete gestern über Lärm. Worauf gehen alle diese Berichte in der Schwäbischen, der Stuttgarter Zeitung und in den SWR-Nachrichten zurück? Die Quelle sind Presseerklärungen von Politikern, die von den Medien übernommen wurden:

  • Das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur veröffentlichte am 29.04.2014 eine Presseerklärung nebst Informationsschrift zum Tag gegen Lärm.
  • Am Tag zuvor, dem 28.04.2014 erklärte das Ministerium in einer Pressemitteilung "Kommunen müssen den Lärm stärker bekämpfen"
  • Und soeben hat der Herr Minister den Renninger-Lückenschluß eröffnet. In der Pressemitteilung vom 29.04.2014 ist zwar die Rede von einer Steigerung der Lebensqualität, aber das Wort Lärmschutz kommt nicht vor. Schade eigentlich - so kurz vor dem 17. Tag gegen Lärm.
Natürlich freuen wir uns, wenn sich das Ministerium mit "unseren Themen" beschäftigt. Drei Pressemitteilungen und eine Broschüre in zwei Tagen, das ist ja geradezu eine vulkanische Eruption! Über konkrete, erkennbar wirksame Maßnahmen mit Umsetzungsterminen würden sich viele Bürger aber noch mehr freuen als über drei eher allgemeine Presseerklärungen. 

Zum Schluß noch ein Bild von der Mahnwache der AGVL in Leonberg anläßlich des Tages gegen Lärm:

Nachtrag 03.05.2014