Donnerstag, 9. Mai 2013

Ramsauer ratlos?

das legt uns jedenfalls einer der Beiträge aus der folgenden bunten Presseschau nahe:

... über Blitzer

Die Stuttgarter Nachrichten berichteten am 18.04.2013 über "Vier neue Blitzanlagen an der Autobahn". Diese kontrollieren das Tempolimit auf der A8 zwischen Leonberger Dreieck und Flughafen. Die A8 gilt jetzt nämlich als Unfallschwerpunkt, was bei dem vielen Verkehr auch kein Wunder ist. Die Erkenntnis, dass da viele Unfälle passieren, muss für die Verantwortlichen allerdings eher neu und überraschend gekommen sein (siehe Blog-Beitrag vom letzten Jahr): Staatssekretärin Splett schrieb 2012 an die Leonberger Abgeordnete Kurtz, die auf die Unfallhäufigkeit hingewiesen hatte: "Es gibt ... keine Grundlage für die Anordnung einer Geschwindigkeitsbeschränkung aus Verkehrssicherheitsgründen". Sie bezog sich dabei auf die sieben Kilometer lange Strecke zwischen Rutesheim und dem Autobahndreieck Leonberg, wo zwischen 01.01.2012 und 23.07.2012 "nur" 49 Unfälle passiert seien, was offenbar für die Experten keine ausreichende Häufung darstellt.  


... über zerbröselnde Autobahnen

Die Stuttgarter Zeitung schrieb am 03.05.2013 erneut über die neuen Blitzer. Nebenbei kommt dort auch nochmals die Ankündigung, dass der abblätternde Flüsterasphalt auf der A8 zwischen Rutesheim und Leonberg-West demnächst provisorisch repariert wird und im nächsten Jahr eine Sanierung geplant sei. Weil es sich um Fehler bei der Verlegung handelt, sei das ganze ein Garantiefall. Schwer nachvollziehbar finden wir, dass man nicht gleich richtig repariert, sondern mit der Sanierung erstmal noch ein Jahr zuwartet.

Autobahnauffahrt Leonberg-West


Zerbröckelnden Flüsterasphalt gibt es scheinbar allerorten und nicht nur bei uns: Der Münchner Merkur vom 21.02.2013  zeigt ein Bild von der A9 bei München, das Schäden dokumentiert, die mehr als ähnlich zur Auffahrt Leonberg-West aussehen. 

Klar ist jedenfalls, dass aufgrund der vielen Ausbesserungsstellen eine unebene "Rüttelstrecke" entsteht und die ursprünglich lärmmindernde Wirkung des Flüsterasphalts an vielen Stellen verloren gegangen ist.


... über Murks oder Inkompetenz oder Schlimmeres

Der sich bei München auflösende Belag ist sieben Jahre alt und der bei uns gerade mal nur fünf. Herkömmlicher Asphalt hält zwanzig Jahre. Da fragt man sich dann schon, von welcher Art jene "Qualitätsprobleme" sein könnten. Schlichter formuliert: Ist das ganze Murks oder Inkompetenz? Ein Leser des Münchner Merkur spekuliert: "In anderen Ländern funktioniert der Belag gut, warum bei uns nicht? Möglicherweise hat die ausführende Baufirma ungenügende Erfahrung beim Einbau oder er wurde falsch eingebaut und der Auftrag vorher via "schwarzem Koffer" erteilt?"

Nun sind solche Straßenschäden leider nichts Besonderes, sondern im Vergleich zu anderen Desastern eher nur eine Kleinigkeit. Öffentliche Großprojekte werden in Deutschland in letzter Zet allerorten gegen die Wand gefahren, viel zu teuer oder müssen binnen kurzem nachgebessert werden. Man denke an den Berliner Flughafen, die Elbphilharmonie, den Berliner Bahnhof (auf jenen, der uns in Stuttgart bevorsteht, sind wir jetzt alle neugierig). Am 18.04.2013 schrieb der Tagesspiegel "Ramsauer sucht Rat gegen Pleiten Pech und Pannen: Warum scheitern Großprojekte wie der BER?" Die Welt titelte am 17.04.2013 in noch deutlicheren Worten "Ramsauer will gegen lausige Großprojekte vorgehen". Schön wär's. In seiner Kommission sitzen jetzt wahrscheinlich Vertreter aus Industrie und Behörden, die fundierte Erfahrungen bei der Durchführung solcher Projekte einbringen. 

... über Verkehrslärm allgemein

Das Ärzteblatt Rheinland-Pfalz hatte neulich als Schwerpunktthema einer ganzen Ausgabe den Verkehrslärm und eröffnet mit einem Zitat von Robert Koch: „Eines Tages wird der Mensch den Lärm ebenso unerbittlich bekämpfen müssen, wie die Pest und die Cholera.“ Was dann in mehreren Artikeln hauptsächlich über Fluglärm gesagt wird, kann man selbstverständlich auf andere Arten von Verkehrslärm direkt übertragen.

Auch auf dem Kirchentag war der Verkehrslärm ein Thema. Hier dazu noch ein informatives Video.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft hatte am 24.04.2013, dem Tag des Lärms, eine interessante Podiumsdiskussion. Auch davon gibt es ein Video.


... über neue Lärmgrenzwerte für die Straße

In einer Entschließung des Europäischen Parlamentes vom 06.02.2013 geht es um Lärmemissionen: in erster Lesung wurde eine Verordnung über den Geräuschpegel von Kraftfahrzeugen angenommen. Nach Meinung der Europäischen Kommission bedarf es einer Neuregelung,
  • weil die bisherigen Mess- und Prüfverfahren den Lärm, der bei realistischem Fahrverhalten entsteht, nicht praxisgetreu abbilden, 
  • weil die letzte Senkung der Lärmgrenzwerte (1995) nicht die erhoffte Wirkung brachte und 
  • weil zunehmend Hybrid- und Elektrofahrzeuge in Verkehr kommen, die bei niedrigen Geschwindigkeiten aufgrund ihrer Geräuscharmut "überhört werden" können und somit zur Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer werden.
Bisher liegt die Obergrenzen für Lärmemissionen von PKW bei 74 dB(A). Für LKW, sowie für Motorräder liegt der Grenzwert bei 80 dB(A) [Quelle: Bayerisches Landesamt für Umweltschutz). In der vorgesehenen neuen Verordnung soll der Grenzwert für die Lärmemission von PKW auf 68 dB(A) gesenkt werden. Bei LKW wird nach der Masse differenziert und die Grenzwerte liegen bei 71 bis 76 dB(A) für LKW von 2 bis 12 Tonnen. Es geht also um eine Senkung der Lärmemission um 6 dB(A). Das entspricht theoretisch einer Senkung des Verkehrsaufkommens auf ein Viertel. Ein um 6 dB(A) geringerer Pegel ist eine deutliche Verbesserung, jedenfalls dann, wenn sich diese Reduzierung in der "Fahrzeugpopulation" auf unseren Straßen ausgebreitet hat; das dauert allerdings ein paar Jahre, weil dazu lärmige Altautos durch leise Neuwagen ersetzt werden müssen. Andererseits schaffen striktere Grenzwerte ab sofort einen zwingenden Anreiz für die Fahrzeug-Hersteller, in die Lärmminderung zu investieren, denn die vorgesehene Anpassungsfrist ist relativ kurz.

Erwähnenswert ist die folgende Erkenntnis, die wörtlich in der Verordnung niedergeschrieben steht: "Verkehrslärm verursacht auf vielfache Weise Gesundheitsschäden. Durch lang anhaltenden Lärmstress können körperliche Reserven erschöpft, sowie die Regulationsfähigkeit der Organfunktionen gestört und damit in ihrer Wirksamkeit eingeschränkt werden. Verkehrslärm ist ein potentieller Risikofaktor für die Entwicklung von Erkrankungen wie Bluthochdruck und Herzinfarkt". Das stimmt so, es ist wissenschaftlich belegt und dringt zunehmend in das öffentliche Bewusstsein vor: in Parlamenten, auf Kirchentagen und in Zeitungen ... 

... über Schienenlärm

Der SWR meldete am 24.04.2012, dass der Bundesrat den Schienenbonus gekippt hat: die Bahn darf also zukünftig nicht lauter sein als die Straße. Dies ist sehr erfreulich für Anwohner neuer Strecken; es braucht aber auch Verbesserungen für ältere "Bestandsstrecken", so wie bei uns entlang der S6/S60. Die Strecken für S21 werden in diesem Zusammenhang übrigens wie eine Bestandsstrecke behandelt.

Jedenfalls freut sich Verkehrsminister Hermann hier schriftlich auf seiner Website.

... über Bahnunglücke

Wir hatten in einem früheren Blogbeitrag über Zugunfälle berichtet. Es gibt Bedenken, wenn per Güterzug auf S-Bahnstrecken (wie bei uns auf der S6/S60) Gefahrstoffe mit hoher Geschwindigkeit mitten durch Städte und Wohngebiete transportiert werden. Hierzu passt der aktuelle Bericht aus dem Stern vom 04.05.2013: "Giftige Chemikalien explodiert: Zugunglück in Belgien fordert zwei Menschenleben". Weitere 14 Menschen wurden verletzt und 300 Anwohner mussten in Sicherheit gebracht werden.


... und jetzt zum guten Ende

noch ein tierisches Bild (schließlich ist gerade Krötenwanderung)

PS: vielen Dank für die Tipps und Hinweise auf die hier zitierten Links ...