Samstag, 13. April 2013

Deutsche Wertarbeit?


Am 01.04.2013 schrieb die Leonberger Kreiszeitung (und es war wohl kein Aprilscherz!): "Asphalt kaputt: Auf der A8 gilt ab sofort Tempo 100". Das Regierungspräsidium Stuttgart verhängte ein Tempolimit zwischen Rutesheim und Leonberg-West, weil der dort aus Lärmschutzgründen verbaute offenporige Asphalt jetzt kaputt ist. Es heißt, dass die Schäden durch den zurückliegenden harten Winter verursacht seien.

Es befremdet, wenn eine erst 2008 eröffnete Neubaustrecke heute schon marode ist. Ferner sind die Schäden keineswegs neu, sondern schon seit längerer Zeit bekannt. Die Stuttgarter Nachrichten beklagten bereits am 28.10.2011 im Artikel "Kaputt trotz Sanierung: viele Straßen ein Garantiefall"  Qualitätsmängel des Straßenbelags auf der A8 zwischen Leonberg und Heimsheim. Die folgenden Bilder zeigen, wie der Fahrbahnbelag zwischen Rutesheim und Leonberg in östlicher Richtung inzwischen aussieht:


A8 in Richtung Osten nahe der AS Rutesheim



A8 in Richtung Osten zwischen AS Rutesheim und Leonberg-West unweit Heuweg


A8 in Richtung Osten vor der AS Leonberg-West bei Silberberg

Auch in der Gegenrichtung macht der Asphalt Probleme. Die Auffahrt Leonberg-West in Richtung Karlsruhe ist seit Jahren eine regelrechte Rüttelstrecke. Unter der Brücke wurde vor längerer Zeit ein ziemlich großes Schlagloch geflickt. Auch dort, wo der Fahrbahnbelag noch visuell gut aussieht, hat sich an manchen Stellen eine deutlich fühlbare Welligkeit entwickelt.


"Rüttelstrecke" an der AS Leonberg-West der A8 in Richtung Westen

Die Lärmimmissionen, die wir ja schon seit der Eröffnung der Autobahn monieren und die auch nach den Berechnungen des Regierungspräsidiums in Silberberg die Lärmgrenzwerte verletzten, sind durch diese Mängel gewiss nicht besser geworden. Schließlich verursacht eine "Rüttelstrecke" erheblichen Lärm, wenn ein Fahrzeug darüber hinweg rumpelt.

Gut, dass die Behörden inzwischen immerhin erkannt haben, dass es ein Problem gibt. Denn bisher ging man selbst schriftlich vorgetragenen Hinweisen eher ungern nach: Beim Gespräch am 24.11.2011 mit Vertretern des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur wies die AGVL in ihrer Tischvorlage auf Seite 6, sowie in den Fragen 7 und 8 ausdrücklich auf die Baumängel hin. Im Protokoll antwortet das Ministerium lapidar: "Die Vertreter des Landes erklärten, dass der offenporige Asphalt den Richtlinien entsprechend eingebaut worden ist. Gemäß Fußnote zu Tabelle B der Anlage 1 zur Verkehrslärmschutzverordnung ist dem eingebauten Belag für mindestens acht Jahre ein DStro von -5 dB(A) zugewiesen." Das mag ja durchaus sein, aber Qualitätssicherung geht anders.  

Immerhin entnehme ich dieser etwas bizarren Antwort, dass in der Behörde niemand meint verantwortlich zu sein, wenn jetzt die Qualität nicht stimmt. Schließlich konnte doch niemand ahnen, dass der Straßenbelag die Fußnote zur Tabelle B der Anlage 1 zur Verkehrslärmschutzordnung schlicht ignoriert hat und sich einfach nicht an seinen behördlich "zugewiesenen Wert" hält.

Scherz beisiete: Auf jeden Fall müssen sich die Behörden jetzt einige Fragen gefallen lassen:
  1. Mit welchen Sofortmaßnahmen schützt man die vom Lärm betroffenen Anwohner?
  2. Was wird langfristig getan, um den Grenzwert einzuhalten?
  3. Wann wird die Fahrbahn repariert?
  4. Wer bezahlt die Kosten dafür? 
  5. Warum eigentlich werden Baumängel nicht frühzeitig durch eine behördliche Qualitätssicherung festgestellt und reklamiert? 
Wer seine Qualität nicht kontrolliert, der wird auch keine Wertarbeit abliefern. Schade.

Nachtrag (17.04.2013):
Solche Qualitätsprobleme sind keine Einzelfälle mehr sondern passieren immer öfter. Verkehrsminister Ramsauer will deshalb den Ursachen für, wie die Welt  formuliert, "lausige Großprojekte" auf den Grund gehen und ein neues Regelwerk schaffen. Auch die  Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet. Allerdings darf man bezweifeln, dass neue Regeln helfen, wenn die alten Tugenden (deutsche Wertarbeit) abhanden kommen. Wie wäre es denn beispielsweise mit Qualitätssicherung bei Behörden?