Sonntag, 10. Juli 2011

Lärmabhängige Bepreisung von Güterzügen

Der Gütertransport mit Zügen kostet ab Dezember 2012 weniger, wenn leise anstelle von lauten Güterwagen benutzt werden (siehe z.B.: Pressemitteilung MdB Binninger über lärmabhängige Trassenpreise). Das klingt gut, weil damit die Einführung moderner "Flüsterbremsen" für die Betreiber rentabel wird.

Laut Bundesverkehrsministerium können die Lärmemissionen von Güterwagen um bis zu 10 dB(A) reduziert werden. Die Umrüstung der rund 180.000 Güterwagen kostet, so wie es heißt, über 300 Millionen Euro. Wir rechnen kurz nach: Das ergibt knapp 2.000 Euro Umrüstkosten pro Waggon, ein eher kleiner Betrag, der in etwa dem Wert einer ausgefallenen Fuhre mit eben diesem Güterwagen entspricht (siehe: Preisliste Railion). Die Investition in eine Flüsterbremse kann man zudem steuerlich geltend machen.

Leider steht in den Pressemitteilungen nicht konkret, wie hoch der Unterschied der Trassenpreise zwischen lauten bzw. leisen Güterwagen ausfallen wird.
Das wäre aber interessant zu wissen: Denn natürlich wird sich die Lärmemission der Güterwagenflotte umso schneller verbessern, je höher der finanzielle Anreiz zum Umrüsten ist.

Die Deutsche Bahn schreibt: "Das lärmabhängige Trassenpreissystem sieht höhere Entgelte für Züge ohne Flüsterbremsen und einen Bonus für Güterwagen vor, die auf lärmmindernde Technologie umgerüstet werden." und weiter unten steht noch "Kofinanziert wird dies acht Jahre lang durch einen Bundeszuschuss. Damit wird das lärmabhängige Trassenpreissystem zu gleichen Teilen durch den Eisenbahnsektor und die öffentliche Hand finanziert."

Warum führt man hier eine neue Subvention ein? Eine Veränderung des Preissystems wäre einfach umsetzbar und ändert nichts an den Gesamtkosten des Transportgewerbes in Deutschland, wenn man laute Züge um denselben Betrag verteuert, wie man leise verbilligt. Das erfordert keinerlei Einsatz von Steuermitteln. Zusätzliche Zuschüsse der öffentlichen Hand an das Transportgewerbe sind jedenfalls unnötig und angesichts der Staatsverschuldung vollkommen unangemessen.

Damit aus dieser Kritik an der Finanzierung kein Mißverständnis entsteht, ein Statement zum Schluß: Lärmabhängige Trassenpreise sind eine ausgezeichnete Idee und sollten sich übrigens nicht nur auf die Bremsen beziehen (schließlich besteht der Sinn eines Güterzugs zumeist im Fahren und nicht im Bremsen).


NACHTRAG (14.07.2011): Beitrag von Clemens Flach in der Leonberger Kreiszeitung über dieses Thema