Sonntag, 12. Dezember 2010

LKZ vom 11.12.2010: "Der wirkliche Lärm übertönt die Theorie"

Die Zeitungsseite
zur öffentlichen Informationsveranstaltung vom 09.12.2010
mit den Fachvertretern des Regierungspräsidiums Stuttgart:
Leitartikel, Faktencheck, Leitkommentar von M. Schmidt
+ Update aus Leonberg

LKZ vom 11.12.2010 => Bitte Zeitungsseite anklicken.

Urheberrechtlicher Hinweis: Der Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung
der Leonberger Kreiszeitung eingestellt.

Infoveranstaltung mit Vertretern des Regierungspräsidiums

Über ein Jahr lang hat der Schriftwechsel des Aktionsbündnisses mit den diversen Vertretern des Regierungspräsidiums gedauert. Im November dann die Überraschung: Das Regierungspräsidium lud zu einer Informationsveranstaltung am 9.12.2010 ins Leonberger Rathaus.

Auf diesem link finden Sie die Folien mit den von uns vorgetragenen Argumenten:

1) Schall breitet sich nahe der Sichtlinie aus: Wohngebäude mit Blick auf die A8 sind besonders lärmbelastet

2) Nach einer Umfrage des Bürgervereins vom September 2009 berichten über 50% der Bürger über eine subjektive Verschlimmerung der Lärmbelastung nach Ausbau der A8

3,4) Messergebnis: In der Paulinenstr. 18 war am 06.08.2009 von 22:00-24:00 Uhr der Mittelungspegel bei 55 dB(A). Der Grenzwert beträgt 49 dB(A) und wurde somit deutlich überschritten. Die theoretisch berechneten Werte liegen nahe dem Grenzwert und werden durch die Messung nicht validiert.

5) Auch an anderen Tagen und an anderen Orten (im Silberberg) und mit anderen Meßgeräten, die von anderen Bedienern betrieben werden, sind erhebliche Überschreitungen des Grenzwertes zu beobachten.

6) Eine Dauermessung der nächtlichen Pegel im März 2009 zeigt, dass der Grenzwert gerade mal an einem einzigen Tag eingehalten war. Manche erinnern sich vielleicht an den damaligen Schneeeinbruch ...

7) Wenn die Messungen stimmen, gibt es logisch nur zwei Möglichkeiten: entweder ist das Rechenmodell fehlerhaft oder die aktiven Lärmschutzmaßnahmen (z.B. die Lärmschutzwand auf der Wasserbachtalbrücke) entsprechen nicht den Anforderungen.

8) zur Berechnung: Uns fällt auf, dass für die Neuberechnung 2010 teilweise andere Wohngebäude gewählt wurden als für die Erstberechnung 1995. Ferner fällt uns auf, dass die im Bild sichtbaren Wohngebäude mit Sichtlinienverbindung keine Berechnungsorte sind.

9) zur Berechnung: die im April 2010 erhobenen Verkehrszahlen, welche als Basiszahlen in die Berechnung eingehen, wurden "herunterkorrigiert" und es gibt Zweifel an deren Repräsentativität

10) zu den Lärmschutzmaßnahmen: Da es - wie gesagt - sein könnte, dass der aktive Lärmschutz den Anforderungen nicht genügt, fordern wir Akteneinsicht. Insbesondere interessiert uns, wie und mit welchem Ergebnis bei der Abnahme der Lärmschutzwand deren Wirksamkeit zur Lärmminderung nachgewiesen wurde.

11) Wir kennen alle die Steigung der A8 zwischen Leo-West und Rutesheim. Wir wissen alle, dass vor der Brücke die Geschwindigkeitsbegrenzung aufgehoben wird. Wir hören alle, wenn die Autos infolgedessen mit Vollgas, also mit Motor unter Volllast, bergauf massiv beschleunigen.

12) In der Berechnung wurde die Steigung nicht berücksichtigt und eine Geschwindigkeit von 130 km/h für PKW und 80 km/h für LKW angenommen.

13) Und ausgerechnet dort ist die einzige Autobahnstrecke im Grossraum Stuttgart ohne Geschwindigkeitsbegrenzung. Warum eigentlich?

14) Wir fassen das in 5 Fragen zusammen:
- Wie erklärt das Regierungspräsidium die Diskrepanz zwischen Messung und Berechnung?
- Warum akzeptiert das Regierungspräsidium diese Diskrepanz seit 2 Jahren?
- Wie hat man die Schutzwirkung der Lärmschutzmaßnahmen seinerzeit spezifiziert?
- Wie und mit welchem Ergebnis hat man die Wirksamkeit dieser Maßnahmen bei der Abnahme
nachgewiesen?

- Warum ist ”unser” Teilstück der A8 das einzige rund um Stuttgart ohne
Geschwindigkeitsbegrenzung?


15) Der Jahresdurchschnitt für den Verkehr auf der A8 wurde aus Verkehrszählungen an zwei Tagen im April hochgerechnet. Das ist statistisch riskant und erfordert eine Fehlerbetrachtung. Vermutlich kommt bei der Fehlerbetrachtung heraus, dass eine erhebliche Unsicherheit der ermittelten Verkehrszahl besteht, die unmittelbar auf die berechnete Lärmbelastung durchschlägt. (Siehe dazu diesen link.)