Dienstag, 22. September 2009

Bürgerbefragung zum Thema "Lärm"

Nachdem sich (Autobahn-)lärmgeplagte Silberberger Anfang August zum Aktionsbündnis "Lebenswerter Silberberg" zusammengeschlossen hatten, wollten wir herausfinden, wie stark der Lärm den ganzen Silberberg beeinträchtigt. Deshalb verteilten wir einen Fragebogen an alle Silberberger Haushalte.

Von den 398 verteilten Fragebögen sind bis zum 19. September 115 zurückgekommen (weitere 7 Fragebögen warten noch auf die Auswertung - wenn ich wieder etwas mehr Zeit habe, werde ich auch diese Bögen auswerten und dann die Grafiken entsprechend ändern), das ist ganz gut.

Zusammenfassung

Die Ergebnisse unserer Erhebung haben unsere Annahmen bestätigt. Die Lärmbelastung hat sich durch den Ausbau der A8 und die im Zuge dessen durchgeführten Lärmschutzmaßnahmen nicht verbessert, sie hat sich allenfalls lokal verändert. Etwa 60% der Anwohner (wenn wir davon ausgehen, dass der Rücklauf repräsentativ ist) fühlen sich durch den Autobahnlärm merklich oder sogar erheblich in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt. Und fast ebenso viele werden deswegen - zumindest manchmal - in ihrem Schlaf gestört. Fast die Hälfte der Befragten hält den Autobahnlärm für das größte vom Lärm verursachte Problem, noch vor den Güterzügen.

Die Befragung zeigt deutlich, dass der kleinste Teilort Leonbergs unter der Lärmbelastung leidet und dass hier dringend Handlungsbedarf besteht und Abhilfe geschaffen werden muss.


Ausgewählte Ergebnisse

Als erstes wollten wir natürlich wissen, wie die Silberberger die Lärmbelastung nach dem Ausbau der A8 und der Installation der sog.
Lärmschutzwand über die Wasserbachtalbrücke beurteilen.


In der oben gezeigten Grafik zeigt sich deutlich, dass nur 25% der Silberberger die Veränderungen subjektiv als besser beurteilen. Etwa gleich viele Befragte (ca. 35%) sehen keine Veränderung oder eine Verschlechterung.

Dass „nicht verändert“ nicht bedeutet, dass die Menschen mit der Situation zufrieden sind, sondern dass dies bedeutet, dass eine unbefriedigende Situation sich nicht verändert hat, zeigt sich ganz deutlich an der nächsten Frage, wo wir zu ermitteln versuchten, ob der Autobahnlärm irgendeine Auswirkung auf die Lebensqualität der Befragten hat.

Etwa 60% der Befragten antworteten, dass der Aurobahnlärm ihre Lebensqualität merklich (36,8%) oder sogar erheblich (22,8%) beeinflusst. Überhaupt keine Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität geben lediglich 13% an.



Einen der massivsten Eingriffe in die Lebensqualität stellt die Störung des Nachtschlafes dar, da während dieser Zeit sich nicht nur Kraft und Energie für den nächsten Tag getankt werden, sondern weil hier auch wichtige Reparaturarbeiten im Zellstoffwechsel stattfinden. Schlafstörungen führen u.a. zu Stressreaktionen und und Lernstörungen. Nächtliche Lärmbelastung, das haben verschiedene wissenschaftliche Studien nachgewiesen, führen u.a. zu Blutdhochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall.

Das Ergebnis unserer Befragung ist erschreckend: Nur ein Drittel der Befragten hat keine Einschlaf- oder Durchschlafprobleme aufgrund des Autobahnlärms. Fast die Hälfte der Befragten kann deswegen manchmal nicht ein- oder durchschlafen und in einem Fünftel der Haushalte kämpfen die Menschen häufig mit lärminduzierten Schlafproblemen. Und sind somit auch einer massiven gesundheitlichen Gefährdung ausgesetzt.



Die Hälfte der Befragten gibt auch an, dass sie der Autobahnlärm in ihren Lebensgewohnheiten teilweise oder massiv beeinträchtigt, weil sie z.B. ihren Balkon, ihre Terrasse nicht nützen wollen, weil es zu laut ist, oder weil sie bei geschlossenem Fenster schlafen müssen. Lediglich ein Fünftel der Befragten fühlt sich nie vom Lärm beeinträchtigt.



Schließlich wollten wir von den Silberbergern noch wissen, wie sie den Autobahnlärm in Relation zu anderen Lärmquellen beurteilen, welche Lärmquellen stören sie am meisten?

Wir haben fünf mögliche Lärmquellen vorgegeben und wollten, dass diese von den Befragten in eine Rangreihenfolge gebracht werden. Bei der Auswertung haben wir die Rangreihenfolge dann entsprechend gewichtet (Rang 1 wurde mit 5 multipliziert, Rang 2 mit 4, usw.), damit eine übersichtliche Grafik entsteht.


Dabei zeigt sich, dass der Autobahnlärm – allerdings fast gleich auf mit dem Lärm, der von den Güterzüge verursacht wird – den Silberbergern tatsächlich am meisten zu schaffen macht. Auf Rang 1 setzten 48% der Befragten den Autobahnlärm und 31% den Lärm, der von den Güterzügen verursacht wird.

Weitere Lärmquellen, die in den Antworten auf die beiden offen formulierten Fragen genannt wurden, waren

- die Kopfsteinpflastereinlagen auf der Wasserbachstraße, die offenbar genau das erreichen, was die Anwohner nicht wollen: sie stellen ein zusätzliches Lärmärgernis im ohnehin schon lärmgeplagten Umfeld dar,

-spät nachts am S-Bahnhof randalierende Menschen (Jugendliche)
-nächtliches Hundegebell
-Hubschrauber und Bundeswehrflugzeuge (Fallschirmspringer)

Außerdem monieren Anwohner der Wasserbachstraße, dass sich durchfahrende Fahrzeuge häufig nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten bzw. dass auch das kräftige Beschleunigen nach der Spielstraße unnötigen Lärm verursacht. Einige Befragte würden sich hier häufigere Kontrollen wünschen.




Mittwoch, 9. September 2009

"Flüsterasphalt" - ein mehrschneidiges Thema

Die Teufel der ausgebauten A 8 steckt im Detail, das ist klar.

Zum Detail, über das man Bescheid wissen sollte, gehört auch der so genannte "Flüsterasphalt" (offenporiger Asphalt), der auch für Teilstücke der A 8 in Wohnsiedlungsnähe verwendet wurde, wie Michael Schmidt von der Leonberger Kreiszeitung heute in seiner Kolumne aufklärt.

LKZ 09.09.2009 -> Bitte auf das LKZ-Bild klicken

Urheberrechtlicher Hinweis: Der LKZ-Ausschnitt wurde mit freundlicher Genehmigung der Leonberger Kreiszeitung eingestellt.

Der offenporige Asphalt war aktuell zudem Thema eines Forschungsprojekts des Lehrstuhls für Straßenplanung und Straßenbau am Institut für Straßen- und Verkehrswesen der Universität Stuttgart: http://www.uni-stuttgart.de/aktuelles/presse/2007/6.html


Zur Problematisierung der bisherigen Lärmmessung s. einen weiteren Link zum benannten Lehrstuhl: http://www.isv.uni-stuttgart.de/sus/forschung/abgeschlossen/verkehrslaermforschung/index.html

Freitag, 4. September 2009

Silberberger Lärmproblematik mit OB Schuler im SIT

Am 28.08.2009 besuchte Oberbürgermeister Schuler kurzentschlossen Silberberg zu einem zweistündigen, intensiven und sehr offenen Gespräch über die Lärmemmissionen von der A8.
Teilgenommen haben der Vorsitzende des Bürgervereins Hansjörg Hoffmann und einige vom Lärm betroffene Silberberger Mitbürger.

Beklagt wurde eine subjektiv festzustellende Zunahme des Autobahnlärms, jedenfalls an bestimmten Stellen im Ortsteil (obwohl gleichzeitig an anderen Stellen durchaus auch Verbesserungen beobachtet werden). Als Ursache für die Verschlechterung vermuten die Betroffenen, dass die Berechnungen der Lärmschutzmaßnahmen auf inzwischen veralteten oder vielleicht sogar auf fehlerbehafteten Annahmen beruhen.

Herr Schuler sagte uns in dem konstruktiven und lösungsorientierten Gespräch zu, die folgenden Themen aufzugreifen:
  • Prüfung, ob die Lärmschutzmaßnahmen bereits abgenommen sind und inwieweit deren technische Wirksamkeit nachgewiesen wurde.
  • Abstimmung mit dem Regierungspräsidium mit dem Ziel, die durch die Baumaßnahmen veränderte Topographie im Spätherbst neu zu vermessen.
  • Bitte an das Regierungspräsidium, eine Neuberechnung gemäß aktueller Annahmen und Daten bis zum nächsten Frühjahr durchzuführen.
  • Unterstützung unseres Anliegens, die Lärmschutzwälle möglichst noch im Herbst 2009 mit schnell wachsender Vegetation zu bepflanzen.
Heute hat Herr Schuler eine erste Rückmeldung zu seinen weiteren Bemühungen gegeben: So teilt er u. a. mit, dass das Regierungspräsidium ihm bereits jetzt zugesagt hat, eine Neuberechnung der Lärmbelastungen vorzunehmen. Dazu soll nach Abschluss der Vegetationsperiode (im Herbst) eine Befliegung und im Anschluss daran die entsprechende Berechnung durchgeführt werden.

Na wunderbar ...

Übern Zaun: Luftverkehrlärm im Ramtel nur gefühlt?

Auch die Bewohner des Leonberger Ramtel sind durch starken Flugverkehrlärm beunruhigt und genervt.

Das Regierungspräsidium gibt jedoch in seinem Antwortschreiben an Oberbürgermeister Schuler Entwarnung: Die Lage habe sich wohl nicht fühlbar verändert, und die Zunahme der Lärmemissonen durch Überflüge sei eher ein subjektives Problem. Siehe dazu die Leonberger Kreiszeitung von heute.

LKZ 04.09.2009 -> Bitte auf das LKZ-Bild klicken


Urheberrechtlicher Hinweis: Der LKZ-Ausschnitt wurde mit freundlicher Genehmigung der Leonberger Kreiszeitung eingestellt.