Samstag, 16. Juli 2016

Geheimniskrämer


Die Lage der geplanten Flugfeldklinik an der Autobahn A 81 ist zwar verkehrsgünstig, aber es gibt dort reichlich Lärm und Luftverschmutzung.


Neulich kommentierte dazu die Stuttgarter Zeitung: "Das geplante Großkrankenhaus auf dem Flugfeld in Sindelfingen sorgt für hitzige Diskussionen. Dabei hätten sich die Kritiker eigentlich schon viel früher melden können". Nun ja ... die AGVL bezog jedenfalls bereits vor Jahren mit fachkundigen Argumenten Stellung gegen den Standort, erhielt jedoch nur hinhaltende Antworten. Die Leonberger Kreiszeitung kommentierte daraufhin im April 2014 leicht süffisant: "Kreis preist optimale Heilung an der Autobahn ... Bedenken, dass ein Gebiet zwischen Autobahn, Gewerbe und Bahnlinie für ein Krankenhaus nicht der optimale Standort sei, werden beiseite geschoben". Also: Kritik gab es durchaus schon früher, der Kommentator der Stuttgarter Zeitung weiss lediglich nichts darüber ...

Geheimniskrämerei


Am 25.06.2016 schreibt die SZBZ"Luft und Lärm sind auch ein Kritikpunkt ... Die Gutachten hierzu laufen. „Vorab lässt sich sagen, dass beide Gutachten zum Ergebnis kommen, dass sich weder aufgrund der lufthygienischen noch aufgrund der schalltechnischen Situation Hinderungsgründe für ein Krankenhaus auf dem Flugfeld ergeben. Sprich das Grundstück ist nach wie vor mehr als geeignet für einen Klinikstandort“ sagte der Sprecher des Landrates.

Wo sind eigentlich diese Gutachten? Warum veröffentlich der Kreis diese nicht? Gerne würde man doch nachlesen, was die Gutachter herausgefunden haben. Wie hoch sind denn die Belastungen mit Lärm und Luftschadstoffen am Standort der Flugfeldklinik? Wo gibt es Zahlen, Daten, Fakten? SInd diese vielleicht geheim?

Wir helfen gerne weiter ... 

 

Auf Basis einer Fundsache, nämlich der schalltechnischen Gutachten, die wegen der geplanten Überdeckelung der A8 erstellt wurden, können wir eine Lärmprognose für den Standort des Autobahnkrankenhauses vorlegen.

Quelle: Lagepläne der schalltechnischen Untersuchung von Modus Consult, Mai 2012, auf denen zur Verdeutlichung zusätzlich der Klinikstandort und die Straßennamen eingezeichnet wurden

Orange eingezeichnet sind auf dieser Lärmkarte nächtliche Lärmpegel von 54-59 dB(A). Was bedeutet das? Die Norm DIN 18005 „Schallschutz im Städtebau“ stellt fest: „Bei Beurteilungspegeln über 45 dB(A) ist selbst bei nur teilweise geöffnetem Fenster ungestörter Schlaf häufig nicht mehr möglich.“ Wir fänden es schön, wenn man in einem Krankenhaus bei geöffnetem Fenster schlafen könnte. 

Die Norm gibt Orientierungswerte für die Lärmbelastung von Neubauten vor: 
  • 35 dB(A) nachts für schutzwürdige Sondergebiete
  • 40 dB(A) nachts in reinen Wohngebieten
  • 55 dB(A) nachts für Gewerbegebiete
Eine Klinik sollte also eher bei 35 dB(A) als bei 55 dB(A) liegen (siehe auch beispielsweise Technische Anleitung Lärm). 


kein Scherz ...

Die DIN 18005 hält einen Lärmpegel von 55 dB(A) angemessen u.a. für Friedhöfe.

 _____________________

Update

LKZ, 19.07.2016: "Kreistag beschließt Grundstückskauf"



 

Mittwoch, 29. Juni 2016

Zeige mir, wie Du baust, und ich sage Dir, wer Du bist

In unserer Presseschau für Juni 2016 schauen wir uns einige Baustellen aus unserer Gegend an.


... Impressionen von der A8 ...

Beginnen wir mit der Autobahn A8 bei Leonberg: Bekanntlich entsteht gerade zwischen Stuttgarter Kreuz und Leonberger Dreieck die achte (zusätzliche) Fahrspur. Außerdem wird die 2008 eröffnete, aber schon seit 2011 zerbröselnde Fahrbahndecke aus Flüsterasphalt zwischen Leonberg und Heimsheim erneuert.
Zur Verdeutlichung der
Verkehrsverhältnisse


Am 08.06.2016 berichtete die Stuttgarter Zeitung über "Die Dauerstau-Autobahn-Unfallstelle". Da steht beschrieben, wie es dort kracht: "Seitdem rings um das Dreieck gebaut wird, gibt es nicht nur häufig stockenden Verkehr, sondern auch viele Zusammenstöße... Wenn es kracht, dann richtig... Neun Mal hat es in Fahrtrichtung München in der Baustelle gekracht, sechs Mal in Richtung Karlsruhe. Dazu kommen zwei Unfälle im Engelbergtunnel aufgrund des Rückstaus auf die A 81. Von diesen Kollisionen sind neun Auffahrunfälle, die übrigen acht entstanden bei Fahrspurwechseln vor der Fahrbahnteilung." Um die Gefahren zu mindern heißt es, das Regierungspräsidium sei dabei "Verbesserungsvorschläge zur weiteren Verdeutlichung der Verkehrsverhältnisse zu prüfen, etwa noch größere Hinweisschilder oder hochreflektierende Trennwände." Mal sehen, was schneller fertig wird: die Behörde mit dem Prüfen, jene Hinweisschilder oder die Baustelle ... Die LKZ berichtet am 22.06.2016, dass jetzt schneller gearbeitet werden soll, was natürlich löblich ist, weil die Baustelle dann früher fertig wird.

Hinweisschilder brauchen ausreichende Größe




Die Wirtschaftswoche berichtet am 08.06.2016 "Luftverschmutzung: 500.000 Menschen in der EU starben vorzeitig durch schlechte Luft". Deutschland ist bekanntlich reich und umweltbewusst. Deswegen sollte man meinen, dass diese in der Wirtschaftwoche zitierten Umweltprobleme in fernen Ländern, weit weg von uns zu suchen sind, oder? Weit gefehlt: Die Berliner Zeitung berichtete am 22.05.2016 "Deutschland ist Europameister bei der Luftverschmutzung". Diese Information bezog sie aus der Antwort der Bundesregierung vom 21.04.2016 auf eine Anfrage der Grünen. Wenig überraschend ist, dass dort wieder einmal Stuttgart als der dreckigste Ort Deutschlands geoutet wird (Kehrwoche hilft eben nicht gegen Feinstaub). Auch Leonberg verdiente sich eine unrühmliche Erwähnung, weil der Grenzwert für Stickstoffdioxid in Höhe von 40 µg/m³ mit 60 µg/m³ in der Grabenstraße deutlich überschritten war. Die Berliner Zeitung kommentiert scharfsichtig: "All dies ist nicht unerwartet und plötzlich über die Bundesregierung hereingebrochen. Die Probleme sind seit Jahren erkannt. Die EU-Kommission hat mehrfach angemahnt und schließlich schon 2009 ein erstes Vertragsverletzungsverfahren auf den Weg gebracht. Zu solchen Maßnahmen greift Brüssel, wenn der Eindruck entstanden ist, dass eine Regierung nicht geneigt ist, gegen einen Missstand vorzugehen. Zunächst ging es nur um überhöhte Feinstaubwerte. Im vorigen Jahr reichte es der EU-Kommission auch bei den permanenten Übertretungen der NO2-Konzentrationen in der Atemluft. Dieses Vertragsverletzungsverfahren wurde noch vor der Aufdeckung der Abgasmanipulationen bei Volkswagen auf den Weg gebracht. Es drohen nun einer ganzen Reihe von Kommunen Geldbußen in Millionenhöhe."



Der Güterverkehr nimmt immer größere Ausmaße an und ist Hauptursache der Luftverschmutzung



Vielleicht meint ja hier jemand, es sei schlecht für die Wirtschaft und zu teuer Gegenmaßnahmen zu ergreifen? Bei der Anfrage der Grünen wurde auch nach den volkswirtschaftlichen Kosten der Luftverschmutzung gefragt. Die Antwort unserer Regierung wird in der Berliner Zeitung gemeinverständlich zusammengefasst: "In der Antwort auf die Anfrage verweist das Ministerium auf einen WHO-Bericht aus dem vorigen Jahr: Demzufolge wurden die ökonomischen Folgen vorzeitiger Todesfälle durch Luftverschmutzung in Deutschland auf etwa 145 Milliarden Dollar für das Jahr 2010 taxiert." Regierungsamtliches Nichtstun kommt uns also teuer zu stehen. Man könnte deshalb fragen: Was macht eigentlich die EU-Kommission so in letzter Zeit (mal abgesehen vom Brexit)?



Die EU-Kommission ist aufgeschreckt ...


Die Plattform Euractiv berichtet am 27.05.2016 "Luftverschmutzung: EU-Kommission verklagt Belgien wegen Verschleierung von Schadstoffwerten". Der Hintergrund ist lesenswert: "Die EU-Kommission leitet rechtliche Schritte gegen die belgische Regierung ein, da diese das wahre Ausmaß der Luftverschmutzung im Brüsseler EU-Viertel verheimlicht habe... Im Speziellen geht es bei den Vorwürfen um die beiden am stärksten belasteten Straßen Belgiens: die Rue Belliard und die Arts-Loi-Kreuzung, deren Luftverschmutzungsdaten die Regierung in ihrer Berichterstattung scheinbar unter den Tisch fallen ließ. Die Rue Belliard und die Rue de la loi führen als zwei Hauptverkehrsadern ins Brüsseler EU-Viertel, wo sich Kommissions-, Parlaments- und Ratsgebäude befinden. Wer sich in der Nähe dieser beiden Orte aufhält, ist unerlaubt hohen Mengen von Stickstoffdioxid (NO2) ausgesetzt. NO2 kann zahlreiche Atemwegserkrankungen auslösen, die Lungenschleimhäute reizen und schließlich zur Einweisung ins Krankenhaus – im schlimmsten Falle sogar zum Tod – führen." Kann es vielleicht sein, dass bei den Eurokraten hier eine persönliche Betroffenheit entstanden ist?



Screenshot mit Werbung aus der Internetausgabe 
der Stuttgarter Zeitung vom 07.06.2016


Noch mehr Baustellen gefällig? Der Gotthard-Tunnel wurde neulich eröffnet. Er blieb im Rahmen seines Zeit- und Kostenplanes, naja ... jedenfalls so ungefähr, wie im Text zur Fotostrecke des Spiegel über Großprojekte nachzulesen ist. Vom Einhalten der Termine und des Budgets können die Verantwortlichen für die Baustellen Berliner Flughafen und Stuttgart 21 bloß noch träumen. Als die Stuttgarter Zeitung 2013 schrieb, dass Stuttgart 21 nicht im Jahr 2021 sondern erst im Jahr darauf, also 2022, fertiggestellt wird, wurde sie prompt von der Deutschen Bahn verklagt (Kontext, 23.10.2013). Jetzt sagen die damaligen Prozesshansel von der Bahn selber, dass es wohl 2023 werden wird. Ob das wohl reicht? Verkehrsminister Hermann kündigt jedenfalls schon mal an, dass das Land für zusätzliche Kosten nicht aufkommen wird (Interview mit der Stuttgarter Zeitung, 11.06.2015). Das ist wahrscheinlich auch besser so, weil es Schätzungen gibt, wonach die Kosten von derzeit veranschlagten 6,5 Milliarden auf 10 Milliarden steigen werden (Stuttgarter Zeitung, 16.03.2016). Und jetzt ist auch noch der für S21 verantwortliche Bahnvorstand Kefer zurückgetreten. Die FAZ schreibt am 15.06.2016: "Ein Abgang, der Fragen aufwirft".

Der als kompetent und durchsetzungsfähig geltende Ingenieur Dr. Kefer hat es jedenfalls nicht geschafft, das Projekt Stuttgart 21 auf dem Gleis zu halten. Ein Projektabbruch kommt wohl eher nicht in Frage: denn die meisten Aufträge sind bereits vergeben, Bahnvorstand und Aufsichtsrat haben sich klar positioniert (solche Leute rudern ungern zurück), ganz zu schweigen von der Bundeskanzlerin und diversen baden-württembergischen Landesregierungen aller Couleur. Wer kommt also nach Kefer? Einfallen könnte einem Herr Mehdorn: er kennt die Bahn von früher und weiß dank BER Bescheid über Baustellen. Oder aber Herr Pofalla: der ist derzeit "Generalbevollmächtigter für politische und internationale Beziehungen" der Deutschen Bahn und hat Erfahrung im Beenden von Dingen

Ach ja: "Zeige mir, wie Du baust, und ich sage Dir, wer Du bist"; das Zitat stammt übrigens von Christian Morgenstern aus dem Jahr 1905. 

Sonntag, 22. Mai 2016

So sieht's aus ...

Neulich nach einem Theaterbesuch haben wir uns auf der Heimfahrt umgeschaut.


Am Bahnhof Feuerbach kommen nicht bloß die Einheimischen und ein paar Theaterbesucher vorbei, sondern auch Gäste der alteingesessenen lokalen Industrieunternehmen oder vielversprechende Bewerber, von denen wir uns wünschen (sollten), dass sie sich in unserer Gegend wohlfühlen.
 


Da gibt es keine zweite Chance mehr für den ersten Eindruck !


Ob die ICE-Reisenden wohl ahnen, wie es da unter ihrem Zug aussieht?





Sonntag, 1. Mai 2016

Auf ein Neues: Unsere Dauerbaustelle, die A8 ...

Die Chefs bei der Schwerstarbeit Feierlichkeit am 11. Januar 2016
zum ersten Spatenstich für den achtspurigen Ausbau der A8:
Die Werkzeuge einiger der Herren sehen merkwürdig unbenutzt aus.
Nur beim Regierungspräsident Johannes Schmalzl (links) blieb offenbar
ein wenig Schmutz hängen; ihm untersteht die Straßenbaubehörde.
Neben ihm: Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Norbert Barthle,
Landesverkehrsminister Winfried Hermann und Landrat Roland Bernhard.
(Quelle: Website von Winfried Hermann)
Es geht um zwei Autobahnbaustellen: Die Stuttgarter Zeitung berichtet am 26.04.2016: "Zwischen den Ausfahrten Leonberg-Ost und Heimsheim wird der Asphalt wieder flüstern". Die Quelle dafür ist eine Presseerklärung aus dem Regierungspräsidium Stuttgart vom gleichen Tag. Der SWR berichtet in der Landesschau am 27.04.2016: "Eine weitere Spur in Richtung Leonberg soll für Entlastung sorgen. ... Weiter auf der A8 bis nach Heimsheim wird nach acht Jahren ein neuer Flüsterasphalt aufgebracht, der den Lärm verringern soll. ... Staus dürften vorprogrammiert sein. Die Sanierung soll etwa 16 Millionen Euro kosten und Ende Juli fertig sein." Und am 30.04.2016 erwähnt die Stuttgarter Zeitung weitere wesentliche Zusammenhänge zu der anderen Baustelle, dem Verflechtungsstreifen: "Kritiker von der Arbeitsgemeinschaft Verkehrslärm Region Leonberg sowie im Leonberger Gemeinderat bezeichneten das Vorgehen als Autobahnausbau durch die Hintertür. Die A8 werde um eine Fahrbahn erweitert, ohne dass Land und Bund die nötigen Maßnahmen, etwa beim Lärmschutz, umsetzten, die bei einem Ausbau vonnöten wären."


Achtspuriger Ausbau der A8
(Quelle: Regierungspräsidium 
Stuttgart, Unterlage)
Bei dem sogenannten "Verflechtungsstreifen" handelt es sich um den achtspurigen Ausbau der A8 zwischen dem Stuttgarter Kreuz und dem Leonberger Dreieck, der in diesem Blog bereits öfter vorkam. Abgesehen  davon, dass die Straßenbaubehörde keine Umweltverträglichkeitsprüfung durchführt und die Richtlinien für den Bau achtspuriger Autobahnen aus Ermessensgründen lieber nicht einhält, fallen uns auch die immer wieder unterschiedlichen Zahlen ins Auge, welche für die Baukosten genannt werden: Am Anfang des Projektes war einmal von 13.2 mio Euro die Rede. In den Stuttgarter Nachrichten stand sodann neulich, dass Bundesverkehrsstaatssekretär Barthle von 32 mio Euro an Bundesmitteln ausgeht. Und jetzt schreibt die Stuttgarter Zeitung (s.o.) wieder von 13 mio und der SWR berichtet über 16 mio. Weiß hier eigentlich irgendjemand, wieviel das Projekt kostet?

Zu der Erneuerung der Fahrbahndecke mit offenporigem (Flüster)Asphalt fällt uns ein Interview der Stuttgarter Zeitung aus dem September 2014 ein, das mit dem "Abteilungspräsidenten" der Abteilung 4 Straßenwesen und Verkehr im Regierungspräsidium, Alexander Hollatz, geführt wurde. Zitat: "Hollatz ist nicht begeistert: „Der Flüsterasphalt ist doppelt so teuer wie der herkömmliche Splittmatix-Asphalt, hält aber nur halb so lange.“ Seine Alternative: „Höhere Lärmschutzwände“." Diese durchaus vernünftige Einschätzung muss Herrn Hollatz in den vergangenen zwei Jahren wohl irgendwie abhanden gekommen sein. Oder warum läßt er nach dem Zerfall der alten Fahrbahndecke aus Flüsterasphalt jetzt schon wieder Flüsterasphalt verlegen?


Ausgeflüstert: die Fahrbahndecke bei Rutesheim und Leonberg-Silberberg aus offenporigem Asphalt


Wir hatten hier schon viele frühere Blog-Beiträge zum Flüsterasphalt, die wir nicht weiter wiederholen wollen. Die Stadt Rutesheim fordert übrigens schon seit Jahren ein Tempolimit zusätzlich zum Flüsterasphalt (siehe folgendes Bild). 




 
Quelle: Amtblatt der Stadt Rutesheim Mai 2015


Der am Anfang zitierten Mitteilung des RP entnehmen wir außerdem: "Zudem werden die Kanäle und die im Streckenabschnitt liegenden Brückenbauwerke saniert." Interessant : Es wird also nicht nur die zerbröselnde Fahrbahnoberfläche der Autobahn erneuert, sondern man saniert auch gleich einige Brückenbauwerke. Nun wurde vor Kurzem vom Bundesverkehrsministerium auch der Zustand der Eisengrifftalbrücke bei Rutesheim als "nicht ausreichend" qualifiziert (vgl. vorangehender Blog-Artikel über Einstürzende Neubauten). Ob diese Brücke wohl auch saniert wird? Das steht leider nicht in der Mitteilung. Oder warten wir mit der Reparatur lieber weitere acht Jahre bis 2024, wenn die jetzt zu verlegende Fahrbahndecke aus Flüsterasphalt erneut zerbröselt ist und deshalb die erwartbare nächste Millionensanierung ansteht?

 

Feuilleton

 

Als einen kleinen Vergleich liefern wir unseren schwäbischen Straßenbauern hier noch ein schön anzusehendes Bild: Es gibt nämlich Bauwerke, die nicht bloß acht Jahre, sondern gleich jahrtausendelang halten. Die unten abgebildete Römerbrücke von Vaison-la-Romaine in Südfrankreich hat diverse Hochwasser überstanden und auch einer versuchten Sprengung durch deutsche Truppen im zweiten Weltkrieg standgehalten. Solch eine Qualität wünschen wir uns doch auch hierzulande. Wir fragen uns, wie unsere Eisengrifftalbrücke wohl im Jahre 4000 aussehen wird ...


Roman Bridge, Vaison-la-Romaine, France. Pic 01
by maarjaara, via Wikimedia Commons
[CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)]

Sonntag, 24. April 2016

Einstürzende Neubauten ?

Bereits seit langem ist bekannt, dass es in Deutschland viele marode Brücken gibt. Am berühmtesten ist derzeit die Schiersteiner Brücke über den Rhein (vgl. Wikipedia). Man mag sich jetzt fragen: Gibt es noch mehr solche Probleme?

Wie alles anfing ...


Die Welt vom 01.09.2015 brachte den Artikel "12.000 deutsche Brücken von akutem Verfall bedroht" und der Spiegel griff dieselbe Angelegenheit am 07.03.2016 unter dem Titel "Marode Fernstraßen: Hier zerbröseln Deutschlands Brücken" erneut auf. Worum geht es dabei?

Der Journalist Lars-Marten Nagel stellte laut Welt bereits 2008 einen Antrag nach dem Informationsfreiheitsgesetz, um Daten über den Erhaltungszustand von Brücken zu erhalten. Politiker fordern zwar gerne Transparenz von politischen Gegnern, aber die CSU-Verkehrsminister Ramsauer und Dobrindt lehnten die Herausgabe dieser Informationen an den Journalisten Nagel ab. Wo kämen wir schließlich hin, wenn jedermann einfach nachlesen könnte, was bei uns alles kaputt ist?

Die Deutsche Presseagentur verlor deshalb eine Klage vor dem Verwaltungsgericht, die das Bundesverkehrsministerium zur Herausgabe zwingen sollte. Das Ministerium führte ins Feld, dass Daten zum Zustand unserer Verkehrswege nützlich für Terroristen sein könnten. Dieses Argument geht natürlich ins Leere, weil doch gerade der Verdacht besteht, dass die Brücken von alleine und ganz ohne Einwirkung von Terroristen einstürzen könnten!

Sieben Jahre nach der ersten Anfrage hatte die Welt Erfolg mit einer weiteren Klage und erreichte die Freigabe von Informationen. Wahrscheinlich gehen CSU-Politiker vorsichtiger mit dem Verlag um, der die BILD-Zeitung herausgibt, als mit einzelnen neugierigen Journalisten. Das Ergebnis der Anfrage war jedenfalls grausam und erklärt, warum Politiker gerne einen gnädigen Mantel des Schweigens darüber ausbreiten: der Verfall schreitet rasend voran.

Die Grünen stellten weitere Nachfragen im Parlament und nun liegen detaillierte Antworten zum Brückenzustand vor. Hier die Bewertung der Brücken in Baden-Württemberg auf Anfrage des Abgeordneten Matthias Gastel und mehrerer Kollegen.

Zusammenfassung: Es dauert sieben lange Jahre, um Informationen, welche uns Bürgern nach dem Informationsfreiheitsgesetz zustehen, aus einem CSU-geführten Verkehrsministerium zu "befreien".


Wie sieht es in unserer Gegend aus?


Im Spiegelartikel gibt es eine interaktive Karte, in der man Orte heranzoomen kann. So sieht ein Screenshot daraus bei Leonberg aus:
 

Dort fällt auf, dass die erst 2008 erbaute Eisengrifftalbrücke bei Rutesheim in einem nicht ausreichendem Zustand ist, ebenso wie viele weitere, orange eingezeichnete Autobahnbrücken entlang von A8 und A81. Anstatt hundert Jahre oder länger zu halten, geraten also moderne Bauwerke binnen 7 oder 8 Jahren in einen mangelhaften Zustand. 

Was lernen wir daraus? Nicht nur die Fahrbahnoberfläche zerbröckelt auf der A8 rapide, sondern auch die Brücken. Wir hatten in diesem Blog vor einem Jahr über die Schlaglöcher geschrieben und - auf Verdacht - aus unserer (nicht unbedingt sachverständigen) Sicht merkwürdig aussehende Bilder von der Eisengrifftalbrücke gepostet. Offenbar sollten wir bei der Bewertung der Qualität der Leistungen unserer Straßenbaubehörden vorsichtshalber immer mit dem Schlimmsten rechnen.


Wie geht es bei der Bahn?

 

Wenn wir schon dabei sind, den Zustand unserer Autobahnbrücken zu betrachten, dann liegt auch ein Blick auf die Bahn nahe: Die Zeit hatte am 02.09.2014 einen Artikel "So kaputt sind Deutschlands Bahnbrücken" mit interaktiver Karte. In unserer Gegend zeigt ein Screenshot Folgendes:


Das Spektrum reicht also von punktuellen Schäden bis hin zur Diagnose "muss abgerissen werden" (westlich des Leonberger Haldengebietes).


Feuilleton

 

Beim Berliner Flughafen wurde der Pressesprecher gefeuert (Quelle: Spiegel vom 11.04.2016), nachdem er verkündet hatte: "Die Berliner und Brandenburger haben ein Recht zu sehen, wo ihre Milliarden versenkt worden sind". Da sage noch einer, ehrlich währt am längsten.

Wir freuen uns ferner darauf, dass - anders als der Berliner Flughafen - demnächst ein anderer Meilenstein der deutschen Baukunst eröffnet werden kann. Die Kosten für den Bau der Elbphilharmonie stiegen von anfangs geplanten 77 Mio Euro auf 789 Mio Euro. Bereits diese Leistung verdient unseren Respekt. So etwas muss man erstmal nachmachen. Es kommt aber noch besser: Zur Eröffnung spielt am 11.01.2017 die Band Einstürzende Neubauten. Die Welt titelt dazu am 12.04.2016 "Einstürzende Neubauten in der Elbphilharmonie: Zur Eröffnung im kommenden Jahr lässt es Hamburg so richtig krachen". Wir hoffen das Beste für den Erhalt des Gebäudes.






Sonntag, 6. März 2016

Johnny Controlletti ...

... war eine Figur aus einem alten Lied von Udo Lindenberg und im Refrain hieß es: "Alles unter Kontrolle". Der Streit zwischen der Leonberger Stadtverwaltung und der (ehemaligen) Gruppe Immissionen aus der Lokalen Agenda macht auf uns ganz den Eindruck, als ob die hiesige Verwaltung ebenfalls enormen Wert darauf legt, alles unter Kontrolle zu halten.

 

Was ist passiert?

Die Agendagruppe Immissionen hatte vom Forum der Lokalen Agenda, wo verschiedene Bürgerinitiativen zusammen mit der Stadtverwaltung Mitglieder sind, eine Finanzierungszusage für ihre Arbeit erhalten und Geld für ein Flugblatt ausgegeben. Die Verwaltung verweigert jetzt nachträglich die Erstattung  der zugesagten Mittel und schiebt dafür nicht näher beschriebene "haushaltsrechtliche Gründe" vor. Tatsächlich aber kritisiert die Verwaltung, dass der Inhalt vor dem Drucken nicht mit der Verwaltung abgestimmt worden war.

Die
Leonberger Kreiszeitung berichtet über den im Laufe des Streites erfolgten Austritt der Agendagruppe Immissionen aus der Lokalen Agenda und schreibt: die Angelegenheit werde jetzt in städtischen Gremien behandelt und das Thema sei für die Stadt noch nicht beendet. Statt also eine Meinungsverschiedenheit mit etwas gutem Willen schnell aus der Welt zu schaffen, wird jetzt wochenlang herumdiskutiert  und die Verwaltung drückt sich vor einer nachvollziehbaren Beschreibung ihrer sogenannten haushaltsrechtlichen Gründe. Der ganze Vorgang zeugt von wenig Souveränität im Umgang mit abweichenden Meinungen. Die Kosten der Verwaltung für ihre unermüdliche Gremienarbeit übersteigen wahrscheinlich schon lange die Druckkosten jenes Flyers.
 
Stadtrat Frank Albrecht verlor inzwischen laut der Leonberger Kreiszeitung die Lust bei der Lokalen Agenda mitzumachen. Urteilen Sie selbst: hier nochmals der inhaltlich eher harmlose Flyer, der die Bürger aufruft sich bei der Lärmaktionsplanung zu beteiligen. Auch der Stadtanzeiger berichtete.

 

Worum geht es eigentlich?

Im Lauf der Zeit wurden bei der Agenda schon  viele Flyer bezahlt: warum sollte eigentlich nur dieser jetzt umstrittene Flyer mit der Verwaltung abgestimmt werden?  Wieso werden nicht alle Flyer und alle Agendagruppen gleich behandelt? Was passiert eigentlich, wenn es bei deiner Abstimmung mit der Verwaltung zu Meinungsverschiedenheiten kommt? Dürfen Bürgerinitiativen Meinungen veröffentlichen, die von denen der Verwaltung abweichen? Haben die Damen und Herren aus der Verwaltung während ihrer Dienstzeit nichts Besseres zu tun als die Flugblätter von Bürgerinitiativen zu redigieren? Was sagt eigentlich der Chef der Stadtverwaltung zu dieser Zeitverschwendung? Wir wissen das nicht, weil er schweigt. Möchte er vielleicht das Management der Leonberger Bürgerinitiativen übernehmen? Oder fühlt sich seine Verwaltung wie das "Syndikat" in dem Lied von Udo Lindenberg?
Und Johnny Controlletti
übernahm sofort das Management
Er sagt: Si, si, Signor
wir machen das perfekt und schnell

die Jungs vom Syndikat sind enorm professionell



 


Die Stadt braucht Ehrenamtliche - aber brauchen enagierte Bürger Gängelei durch die Stadt?

_______________________

Update vom 24.04.2015

Problem gelöst, die Stadt zahlt den der Agendagruppe Immissionen seinerzeit zugesagten Betrag aus. Dies hat der Stadtrat so beschlossen. Die Leonberger Kreiszeitung berichtete am 19.04.2016: "Unter den Flyer-Streit wird ein Schlussstrich gezogen". Nur schade um das Porzellan, welches die Verwaltung mit dieser im Grunde albernen Streiterei zerschlagen hat.


_______________________


Bildnachweis: Quelle des Auschnittes aus dem Lindenberg-Bild: (licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Germany license. Attribution: Hawobo at german Wikipedia project)

Sonntag, 7. Februar 2016

Feinstaubalarm in Stuttgart

Mitte Januar wurde in Stuttgart Feinstaubalarm ausgerufen: dort (aber nicht nur dort) übersteigen Luftschadstoffe wie Feinstaub und Stickstoffdioxid regelmäßig die gesetzlichen Grenzwerte. Einige Umweltverbände haben den Vorgang trefflich kommentiert (hier). Der Alarm wird bei bestimmten Wetterlagen ausgerufen, aber nicht wenn die Messungen Grenzwertverletzungen anzeigen. Es kann also vorkommen, dass Alarm ist und gleichzeitig die Luft gut ist. Es kann aber auch sein, dass die Luft schlecht ist, aber kein Alarm. Der Alarm ist auf die Stuttgarter Innenstadt beschränkt, im Gegensatz zur Luftverschmutzung. Die Vorschrift, nach der ein Feinstaubalarm ausgelöst wird, ist also durchaus merkwürdig. Eine Alibi-Aktion, weil Stuttgart von der EU verklagt wurde und man im Wahlkampf lieber keine wirksamen, aber unpopulären  Maßnahmen ergreifen wollte

Die Aufrufe hilfloser Politiker, bei austauscharmen Wetterlagen freiwillig auf das Auto zu verzichten, blieben - wer hätte es gedacht - wirkungslos. Es ist kein Wunder, wenn viele Leute das eigene Auto dem öffentlichen Nahverkehr vorziehen: denn der ÖPNV in Stuttgart ist teuer: wer von Leonberg nach Stuttgart-Mitte und zurück will, zahlt 10,20 €, das Einzel-Tagesticket kostet für diese 4 Zonen 10,80 €.
Über Tickets zum halben Preis bei Feinstaubalarm wird "nachgedacht"


Nur wer die App "moovel" nützt, kann derzeit - und auch nur - bei den ersten beiden Feinstaubalarmen zum halben Preis fahren.  Allerdings kann diese App u.a.: die SD-Karteninhalte auf Ihrem Handy ändern oder löschen, mit Ihrer Handy-Kamera Bilder und Videos aufnehmen, die Konten auf Ihrem Gerät verwenden, neue Konten und Passwörter festlegen, etc. Die App fordert vollen Netzwerkzugriff. Wollen Sie das?

   
Scheinkorrelation?
Stuttgart ist also nicht nur die deutsche Hauptstadt des Feinstaubs, hier gibt es auch den teuersten ÖPNV.  
Ein Jahresticket für die Strecke Leonberg-Stuttgart (4 Zonen, ca. 20 km Entfernung) kostet 1366,00 €. Zum Vergleich: die Berliner BVG berechnet für die Jahreskarte der Zone AB (gesamtes Stadtgebiet mit 3,4 Mio. Einwohnern und einem Durchmesser von ca. 60 km) 761,00 €. In München zahlt man für eine vergleichbare Entfernung 726,00 € für die Jahreskarte. In Stuttgart bezahlt man für umweltfreundliches Verkehrsverhalten also doppelt so viel wie in vergleichbaren deutschen Städten. Und selbst in New York City ist der ÖPNV günstiger, dort kosten zwölf Monatskarten für die Metro 1344 US$, das entspricht ca. 1200,00 €. Nun ja, aber was ist schon New York City im Vergleich zum "neuen Herzen Europas" (Werbung für den Stuttgarter Tiefbahnhof).
Wer solche Wucherpreise verlangt, der muss sich nicht wundern, wenn die Pendler wohlgemeinte Aufrufe ignorieren. (Sind wir nicht alle ein bisschen Schmiedel?)


Wie man es anders machen kann, hat die Stadt Wien vorgemacht: Wien (mit 1,75 Mio Einwohnern durchaus mit dem Stuttgarter Ballungsraum vergleichbar) hat ein Jahresticket zum Preis von 365,00 € eingeführt, das sind pro Tag 1,00 €. Die Wiener Politiker waren bereit für weniger Verkehr und mehr Lebensqualität in ihrer Stadt den ÖPNV kräftig zu subventionieren. Aber das war garnicht nötig, denn die Zahl der verkauften Jahreskarten ist daraufhin so stark gestiegen, dass die erwarteten Verluste kompensiert wurden. Und die nach Verkehrsmittel aufgeschlüsselten Zahlen (Modal Split) geben den Wiener Politikern Recht: Nur 27% der Wege werden in Wien mit dem PKW zurück gelegt, dafür aber 39% mit dem ÖPNV.


Das Umweltbundesamt veröffentlicht übrigens langjährige Trends: "Die Jahresmittelwerte der Stickstoffdioxid-Belastung haben bis zum Ende der 1990er Jahre abgenommen, seitdem stagnieren sie. An weit mehr als der Hälfte der verkehrsnahen Stationen überschreiten die gemessenen Stickstoffdioxid-Konzentrationen den seit 2010 einzuhaltenden Grenzwert". Auch in der Leonberger Grabenstraße wird der Grenzwert von 40µg/m³ für den Jahresmittelwert von Stickstoffdioxid mit 47µg/m³ deutlich verletzt. Die tatsächliche Belastung entlang der stark befahrenen Autobahnen ist unbekannt, weil es dort keine Messstation gibt. Auf entspechende Anfragen erteilt das Verkehrsministerium lieber keine brauchbare Auskunft. Steckt man den Kopf in den Sand, weil man sonst Maßnahmen ergreifen müsste?

 

... und hier die aktuelle Presseschau ...


Die Leonberger Kreiszeitung brachte am 25.01.2016 den folgenden Leserbrief:


Am 29.01.2016 berichtete Arnold Einholz in der Leonberger Kreiszeitung aus Rutesheim: "Bei Tempo 120 auf der A8 beißt die Stadt auf Granit". Rutesheim beantragte beim Regierungspräsidium Stuttgart eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der A8, was abgelehnt wurde. Bürgermeister Dieter Hofmann komentiert: "Da beißen wir auf Granit. Unverständlich ist, dass es das Regierungspräsidium unverändert, wie schon bei zwei weiteren Rutesheimer Anträgen, ablehnt, eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der A8 einzuführen, trotz der Nähe zu großen Wohnbebauungen". Der Beigeordnete Killinger sagte: "Die Gutachter für den Lärmaktionsplan vom Büro BS-Ingenieure haben immer wieder bestätigt, dass 120 Stundenkilometer vor allem nachts tatsächlich viel bringen würde". Rutesheim setzt sich für seine Bürger ein. Warum schweigt eigentlich die Stadt Leonberg?

Übrigens hilft ein Tempolimit nicht nur gegen den nächtlichen Lärm, sondern reduziert  die Belastung mit Luftschadstoffen, wie Feinstaub und Stickoxiden.