Sonntag, 24. März 2019

Flanieren ...

am Samstag den 23.03.2019 war prima Wetter und viele gingen demonstrieren spazieren



In London fand eine der größten Demonstrationen der britischen Geschichte mit über 1 Millionen Teilnehmern statt (Quelle: Tagesschau): Briten fordern den Exit vom Brexit. Aber auch ein Karnevalswagen aus Düsseldorf war mit dabei, der die Noch-Premierministerin mit einer langen Lügennase karikierte.

In Deutschland demonstrierten über 150.000 Leute gegen die EU Urheberrechtsreform, welche Uploadfilter erzwingt, eine Vorstufe der Zensur. Das meinen jedenfalls viele Kreative und auch mittelständische Internet-Firmen, die sich - anders als Google - teure Technologien nicht leisten können.  Der Konflikt wurde ausführlich kommentiert, beispielsweise von dem schwerpunktmäßig im Internet tätigen Journalisten Sascha Lobo hier und hier. Nicht alle (wollen) verstehen, dass weder für Google, noch gegen das Urheberrecht demonstriert wird. In Stuttgart waren jedenfalls über 10.000 Leute auf der Straße. Erstaunlich viele.


Es kamen auffällig viele junge Leute, nicht bloß die Alt-68'er, die so heißen, weil sie gerade auf die 70 zugehen, und die zu (fast) jeder Demo kommen



Es kamen "Digital Natives", die sich tagtäglich im Internet tummeln und sozusagen dort wohnen, und genau diese Menschen gingen auf die Straße


Es kamen die Kreativen mit selbstgebastelten Plakaten


und die Wissenschaftler


und alle machten (sehr) deutlich, was Ihnen nicht gefällt 


oder auch wer in ihren Augen dafür verantwortlich ist ...


Abertausende Demonstranten demonstrieren dafür
  • dass Großbritannien bleibt, was es ist: nämlich ein Mitglied in der Europäischen Union
  • dass das Internet so bleibt, wie es ist: nämlich ungefiltert von Lobbyisten
  • dass das Klima so bleibt, wie es war, und dafür sollten Politiker endlich Maßnahmen ergreifen, finden die Demonstranten auf den "Fridays For Future"
Sie sind wieder da: Konservative Werte!

Einer unserer echten Visionäre hat dies bereits vor einem Jahr so ähnlich gesehen



Weiter geht's beim Spaziergang ...


Wenn man Downtown Stuttgart am Hauptbahnhof vorbeikommt, dann steht man derzeit vor einer Kraterlandschaft (das zeigt das aktuelle Satellitenbild von Google)


und auch von unten sieht es interessant aus



sogar einige Gelbwesten schauen sich den Fortschritt an



obgleich am Krater immernoch um die Deutungshoheit gekämpft wird



Im Teich schwimmt ein neugieriger schwarzer Schwan



und eine frühe Magnolie blüht im Schlossgarten



Ach ja, im Glemstal zwischen Leonberg und Ditzingen stehen jetzt Verkehrszeichen für Amphibien: ob die sich daran halten?









Sonntag, 10. März 2019

Lungenärzte, Verkehrsminister und Kartelle ...



Andreas Scheuer und Winfried Hermann 20120507
Andreas Scheuer und Winfried Hermann (Wikimedia Commons)
In den letzten Wochen gab es  Kabarett rund um die Studie gewisser Lungenärzte: Es begann mit Berichten z.B. in der Welt am 23.01.2019 über eine Äußerung eines Pensionärs: "Lungenärzte erklären Feinstaubgrenzwerte für völlig unsinnig". Völliger Unsinn? Eine Einzelmeinung? Oder sieht das unsere Presse auch so? Rund hundert weitere Lungenarzt-Kollegen schlossen sich dieser Meinung an, aber die Mehrheit der 3800 Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin unterschrieb die Stellungnahme lieber nicht (* siehe Fußnote), was aber in dem eingangs zitierten Artikel der Welt leider so nicht stand. Unser Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer forderte stattdessen die Europäische Kommission auf, man möge sich sofort mit den Zweifeln auseinandersetzen und deshalb die Grenzwerte, sowie die Messstationen überprüfen. Das kommt allerdings leider etwas spät, weil jene EU-Richtlinie seit Anfang dieses Jahrtausends bekannt ist und seit 2010 in deutsches Recht umgesetzt wurde. Andererseits: Einer der vier Autoren der Studie der 'Lungenärzte' war Motorentwickler bei Daimler und ist deshalb heute Professor für Kolbenmaschinenbau, laut Telepolis. Dieser Herr ist wahrscheinlich Experte für eiserne Lungen. Ein Journalist der TAZ hat jene Studie tatsächlich gelesen und veröffentlichte daraufhin den Artikel "Lungenarzt mit Rechenschwäche". Unabhängig von irgendwelchen Rechenfehlern (wen interessieren schon technischen Details?) gab es einen politischen Vorstoß, die lästigen Grenzwerte, die man hierzulande nicht einhalten will, einfach zu erhöhen. Auto, Motor und Sport schreibt: "Die EU-Kommission wird eine Erhöhung der Grenzwerte für Stickoxide in Deutschland von 40 auf 50 Mikrogramm genehmigen ... Die Kommission stellt den Sachverhalt jedoch anders dar." Möglicherweise fanden die Kommissare das Anliegen peinlich? Jetzt ist schwer zu sagen, was eigentlich Sache ist. Und zum guten Ende schreibt die Welt"Deutschlands Lungenärzte fordern strengere Abgas-Grenzwerte". Vielleicht waren das die 3700 anderen? Man sieht jedenfalls: Unsere Verkehrspolitiker schaffen Raum für weitere jahrelange gerichtliche Auseinandersetzungen. Gut für Juristen.

Greater Gangster Stories January 1934
Quelle: Wikimedia Commons (public domain)

Apropos Juristen: Das Handelsblatt berichtet am 09.03.2019: "Autokonzerne sahen Dieselkrise kommen – Ohne Bescheißen werden wir es nicht schaffen". Nicht nur die Wortwahl befremdet. Die Geschichte ging so: Vor zwölf Jahren (2007) trafen sich Motorexperten aus der deutschen Autoindustrie in München und verabredeten miteinander, bei den Dieselmotoren weniger AdBlue einzuspritzen, als zur Erreichung der Grenzwerte erforderlich, und vereinbarten, wie man dieses Vorgehen den Behörden, wie beispielsweise dem Kraftfahrbundesamt, erklärt. Wenn in einer sollchen Angelegenheit alle Marktteilnehmer verabreden, gemeinsame Sache zu machen statt einen Wettbewerb zu veranstalten, dann nennt man das ein Kartell. Gegen sowas gibt es Gesetze. Und die Kartellgesetzgebung hat deutlich stärkere Sanktionsmöglichkeiten, als üblicherweise bei Grenzwertverletzungen zu Verfügung stehen. Die EU Kommission untersucht jetzt jedenfalls Beweismittel, die "gegen Audi, BMW, Daimler, Porsche und Volkswagen dienen könnten. Tausende von E-Mails, umfangreiche Power-Point Präsentationen und handschriftliche Notizen zeichnen das Bild einer Branche, die bei der Vertuschung ihres technischen Versagens zusammenhielt wie Pech und Schwefel. 'Meine Einschätzung: Ganz ohne Bescheißen werden wir es nicht schaffen', schrieb ein Audi-Manager am 22.1.2008 unter der Betreffzeile 'Adblue-Verbrauch' an mehrere Kollegen." Na prima. Das mögliche Strafmaß beträgt übrigens 10% vom Jahresumsatz; das sind bei den genannten Firmen immerhin rund 50 Milliarden Strafe von etwa 500 Milliarden Jahresumsatz.


Nicht fehlen darf am Ende ein Bericht der Kieler Nachrichten. Eine (andere!) namhafte deutsche Zeitung, die offenbar lieber sensationelle Berichte veröffentlicht, als deren Wahrheitsgehalt zu recherchieren, erlebte einen lustigen Reinfall: Witzbolde von der Titanic meldeten bösartige Linksautonome, die mit Blasebälgen Dieselabgase sammeln und diese in der Nähe von Messstationen wieder freisetzen, um so Fahrverbote zu erzwingen. Prompt wurde dieser Quatsch von den Vollgasjournalisten veröffentlicht. Karneval ist zwar vorbei, aber dennoch: Helau, Ihr Jecken!


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* Fussnote: Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin eV distanzierte sich von der Studie der hundert Lungenärzte per Brief an die Mitglieder:

"... Dies kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir die vorgetragene Position nicht teilen. Wir sehen als Vorstand die Gefahr, dass durch die Fokussierung auf die Debatte um Grenzwerte von NO2 und Dieselfahrverbote den gesundheitlichen Auswirkungen von Luftschadstoffen nicht genug Rechnung getragen wird. Die Vermischung von – richtigen - Hinweisen z.B. auf die Positionierung von Messstationen oder der Sinnhaftigkeit von Fahrverboten mit einer plakativen Darstellung der vermeintlichen Harmlosigkeit von Luftschadstoffen („...habe noch nie einen Feinstaubtoten in meiner Klinik gesehen...“) ist vielleicht im politischen Raum Garant für mediale Aufmerksamkeit. Der Vorstand der DGP möchte sich daran nicht beteiligen. ..."

Vielleicht hätte jemand das unserem Bundesverkehrsminister Scheuer schicken sollen.

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Nachtrag am 17.03.2019


Link auf Die Anstalt vom 12.03.2019 (funktioniert vss. 1 Jahr lang) - die Herren Zwetschge und Scheuer arbeiten die oben geschilderten Themen dort im Film unterhaltsam auf.

US Börsenaufsicht verklagt Winterkorn

Es gab noch nie so viele Rückrufe in der Automobilbranche wie im Jahr 2018

Weitere Manipulationen von Audi

Benziner reißen Abgas Grenzwerte, weil bei den Katalysatoren betrogen wird



Sonntag, 27. Januar 2019

Minister meldet Erfolg

Hier dokumentieren wir ohne Kommentar einige Pressemitteilungen des Ministeriums für Verkehr in Baden-Württemberg (damit wir sie anhand dieser Linkliste später ggf. bei Bedarf wiederfinden):

Das Ministerium teilte am 14.01.2019 mit: "Lärmbelastung in Baden-Württemberg geht zurück". Zwischen 2012 und 2017 sank die Zahl der Betroffenen um 20%. Man sieht also, dass die Lärmaktionspläne und daraus abgeleitete Maßnahmen wohl Wirkung zeigen.

vom Straßenverkehr verursachter nächtlicher Lärmteppich in Leonberg (Quelle: LUBW, Lärmkarte 2017)
Die berechneten Lärmbelastungen können wir alle in interaktiven Lärmkarten der LUBW einsehen (Karten 2017, 2012 und Hinweise aus dem Ministerium).

Das Ministerium teilte am 04.01.2019 mit: "Luftqualität in Baden-Württemberg verbessert sich weiter". Das ist - auch wenn das eher langsam vorangeht - sehr erfreulich. Die Karte der LUBW zeigt, dass der Feinstaubgrenzwert für PM10 überall eingehalten wird, aber beim Stickstoffdioxid noch Grenzwertverletzungen - auch hier in Leonberg - zu verzeichnen sind.

Quelle: LUBW via Verkehrsministerium








Dienstag, 1. Januar 2019

Alles Gute für 2019

Rutesheim an Neujahr

Aufzeichnung eines Feinstaubsensors in Leonberg Silberberg an Silvester (Quelle)

Sonntag, 30. Dezember 2018

Verbieten, Verklagen oder lieber Verbessern?


Verbieten


Vor dem Richter und auf hoher See sind wir in Gottes Hand
(Bild: gemeinfrei, Old Bailey in London)
Die Heise News vom 14.12.2018 haben eine Liste "Diesel: Wo und wann in Deutschland Fahrverbote anstehen". In Stuttgart  geht es bekanntlich Anfang nächsten Jahres los.


Laut Spiegel Online vom 08.12.2018 gibt es einen Parteitagsantrag mit dem Ziel "CDU will Gemeinnützigkeit der Umwelthilfe prüfen lassen". Die Partei stört sich daran, dass nahezu jedes Gericht der Deutschen Umwelthilfe Recht gibt, sobald es um die Frage geht, ob von der Politik beschlossene Grenzwerte tatsächlich eingehalten werden müssen. Die 39. BImSchV - das ist die Verordnung, auf der diese Grenzwerte beruhen - trat am 02.08.2010 in Kraft. Wer war eigentlich damals an der Regierung? Also: Erst erlässt eine Regierung eine Verordnung, alsdann fordert ein Verband (nicht die Regierung) vor Gericht deren Einhaltung ein, gewinnt (selbstverständlich) und jetzt ist die damals wie heute dafür zuständige Regierungspartei dagegen? Ob man die Höhe der Grenzwerte oder die Art der Messung für sinnvoll erachtet, spielt da eigentlich keine Rolle mehr.


Verklagen


Übrigens klagt keineswegs nur die Deutsche Umwelthilfe: auch das Land Baden-Württemberg will VW "auf vorsätzlich sittenwidrige Schädigung" verklagen, berichten die Heise News am 15.12.2018. Es geht um vom Land geleaste Dieselfahrzeuge der Marken VW, Audi, Skoda und Seat. Falls jemand glaubt, dass dieses Buhei politische Hintergründe hat, weil hierzulande die Grünen an der Macht sind, der sei daran erinnert, dass auch hier die CDU (mit)regiert. Weiterhin lohnt sich ein Blick nach Bayern: Der Freistaat unter Markus Söder verklagte VW laut Heise News wegen der  Aktienkurs-Verluste, die dem Bayerischen Pensionsfonds entstanden sind. Ist so eine Landesregierung etwa auch bloß ein "Abmahnverein"  (so bezeichnen manche Politiker die Umwelthilfe)?

Spannend ist in diesem Zusammenhang auch der Bericht im Spiegel Online vom 14.12.2018, wonach ein EU-Gericht die Grenzwerte für die allerneuesten Dieselantriebe nach Euro 6 Norm für nichtig erklärte. Geklagt hat auch hier nicht die Umwelthilfe, sondern noch ein anderer "Abmahnverein", der aus den Städten Madrid, Paris und Brüssel besteht. Nach dem aktuellen Urteil darf die EU-Kommission den Automobilherstellern nicht länger erlauben, die Abgasgrenzwerte, welche jahrelang unter praxisfernen Laborbedingungen geprüft wurden, im Realbetrieb auf der Straße massiv zu überschreiten. Gerichte mögen halt keine Betrüger.

Bild: public domain
Falls jemand das Wort "Betrug" für unangemessen hält, dann hilft möglicherweise die Lektüre eines etwas älteren Artikels im Fokus vom 01.06.2017: "Euro 4 sauberer als Euro 5: Grafik zeigt wahren Schadstoff-Ausstoß von Diesel-PKW". Während die Abgasnormen im Lauf der Zeit immer schärfer wurden, haben manche Autohersteller durch Ausnutzen gesetzlicher Schlupflöcher den Schadstoffausstoß ihrer Autos gesteigert. Das Ziel die Luftverschmutzung zu reduzieren wurde damit sabotiert. Laut Heise News vom 23.12.2018 prüft das Kraftfahrtbundesamt "erneute Auffälligkeiten" und "VW stoppt Software-Updates für ältere Dieselmotoren".

Übrigens gibt es beim Umweltbundesamt eine öffentlich zugängliche Liste mit Emissionen im Realbetrieb für viele gängige Automodelle. Vielleicht ist ja auch Ihr Fahrzeug dabei... 


Verbessern?


Wird jetzt alles gut, wenn wir den Dieseantrieb schnellstmöglich abschaffen? Keineswegs. Wenn alle Autofahrer ihren Diesel, der heutzutage vielleicht 6 Liter Diesel auf 100 km verbraucht, durch einen Benziner ersetzen, der stattdessen 10 Liter Super verbrennt, dann steigt erstmal der CO2-Austoß. Und das ist wahrscheinlich schlimmer als die gegenwärtige NO2-Belastung. Stickoxide halten sich nämlich nicht übermässig lange in der Atmosphäre, sondern zerfallen chemisch oder werden vom Regen ausgewaschen; natürlich ist saurer Regen auch kein Anlass zu Freude, aber danach atmen wir das Zeug wenigstens nicht mehr ein. Das CO2 hingegen sammelt sich in der Atmosphäre, man wird es praktisch nie mehr los und es verursacht den Treibhauseffekt, der zur Klimaerwärmung führt.

Sollten wir dann alle auf Elektroautos umsteigen? Nun ganz so einfach ist das auch nicht. Spektrum der Wissenschaft publizierte vor einem Jahr eine ernüchternde Studie "Wie ist die Umweltbilanz von Elektroautos?" und kommt zu dem Ergebnis "Das Elektroauto hat ein Imageproblem – sein Ruf ist zu gut". Wie das? Zum einen müsste der Strom aus regenerativen Quellen kommen und nicht aus Braunkohlekraftwerken. Wer mit Kohlestrom fährt, der verschmutzt die Luft nur anderswo. Zum anderen belastet die Herstellung von Elektrofahrzeugen, insbesondere der Batterien, die CO2-Bilanz enorm. Je größer die Reichweite, desto schlechter die Ökobilanz. Hier die Effizienz zu erhöhen ist bestimmt möglich, wird aber noch viele Jahre dauern.

Wer dazu eine zweite Meinung braucht, findet die beim ADAC: bei den großen Autos hat gegenwärtig der Diesel den geringsten CO2-Ausstoß über Lebensdauer einschließlich Herstellung. Ein Stromer fährt erst ab 580.000 km Laufleistung umweltfreundlicher als der Diesel. Bei kurzreichweitigen Kompaktfahrzeugen dagegen ist das Elektroauto schon bei 50.000 - 100.000 km Laufleistung besser. Der Benziner ist übrigens die allerschlechteste Wahl. Über das zusätzliche Problem, dass Benziner mit Direkteinspritzung ordentlich Feinstaub erzeugen, weil meist kein Filter vorhanden ist, wollen wir hier nicht reden. Ergo muss man die Ökobilanz differenziert sehen: Elektroantrieb hat eine gute Ökobilanz für kurzreichweitige Stadtautos. Sie wird noch besser, wenn man Kohlekraftwerke durch regenerative Energie ersetzt. Bei großen langreichweitigen Autos hat der Diesel noch immer die Nase vorn.

Die Hersteller könnten übrigens Stickoxide wirksam aus dem Abgas entfernen, aber das wollen die nicht - lieber verkaufen sie Neufahrzeuge, Die Stuttgarter Nachrichen bezeichnen das am 28.12.2018 als ein "Armutszeugnis für die Autobauer"Der Fokus vom 29.12.2018 sammelt weitere Pressestimmen, wie beispielsweise "Autobauer sind Zentrum des Problems, Teil der Lösung wollen sie nicht sein". Vielleicht hilft Politikern und Managern ein Blick auf den Aktienmarkt: Die Firma Tesla ist inzwischen mehr wert als Daimler und BMW

Sonntag, 9. Dezember 2018

Punk

Der Präsident des Bundesrechnungshofes wirft  der Deutschen Bahn AG "Abkassieren durch Abwarten" vor - berichtet die Tagesschau. Die Betriebswirte der Bahn wissen nämlich, wie man erfolgreich wirtschaftet: erst fährt man die Infrastruktur jahrelang auf Verschleiß und, wenn demzufolge beispielsweise eine Brücke dermaßen baufällig geworden ist, dass man sie gar nicht mehr sanieren kann, sondern bloß noch abreißen, dann lässt man den Bund den notwendigen Neubau bezahlen. Die Bahn ist dann nämlich nicht mehr in der Pflicht. Wir Steuerzahler  gratulieren den Politikern und dem Vorstand der Deutschen Bahn AG zu diesem interessanten Anreizsystem. Wer das wohl erfunden haben mag? Außerdem fällt dem Bundesrechnungshof noch auf, dass "seit der Einführung des Finanzierungssystems 2009 eine Verschlechterung des Schienenzustands" eingetreten ist; er meint "Züge verlangsamen sich oder ganze Strecken können nicht benutzt werden", sowie dass man den Erfolg beim Einsatz von Investitionsmitteln doch einfach mal am "Mega-Projekt Stuttgart 24" kontrollieren könne. 

Telepolis berichtet, dass die Bahn deshalb den aleatorischen Fahrplan einführt. Eine Innovation, auf die jeder gewartet hat.

So. Damit jetzt die Laune besser wird, hier noch ein Werbevideo der Deutschen:Bahn AG: Ex-Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg erreicht gerade noch seinen Zug, der mal wieder total überfüllt ist. Auf der Suche nach seinem Sitz durchquert er u.a. eine indische Hochzeitsgesellschaft, kollidiert mit einem freundlichen Schaffner und springt elegant über Hunde und Kleinkinder. Als passende Musik läuft dazu "The Passenger" von Iggy Pop. Schließlich im letzten Waggon an seinem Sitzplatz angelangt trifft Nico Rosberg auf den Godfather of Punk, der ihn dort mit den Worten empfängt: "sorry, geänderte Wagenreihung"

Update 16.12.2018

Die Neue Zürcher Zeitung vom 11.12.2018 schreibt "die deutsche Regierung kümmert sich lieber um künstliche Intelligenz als um eine pünktliche Bahn". Seit 2015 hat die Bahn übrigens eine halbe Milliarde Euro für Berater ausgegeben, schreibt die Zeit am 16.12.2018, und dass die Regierung diesen Laden jetzt umstrukturieren will.

Stuttgart 25 erweist sich zudem als ein Fass ohne Boden und verschlingt laut Stuttgarter Zeitung 2019 alleine schon ein Achtel des Investitionsetats der Bahn. Das geht zu Lasten anderer wichtiger Vorhaben. Laut streng vertraulichen Unterlagen, die dem Aufsichtsrat vorliegen, steigen die Kosten weiter.

Update 01.01.2019



Sonntag, 2. Dezember 2018

vor 100 Jahren: Zeitungsbericht über den Klimawandel

Prägnanter und kürzer kann man den Treibhauseffekt kaum beschreiben als die neuseeländische Zeitung "Rodney and Otamatea Times, Waitemata and Kaipara Gazette" vom 14. August 1912

Quelle: https://paperspast.natlib.govt.nz/newspapers/ROTWKG19120814.2.56.5 (Fairfax Media is the copyright owner for the Rodney and Otamatea Times, Waitemata and Kaipara Gazette. You can reproduce in-copyright material from this newspaper for non-comemercial use under a Creative Commons New Zealand BY-NC-SA licence)
Der Chemie-Nobelpreisträger Svante Arrhenius erkannte den Treibhauseffekt im Jahr 1895. Hauptsächlich wegen der Verbrennung fossiler Brennstoffe steigt der CO2-Gehalt der Atmosphäre - in den letzten 100 Jahren anscheinend unaufhaltsam. Hier noch ein Video mit Messwerten dazu:


Update:

Laut dem Deutschen Wetterdienst war das Jahr 2018 das wärmste seit 1881, dem Beginn deutschlandweiter Wetteraufzeichnungen.