Sonntag, 16. Juni 2019

Neulich in Paris

Bus mit Hybridantrieb (gesehen in Paris)
Paris nutzt im öffentlichen Nahverkehr Busse mit Hybridantrieb und auch solche mit reinem Elektroantrieb. Wenn in Paris alternative Antriebe bereits im praktischen Einsatz sind, wie sieht das damit hierzulande aus?

Auto, Motor und Sport berichtet, dass Berlin gerade Elektrobusse beschafft, aber noch nicht hat, denn die ersten davon werden gerade ausgeliefert. Immerhin. Über die Testfahrzeuge heißt es "deren Zuverlässigkeit hat noch Potential". Das ist schön ausgedrückt. 

Stuttgart möchte keine Elektrobusse aufgrund zu geringer Reichweite, sondern testet lieber Hybride. 

München möchte große Gelenkbusse, die es mit Elektroantrieb (noch) nicht gibt. 

Leonberg studiert bekanntlich Seilbahnen.

Auto, Motor und Sport berichtet weiter: "Von den 35.000 ÖPNV-Bussen in Deutschland sind aktuell 100 rein elektrisch unterwegs." und "Seit es eine staatliche Förderung gibt, seien die Preise deutlich gestiegen – so soll beispielsweise ein Zwölfmeter-Elektrobus 2016 noch 480.000 Euro gekostet haben, aktuell wären 570.000 Euro fällig – ein Euro-6-Dieselbus ist hingegen für 220.000 Euro zu haben." Mit anderen Worten: Fördergelder werden eingepreist, ohne dass man auf der Straße viel davon sieht. Verschwendung?

Die EU hat als langfristiges Ziel einen emissionsfreien Busverkehr ausgegeben. Das Fazit des Artikels: "Die Erreichung der Ziele scheitert in Deutschland an einem föderalen Flickenteppich. Nur zum Vergleich: Der chinesische Hersteller BYD hat nach eigenen Angaben bislang bereits 50.000 elektrisch betriebene Busse ausgeliefert – 15.000 mehr als Busse insgesamt in ganz Deutschland im Einsatz sind."


Build Your Dreams

ist der Name jener chinesischen Autofirma BYD, die 1995 gegründet wurde und inzwischen rund 1/4 Million Mitarbeiter beschäftigt. Angefangen haben die Cinesen natürlich mit konventionellen Verbrennungsmotoren, aber die Träume sind in China offenbar grün und das schon seit langer Zeit: BYD produziert neben Autos auch Busse, Lastkraftwagen, Gabelstapler, Einschienenbahnen, E-Bikes, und die Batterien dafür. In Kanada eröffnete BYD jüngst eine Fabrik für Elektroautos.   

In Europa reden wir zwar über Batterieproduktion und Elektrofahrzeuge, aber bisher ist wenig passiert. Den europäischen und deutschen Herstellern scheint es hier am Willen zur Umsetzung von Innovation zu mangeln ... Das erste deutsche Elektroauto baute übrigens die Coburger Maschinenfabrik Flocken im Jahr 1888; das war vermutlich der weltweit allererste elektrisch angetriebene Personenkraftwagen.

Reklame für ein deutsches Restaurant (gesehen in Paris)





Lutetium

Das radioaktive Isotop Lu(177) wird in der Radionuklid-Therapie, also für medizinische Zwecke, verwendet und deshalb in eher geringen Mengen umhertransportiert. Am 10.06.2019 gab es auf der A8 einen Unfall eines Transporters, bei dem glücklicherweise kein radioaktives Material freigesetzt wurde.


Quelle: Presseportal Polizeipräsidium Ludwigsburg


Natürlich war die Geschwindigkeit den Wetterverhältnissen nicht angepasst, wenn ein Fahrer bei Aquaplaning die Kontrolle verlor. Allerdings könnte man auch anmerken, dass auf der Strecke kein Tempolimit besteht,

Berichte gabe es unter anderem auch in der Leonberger Kreiszeitung, im Focus und beim SWR.




Sonntag, 2. Juni 2019

sonniges Wochenende ...

am Gartenteich
und im Natur- und Erholungsgebiet "Berg" bei Malmsheim

Sonntag, 26. Mai 2019

Bahnlärmsanierung Silberberg: Planung (Stand April 2019)

Neuerdings gibt es in Leonberg mehr Wohngebäude als seither gedacht, die nicht bloß vom Bahnlärm betroffen, sondern die auch "förderberechtigt" sind (Anfang 2019 wurde die relevante Richtlinie zugunsten der Bürger geändert). "Förderberechtigt" bedeutet, dass mit Geldern des Bundes - nicht der Bahn - Lärmschutzwände entlang der Gleise errichtet werden, und dort, wo deren Wirkung nicht ausreichend ist, Lärmschutzfenster bezuschusst werden.

Was bedeutet das für Leonberg-Silberberg?


Die Pläne erarbeitete die Firma Modus Consult Ende April 2019 für die DB Netz AG und sie stehen auf einer Internetseite der Stadt Leonberg zum Download bereit. Wir schauen uns die berechnete Lärmbelastung vor und nach der Errichtung von 3 Meter hohen Lärmschutzwänden entlang der Bahngleise in Silberberg an:

Vor der Bahnlärmsanierung (Stand heute)


Nach der Bahnlärmsanierung ("frühestens 2023" laut Planung)



Was ist hier zu sehen?

Aus unerfindlichen Gründen ist auf den Karten der DB Netz AG Süden oben und Norden unten. Wenn man sich daran gewöhnt hat, dann sieht man deutlich, dass durch die Errichtung der Lärmschutzwände (grün) links und rechts der Bahngleise (pink) eine erhebliche Verbesserung der Lärmbelastung eintritt. Die "57 dB(A)-Isophone" (blau) grenzt ein Gebiet ein, wo nachts sehr viel Lärm herrscht - der Auslösewert für eine Bahnlärmsanierung liegt nämlich bei 57 dB(A) nachts und innerhalb des blau umgrenzten Gebietes ist es lauter. Dieses stark belastete Gebiet liegt nach der Sanierung viel näher an den Gleisen und der Lärm reduziert sich an vielen der jetzt außerhalb gelegenen Wohngebäude (grau). So weit so gut.

Der Auslösewert wird an Wohngebäuden mit rot eingezeichneten Fassaden überschritten. Vor der Sanierung ist das im Silberberger Süden in der ersten, sowie der zweiten Reihe der Bebauung der Fall und nach der Sanierung sieht es dort viel besser aus. Auf der Nordseite sind die Lärmschutzmaßnahmen auch wirksam, aber die erste Reihe der Bebauung überschreitet immernoch die Auslösewerte. Der physikalische Grund dafür ist die Topographie, also die Steigung des Geländes. Die geplante Lärmschutzwand für sich alleine genommen genügt an allen Gebäuden ohne rote Fassade. An den roten Fassaden braucht man weitere zusätzliche Maßnahmen, um auch dort unter den Auslösewert zu kommen. Die betroffenen Anwohner sollen (auf Wunsch) einen Zuschuss für Lärmschutzfenster bekommen, aber auch selber ihren Teil bezahlen. So sieht jedenfalls die Planung der Deutschen Bahn aus.

Die Lärmschutzwände bringen eine ganz erhebliche Verbesserung, aber das Ziel der Bahnlärmsanierung - Unterschreitung des Auslösewertes von 57 dB(A) an den Wohngebäuden - ist mancherorts verletzt. Schallschutzfenster werden nicht zu 100% finanziert und sie helfen auch nur, wenn man sie geschlossen hält. Schöner wäre es also, wenn die Bahn zusätzliche Maßnahmen implementieren würde, die auch im Außenbereich wirksam sind. Diese helfen auch bei offenem Fenster, auf der Terasse, auf dem Balkon oder im Garten. Natürlich könnte man zu diesem Zweck die Lärmschutzwände höher als 3 Meter bauen ...

Man könnte aber beispielsweise als Zusatzmaßnahme auch an ein Tempolimit für Güterzüge denken. Wenn die langsamer fahren würden, dann rumpelt das weniger. Außerdem: Es ist ja schon aus Sicherheitsgründen schwer nachvollziehbar, dass schwere Güterzüge mit 120 km/h durch den Bahnhof Rutesheim rasen dürfen - unmittelbar vorbei an den wartenden Fahrgästen der S-Bahn. 

Sonntag, 12. Mai 2019

50% mehr Berechtigte bei Bahnlärmsanierung in Leonberg

die DB Netz AG beantwortete einige Fragen zur geplanten Bahnlärmsanierung:
  • Die Bahn wird die seit 1.1.2019 gültige Förderrichtlinie anwenden. Infolgedessen haben anstatt bisher 740 nunmehr 1127 Wohnungen Anspruch auf Bahnlärmsanierung → es gibt also jetzt in Leonberg 50% mehr Berechtigte 
  • Betroffene mögen erwarten, über solche Änderungen zeitnah aktiv informiert zu werden → zumindestens in meinem Falle geschah dies nicht
  • Die Bahn avisiert trotz der o.g. Änderung des Umfangs der Lärmschutzmaßnahmen unveränderte Termine → Projektabschluss "frühestens 2023"
  • Leider verzichtet die Bahn weitgehend auf konkrete Zahlenangaben zu technischen Fragen. Wie stark würde der Lärmschutz verbessert, wenn die Lärmschutzwände höher oder länger ausgeführt würden als bislang geplant? Was brächte eine Senkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit für Güterzüge (aktuell 120 km/h)? Die Angaben der Bahn sind dürftig und sowohl als Anwohner als auch als Steuerzahler wünscht man sich, dass derartige Fragen untersucht und präzise beantwortet werden. Ein Tempolimit kostet nichts und wäre auch bei offenem Fenster, sowie in Außenbereichen wirksam. Könnte man dadurch vielleicht mancherorts auf den Einbau von permanent geschlossenen Schallschutzfenstern mit Zwangsbelüftung verzichten? Wie stark würde ein Tempolimit für Güterzüge die Nutzen-Kosten-Bewertung verändern? Ich vermute hier erheblichen Nutzen bei geringen Kosten → Angesichts der Neuplanung seitens der Bahn wäre es zudem interessant zu erfahren, welche konkreten neuen Vorschläge die Stadt Leonberg im Zuge ihrer Lärmaktionsplanung einbringt.
  • Die angeforderte Nutzen-Kosten-Bewertung für die Bahnlärmsanierung wurde mir nicht übermittelt. Aufgrund der durch die neue Förderrichtlinie geänderten Prämissen, ändern sich sämtliche Nutzen-Kosten-Verhältnisse (NKV). Sind diese Änderungen, die ja auch für die Lärmaktionsplanung in Leonberg relevant sind, bei unserer Stadtverwaltung im Detail bekannt? Bei einem NKV >= 1 kann übrigens die Stadt gemäß der neuen Förderrichtline zusätzliche Maßnahmen einleiten → Wie die Überlegungen der Stadt dazu wohl konkret aussehen?
Bei aller Kritik: es gibt jedenfalls eine enorm erfreuliche Nachricht, nämlich dass 50% mehr Wohnungen als bisher gedacht förderberechtigt sind. Wahrscheinlich haben die meisten Betroffenen hiervon noch gar keine Ahnung.

Für alle Nachbarn, die jetzt gerne wissen möchten, ob sie selbst durch o.g. Änderungen vielleicht betroffen sind, wie stark die geplanten Schallschutzmaßnahmen die Lärmbelastung an ihrem Wohngebäude vermindern und/oder ob bei ihnen Schallschutzfenster gefördert werden, habe ich eine kleine Empfehlung: Fragen Sie einfach. E-Mail genügt. Vielleicht ermuntern eingehende Fragen ja die einschlägigen Stellen zu einer aktiveren Informationspolitik als seither.

Die ausführlichen Fragen und Antworten finden Sie in der Unterlage hier.


Sonntag, 14. April 2019

Besuch


Sonntag, 24. März 2019

Flanieren ...

am Samstag den 23.03.2019 war prima Wetter und viele gingen demonstrieren spazieren



In London fand eine der größten Demonstrationen der britischen Geschichte mit über 1 Millionen Teilnehmern statt (Quelle: Tagesschau): Briten fordern den Exit vom Brexit. Auch ein Karnevalswagen aus Düsseldorf war mit dabei, der die Noch-Premierministerin mit einer langen Lügennase karikierte.

In Deutschland demonstrierten über 150.000 Leute gegen die EU Urheberrechtsreform, welche Uploadfilter erzwingt, eine Vorstufe der Zensur. Das meinen jedenfalls viele Kreative und auch kleine und mittelständische Internet-Firmen, die sich - anders als Google - teure Technologien nicht leisten können. Der Konflikt wurde ausführlich kommentiert, beispielsweise von dem schwerpunktmäßig im Internet tätigen Journalisten Sascha Lobo hier und hier. Nicht alle Befürworter der Reform (wollen) verstehen, dass hier weder für Google, noch gegen das Urheberrecht demonstriert wird. Es geht um eine Kultur, die manchen Politikern fremd ist. In Stuttgart waren jedenfalls über 10.000 Leute auf der Straße. Erstaunlich viele.


Es kamen auffällig viele junge Leute



Es kamen die "Digital Natives", die sich tagtäglich im Internet tummeln


Es kamen die Kreativen mit selbstgebastelten Plakaten


und die Wissenschaftler


und alle machten (sehr) deutlich, was Ihnen nicht gefällt 


oder auch wer in ihren Augen dafür verantwortlich ist ...


Was lernen wir daraus? Abertausende Demonstranten demonstrieren dafür
  • dass Großbritannien bleibt, was es ist: nämlich ein Mitglied in der Europäischen Union
  • dass das Internet so bleibt, wie es ist: nämlich ungefiltert von Lobbyisten
  • dass das Klima so bleibt, wie es war, und dafür dass Politiker endlich Maßnahmen ergreifen gegen den Klimawandel ergreifen (finden jedenfalls die Demonstranten auf den "Fridays For Future")
Sie sind also wieder da: Konservative Werte!

Einer unserer echten Visionäre hat dies bereits vor einem Jahr so ähnlich vorhergesehen



Weiter geht's beim Spaziergang durch Stuttgart ...


Wenn man Downtown Stuttgart am Hauptbahnhof vorbeikommt, dann steht man derzeit vor einer Kraterlandschaft (hier das aktuelle Satellitenbild von Google)


aber auch von unten sieht es interessant aus



sogar einige Gelbwesten schauen sich den Fortschritt an



Allerdings wird bei den Grafitti am Krater immernoch um die Deutungshoheit gekämpft. Andererseits: Der Tagesspiegel meldet pünktlich zur kommenden Aufsichtsratssitzung

  • der (hochverschuldeten) Deutschen Bahn fehlen schon wieder Milliarden
  • man befürchtet, dass die Gesamtkosten für Bahnhof und ICE Strecke von zwölf auf fünfzehn Milliarden steigen
  • Stuttgart 21 wird erst 2025 fertig nach 30 Jahren Projektdauer und 15 Jahren Bauzeit
  • das Projekt ist unwirtschaftlich und bringt der Bahn über zwei Milliarden Verluste 
Wenn doch damals nur jemand den Vorstand der Deutschen Bahn gewarnt hätte ...




aber da sieht man auch Schöneres ...


Im Teich genießt ein neugieriger schwarzer Schwan die Abendsonne



und eine frühe Magnolie blüht im Schlossgarten



Ach ja, im Glemstal zwischen Leonberg und Ditzingen stehen jetzt Verkehrszeichen für Amphibien: ob die sich daran halten?









Sonntag, 10. März 2019

Lungenärzte, Verkehrsminister und Kartelle ...



Andreas Scheuer und Winfried Hermann 20120507
Andreas Scheuer und Winfried Hermann (Wikimedia Commons)
In den letzten Wochen gab es  Kabarett rund um die Studie gewisser Lungenärzte: Es begann mit Berichten z.B. in der Welt am 23.01.2019 über eine Äußerung eines Pensionärs: "Lungenärzte erklären Feinstaubgrenzwerte für völlig unsinnig". Völliger Unsinn? Eine Einzelmeinung? Oder sieht das unsere Presse auch so? Rund hundert weitere Lungenarzt-Kollegen schlossen sich dieser Meinung an, aber die Mehrheit der 3800 Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin unterschrieb die Stellungnahme lieber nicht (* siehe Fußnote), was aber in dem eingangs zitierten Artikel der Welt leider so nicht stand. Unser Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer forderte stattdessen die Europäische Kommission auf, man möge sich sofort mit den Zweifeln auseinandersetzen und deshalb die Grenzwerte, sowie die Messstationen überprüfen. Das kommt allerdings leider etwas spät, weil jene EU-Richtlinie seit Anfang dieses Jahrtausends bekannt ist und seit 2010 in deutsches Recht umgesetzt wurde. Andererseits: Einer der vier Autoren der Studie der 'Lungenärzte' war Motorentwickler bei Daimler und ist deshalb heute Professor für Kolbenmaschinenbau, laut Telepolis. Dieser Herr ist wahrscheinlich Experte für eiserne Lungen. Ein Journalist der TAZ hat jene Studie tatsächlich gelesen und veröffentlichte daraufhin den Artikel "Lungenarzt mit Rechenschwäche". Unabhängig von irgendwelchen Rechenfehlern (wen interessieren schon technischen Details?) gab es einen politischen Vorstoß, die lästigen Grenzwerte, die man hierzulande nicht einhalten will, einfach zu erhöhen. Auto, Motor und Sport schreibt: "Die EU-Kommission wird eine Erhöhung der Grenzwerte für Stickoxide in Deutschland von 40 auf 50 Mikrogramm genehmigen ... Die Kommission stellt den Sachverhalt jedoch anders dar." Möglicherweise fanden die Kommissare das Anliegen peinlich? Jetzt ist schwer zu sagen, was eigentlich Sache ist. Und zum guten Ende schreibt die Welt"Deutschlands Lungenärzte fordern strengere Abgas-Grenzwerte". Vielleicht waren das die 3700 anderen? Man sieht jedenfalls: Unsere Verkehrspolitiker schaffen Raum für weitere jahrelange gerichtliche Auseinandersetzungen. Gut für Juristen.

Greater Gangster Stories January 1934
Quelle: Wikimedia Commons (public domain)

Apropos Juristen: Das Handelsblatt berichtet am 09.03.2019: "Autokonzerne sahen Dieselkrise kommen – Ohne Bescheißen werden wir es nicht schaffen". Nicht nur die Wortwahl befremdet. Die Geschichte ging so: Vor zwölf Jahren (2007) trafen sich Motorexperten aus der deutschen Autoindustrie in München und verabredeten miteinander, bei den Dieselmotoren weniger AdBlue einzuspritzen, als zur Erreichung der Grenzwerte erforderlich, und vereinbarten, wie man dieses Vorgehen den Behörden, wie beispielsweise dem Kraftfahrbundesamt, erklärt. Wenn in einer sollchen Angelegenheit alle Marktteilnehmer verabreden, gemeinsame Sache zu machen statt einen Wettbewerb zu veranstalten, dann nennt man das ein Kartell. Gegen sowas gibt es Gesetze. Und die Kartellgesetzgebung hat deutlich stärkere Sanktionsmöglichkeiten, als üblicherweise bei Grenzwertverletzungen zu Verfügung stehen. Die EU Kommission untersucht jetzt jedenfalls Beweismittel, die "gegen Audi, BMW, Daimler, Porsche und Volkswagen dienen könnten. Tausende von E-Mails, umfangreiche Power-Point Präsentationen und handschriftliche Notizen zeichnen das Bild einer Branche, die bei der Vertuschung ihres technischen Versagens zusammenhielt wie Pech und Schwefel. 'Meine Einschätzung: Ganz ohne Bescheißen werden wir es nicht schaffen', schrieb ein Audi-Manager am 22.1.2008 unter der Betreffzeile 'Adblue-Verbrauch' an mehrere Kollegen." Na prima. Das mögliche Strafmaß beträgt übrigens 10% vom Jahresumsatz; das sind bei den genannten Firmen immerhin rund 50 Milliarden Strafe von etwa 500 Milliarden Jahresumsatz.


Nicht fehlen darf am Ende ein Bericht der Kieler Nachrichten. Eine (andere!) namhafte deutsche Zeitung, die offenbar lieber sensationelle Berichte veröffentlicht, als deren Wahrheitsgehalt zu recherchieren, erlebte einen lustigen Reinfall: Witzbolde von der Titanic meldeten bösartige Linksautonome, die mit Blasebälgen Dieselabgase sammeln und diese in der Nähe von Messstationen wieder freisetzen, um so Fahrverbote zu erzwingen. Prompt wurde dieser Quatsch von den Vollgasjournalisten veröffentlicht. Karneval ist zwar vorbei, aber dennoch: Helau, Ihr Jecken!


_________________

* Fussnote: Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin eV distanzierte sich von der Studie der hundert Lungenärzte per Brief an die Mitglieder:

"... Dies kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir die vorgetragene Position nicht teilen. Wir sehen als Vorstand die Gefahr, dass durch die Fokussierung auf die Debatte um Grenzwerte von NO2 und Dieselfahrverbote den gesundheitlichen Auswirkungen von Luftschadstoffen nicht genug Rechnung getragen wird. Die Vermischung von – richtigen - Hinweisen z.B. auf die Positionierung von Messstationen oder der Sinnhaftigkeit von Fahrverboten mit einer plakativen Darstellung der vermeintlichen Harmlosigkeit von Luftschadstoffen („...habe noch nie einen Feinstaubtoten in meiner Klinik gesehen...“) ist vielleicht im politischen Raum Garant für mediale Aufmerksamkeit. Der Vorstand der DGP möchte sich daran nicht beteiligen. ..."

Vielleicht hätte jemand das unserem Bundesverkehrsminister Scheuer schicken sollen.

__________________

Nachtrag am 17.03.2019


Link auf Die Anstalt vom 12.03.2019 (funktioniert vss. 1 Jahr lang) - die Herren Zwetschge und Scheuer arbeiten die oben geschilderten Themen dort im Film unterhaltsam auf.

US Börsenaufsicht verklagt Winterkorn

Es gab noch nie so viele Rückrufe in der Automobilbranche wie im Jahr 2018

Weitere Manipulationen von Audi

Benziner reißen Abgas Grenzwerte, weil bei den Katalysatoren betrogen wird