Samstag, 6. Mai 2017

Feinstaub-Belastung seit Jahresbeginn

wie bereits berichtet, betreiben viele interessierte Bürger ein Netzwerk von Sensoren zur Messung von Feinstaub. Einer der inzwischen deutschlandweit 695 aktiven Sensoren hängt an unserem Haus in Leonberg-Silberberg. Wir veröffentlichen nun das Ergebnis unserer Feinstaub-Messungen über rund 120 Tage seit Jahresbeginn:




  • Die hellgrauen Balken im Hintergrund zeigen die offiziellen Messwerte der LUBW am berüchtigten Stuttgarter Neckartor. Der dortige Sensor wird von der dafür zuständigen Behörde, nämlich der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz in Baden-Württemberg, professionell betrieben und er misst so genau, wie das heute technisch möglich ist. Dieser Sensor ist deshalb als Referenz zu betrachten.
  • Berüchtigt ist das Neckartor deswegen, weil dort häufig Überschreitungen des rot eingezeichneten Tagesgrenzwertes von 50 µg/m³ Feinstaub auftreten. Pro Kalenderjahr sind 35 solche Überschreitungstage zulässig. Leider gab es von Januar bis einschließlich April mehr als 35 Überschreitungstage. Stuttgart verletzt also, so wie hinlänglich bekannt, die gesetzliche Grenze.
  • Dunkelgrau markiert sind die Tage, an denen von den Behörden Feinstaub-Alarm ausgerufen wurde. Dies war an 48 von 120 Tagen der Fall, also ziemlich oft. Der Alarm wird einzig und alleine auf Basis von Wettervorhersagen veranlasst. Er fällt deswegen zwar oft, aber durchaus nicht immer mit Grenzwertüberschreitungen zusammen.
  • Eine nicht wetterbedingte Überschreitung trat am 01.01.2017 nach dem Silvester-Feuerwerk auf. Obwohl diese Überschreitung absolut vorhersehbar war, wurde damals kein Alarm ausgelöst.
  • Die im Bild eingezeichneten Kurven zeigen zwei exemplarische Messungen von kostengünstigen Bürgersensoren aus dem Feinstaub-Messnetz, grün am Pragsattel in Stuttgart und blau bei uns in Silberberg.
  • Es zeigt sich, dass die höchsten Belastungen in der Innenstadt am Neckartor herrschen, gefolgt vom Pragsattel und dass wir Silberberger die niedrigste Belastung haben. Das überrascht an sich wenig.
  • Es zeigt sich aber weiterhin, dass unsere Belastung selbst auf dem Land neben einer Kuhweide, manchmal, wenn die Wetterbedingungen ungünstig sind, den Tagesgrenzwert überschreitet. Das gilt nicht nur für die bekanntlich hoch belastete Leonberger Grabenstraße. Auch das Leonberger Umland ist nicht so sauber, wie man hoffen könnte.
  • Die Feinstaub-Belastung ist besonders in der Wintersaison so hoch, weil es dann häufig austauscharme Wetterlagen gibt und die Heizungen laufen. Im Frühling, wenn ein frischer Wind bläst, ist die Belastung niedriger.Die Feinstaub-Saison ist also vorerst vorbei.
  • Die Verläufe der Belastung an Neckartor, Pragsattel und bei uns in Silberberg ähneln in ihrem Verlauf einander erstaunlich stark. Das bedeutet, dass auch bei uns auf dem Land die Belastung erheblich nach oben geht, wenn Feinstaub-Alarm herrscht, also wenn austauscharme Wetterlagen bestehen. Als Daumenregel kann man sagen, dass die Belastung hier auf dem Land größenordnungsmäßig vielleicht halb so hoch ist wie am Stuttgarter Neckartor.
  • Das passt recht gut zu einem Bild der LUBW mit den Ursachen der Feinstaub-Belastung am Neckartor (diese Grafik wurde auf diesem Blog auch schon an anderer Stelle gezeigt): dort werden immerhin 51% der Belastung auf den lokalen Verkehr zurückgeführt. Wenn der Anteil der Abgase tatsächlich bloß 7% betragen sollte, dann wären übrigens motorische Maßnahmen und Fahrverbote zum Scheitern verurteilt. Auch ein Umstieg auf Elektroantriebe in der Stadt wäre bloß begrenzt wirksam. Andererseits ist aber der Anteil des Umlandes und des Fernverkehrs mit 30% duchaus beachtlich hoch. Das sind - unter anderem - die Autobahnen bei uns. Und diese sind voll mit LKW's.

Nebenbemerkung: Die Messdaten der OK-Lab-Sensoren für den Feinstaub wurden mithilfe der ebenfalls gemessenen Luftfeuchte kalibriert. Das ist notwendig, damit die Bürger-Messwerte bei feuchter Luft mit den LUBW-Messwerten, wo der Feinstaub vor der Messung getrocknet wird, vergleichbar werden. Feinstaub quillt nämlich durch Feuchte auf. An den Kalibriermethoden wird derzeit noch gearbeitet und die tatsächliche absolute Höhe der von den Bürgersensoren gemessenen Belastung ist noch etwas unsicher. Dennoch: die Konsistenz der gemessenen Verläufe zu den LUBW-Messungen ist bereits jetzt eindrucksvoll.



Mittwoch, 19. April 2017

Elektrische Busse für den öffentlichen Nahverkehr?

Dieses Foto haben wir als Souvenir aus Tel Aviv mitgebracht: am dortigen Busbahnhof steht ein Elektrobus beim Laden. Er holt sich gerade von oben seinen Strom mithilfe seines ausfahrbaren Kontaktbügels. Diese Busse der Tel Aviver Linie 4 werden im Linienverkehr eingesetzt und fahren bis zur Stadtgrenze Jaffa. Wir sind mitgefahren: sie bieten den normalen Komfort, fahren leise und haben das für Elektroantriebe typische kernige Drehmoment.

Wenn man zuhause im Internet recherchiert, dann findet man, dass das ganze gar nicht neu ist: Schon vor rund vier Jahren am 06.08.2013 berichtet Israelnetz über die Einführung dieser Elektrobusse: Die Fahrzeuge werden von einer chinesischen (!) Firma namens BYD gefertigt und BYD steht für "Build Your Dreams".

Zum Thema Innovationskraft hier noch ein ganz aktueller Link zum Handelsblatt: "In China fährt die elektrische Zukunft vor"

Aber auch Stuttgart muss sich nicht hinter dem etwas größeren Tel Aviv verstecken. Zwar wurde ein erster Versuch der SSB mit Brennstoffzellen-Bussen 2005 wegen zu hoher Kosten abgebrochen. Doch seit 2014 gibt es nach Information der Stuttgarter Nachrichten ein neues, anscheinend wirtschaftlicheres Projekt mit Brennstoffzellen-Hybrid-Antrieb.

Hoffen wir mal, dass dieses Projekt erfolreicher wird. Wäre schade, wenn man nur noch auf chinesisch innovativ träumen würde.





Sonntag, 12. März 2017

Sparen oder Investieren?

... neulich in Bayern ...

So sieht also der neu gebaute Lärmschutz an der Autobahn A6 bei Kornburg südlich von Nürnberg aus (Zählstelle Nürnberg-Süd: 82.000 Kfz/Tag). Der Lärmschutzwall ist mancherorts mehr als doppelt so hoch wie die vorbeifahrenden LKWs.
Das Regierungspräsidium Stuttgart baut entlang "seiner" Autobahnen deutlich niedriger, wie man im folgenden Bild von der A8 auf der Wasserbachtalbrücke (Zählstelle Pforzheim-West: 87.000 Kfz/Tag) deutlich sehen kann: Die Lärmschutzwand ist in Richtung Süden ungefähr genauso hoch, wie die LKWs und nach Norden hin sogar nur halb so hoch. Da hat man also dem Bürger anstelle eines Lärmschutzes einen Sichtschutz hingestellt. Der Lärm schwappt einfach über die niedrigen Wände und belästigt die Bewohner der in unmittelbarer Nähe liegenden Wohngebäude in Leonberg-Silberberg im Hintergrund.

... reden wir doch mal über das Geld ...

 

Sully Prudhomme, ein Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger, wusste: "Man muss sparsam leben, aber seinen Verhältnissen gemäß. Deshalb fällt wohlverstandene Sparsamkeit nie auf, sobald man sie gewahr wird, ist sie Knauserei".

Wir fragen uns deshalb: Handelt das Stuttgarter Regierungspräsidium bei der Dimensionierung von Lärmschutzmaßnahmen wohlverstanden sparsam oder unverhältnismäßig knauserig? Da lohnt es sich, die Statistiken für den Lärmschutz an Bundesfernstraßen aus dem Bundesverkehrsministerium auszuwerten. Dort findet man die Ausgaben für Lärmvorsorge (an neu gebauten Straßen) und Lärmsanierung (bestehender Straßen). Bis zum Jahr 2015 wurden in verschiedenen Bundesländern in Summe die folgenden kumulierten Beträge für den Lärmschutz ausgegeben:
  • Baden-Württemberg: 507 Mio €
  • Bayern: 850 Mio €
  • Nordrhein-Westfalen: 1778 Mio €
Selbstverständlich bestehen in den verschiedenen Bundesländern unterschiedliche Umstände: Flächenländer haben viele lange Fernstraßen, während in Ländern mit hoher Bevölkerungsdichte viele Leute nahe an den Verkehrswegen wohnen, wo die Belastung hoch ist. Deswegen sind die oben zitierten Gesamtsummen für sich alleine genommen nicht sehr aussagekräftig, sondern müssen mit der Zahl der Einwohner oder der Länge des Straßennetzes ins Verhältnis gesetzt werden. Wir betrachten deshalb als erstes die Ausgaben für den Lärmschutz pro Einwohner:

Was sehen wir hierbei?
  • Baden-Württemberg investierte insgesamt 47.63 € pro Kopf in den Lärmschutz für seine Bürger, jedes Jahr etwa 1.70 € pro Kopf,
  • Bayern investierte ein Drittel mehr, nämlich insgesamt 66.18 € pro Kopf,  bzw. 2.10 € pro Jahr und Einwohner und
  • Nordrhein-Westfalen investierte sogar das Doppelte, nämlich insgesamt 99.50 € pro Kopf bzw. 3.10 € pro Jahr und Bürger.
1.70 € pro Jahr und Einwohner? Das erscheint uns recht wenig. Dafür kann man sich noch nicht einmal ein Glas Bier jährlich leisten. Zum Vergleich: Für diverse Subventionen zahlt jeder Deutsche pro Jahr rund 2100 € (Quelle: Spiegel).
😀 Natürlich wäre es Quatsch anzunehmen, dass die Lärmschutzwälle anderswo deswegen doppelt so hoch geworden sind, wie hierzulande, weil dort pro Kopf doppelt soviel Geld ausgegeben wird 😀

Bemerkenswerter erscheint uns da eher, wie gleichförmig die Kurven verlaufen. Offenbar ist es völlig egal, wer gerade an der Regierung ist, es wird jedes Jahr gleich viel Geld in den Lärmschutz gesteckt. Die Politik hat entweder keinen Einfluss oder sie setzt keine entsprechende Priorität. Schade, oder?

Die zweite naheliegende Auswertung sind die Kosten für Lärmschutz pro Bundesfernstraßenkilometer:

Hier ziehen Bayern und Baden-Württemberg zwar gleichauf, aber beide Südstaaten liegen weit hinter Nordrhein-Westfalen. Dort gibt man also sowohl pro Kopf als auch pro Kilometer erheblich mehr Geld für den Verkehrslärmschutz aus als hierzulande. Andere Prioritäten eben?

Eigentlich kann das doch gar nicht sein, denn eigentlich unterliegt der Lärmschutz an Bundesfernstraßen der Gesetzgebung des Bundes, d.h. eigentlich gelten für jedes Bundesland die gleichen Vorschriften. Und eigentlich müsste doch dann der Lärmschutz in jedem Bundesland ähnlich dimensioniert sein. Kann dann uneigentlich der Lärmschutz in den Bundesländern vielleicht doch Auslegungssache sein?


Sonntag, 26. Februar 2017

Brauchen wir eine Blaue Plakette?

Es geht im Folgenden um die Sinnhaftigkeit der sogenannten "Blauen Plakette". Die will die Landesregierung wohl einführen, um die Belastung mit gesundheitsschädlichen Luftschadstoffen zu senken. Darüber gibt es Streit. Was soll man davon halten?

Es lohnt sich natürlich herauszufinden, wieviel Schadstoffe vorhanden sind und wo die herkommen: In Stuttgart misst die LUBW am Neckartor unter anderem den Feinstaub. In 2017 wurde der Tagesgrenzwert von 50µg/m³ im Januar an 20 Tagen und im Februar an 14 Tagen überschritten. Diese Zahlen veröffentlicht Stadtklima-Stuttgart. Erlaubt sind insgesamt 35 Überschreitungstage im Jahr, die wir also bereits nach 2 Monaten quasi "verbraucht" haben.

Und woher stammt eigentlich die Feinstaub-Belastung am Neckartor?
Schaubild der LUBW via Stadtklima-Stuttgart

Auch Stickstoffdioxid (NO2) wird regelmäßig gemessen, die Belastung überschreitet den Grenzwert vielerorts (u.a. am Stuttgarter Neckartor und in der Leonberger Grabenstraße). Das hessische Landesamt für Umwelt und Geologie hat analysiert aus welchen Quellen das NO2 stammt:
Schaubild der Fraport AG via Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie
Was lernen wir daraus?

  • Beim Feinstaub kommen (nur) 7% aus den Abgasen des lokalen Verkehrs. Wenn man annimmt, dass heute rund die Hälfte der Autos Dieselmotoren haben, dann beeinflusst die Einführung einer Blauen Plakette gerade mal 3% des Feinstaub-Aufkommens am Neckartor. Die Einführung einer Blauen Plakette zur Senkung der Belastung mit Feinstaub wäre also reine Symbolpolitik.
  • Auch ein (utopischer) vollständiger Umstieg vom Verbrennungsmotor auf Elektroantriebe würde am Neckartor eher wenig gegen den Feinstaub helfen.
  • Anders sieht das ganze beim Stickstoffdioxid aus, das zu rund zwei Dritteln verkehrsbedingt ist. Aufgrund der höheren Temperaturen entstehen im Dieselmotor tatsächlich deutlich mehr Stickoxide als bei Benzinern. Dagegen helfen Fahrzeuge nach Euro 6 Norm, die meistens mit einem DENOx-Katalysator ausgestattet sind, der Stickoxide abbaut. Hier würde also eine Blaue Plakette tatsächlich Wirkung zeigen.
  • Wenn es richtig ist, dass der meiste Feinstaub durch Abrieb und Aufwirbelung in die Atemluft gelangt, dann wäre allerdings eine Senkung des Individualverkehrs die wirksamste Verbesserungsmaßnahme. Die wirksamste Maßnahme in diese Richtung wäre: öffentlicher Nahverkehr zum Nulltarif. Also kostenlos für die Benutzer, so wie Freibier. 




Samstag, 11. Februar 2017

Feinstaub im Januar

An 17 Tagen gab es im Januar 2017 (das ist mehr als ein halber Monat) Feinstaubalarm in Stuttgart! Das folgende Bild zeigt die Feinstaub-Messwerte der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) am Neckartor für den Monat Januar. Der Tagesgrenzwert von 50 µg/m³ wurde um das drei- bis vierfache überschritten.


Nun gibt es inzwischen auch Bürgermessstationen für Feinstaub und eine davon hängt an unserem Haus in Leonberg-Silberberg. Das folgende Bild zeigt unsere Januar-Messung:


Es fällt auf: Die Verläufe am Neckartor und in Silberberg sehen erstaunlich ähnlich aus. An beiden Orten herrschte eine sehr starke Feinstaub-Belastung nach dem Neujahrsfeuerwerk (in Stuttgart war an diesem Tag übrigens kein Feinstaub-Alarm, obwohl die Belastung durch die Knallerei natürlich vorhersehbar war). Sowohl der kleine Alarm rund um den 9. Januar, als auch der lang andauernde Alarm vom 16. - 30. Januar sind auch am Silberberg messbar. Wahrscheinlich liegen aber unsere Messwerte mit dem nicht kalibrierten "Bürgersensor" systematisch zu hoch. Das bedeutet: unser Sensor liefert zwar qualitativ gute Werte, wie der Vergleich der Verläufe mit dem "Profi-Sensor" am Neckartor zeigt. Die Werte müssen aber kalibiert weden.

Wenn die Messverläufe am Neckartor und im Silberberg so gut vergleichbar sind, dann lernen wir daraus: Die Belastung mit Feinstaub ist kein lokales Phänomen, das es nur in der Innenstadt in schlecht durchlüfteten Straßenschluchten gibt, sondern die ganze Region ist betroffen. Unser Sensor ist übrigens derjenige mit der Nummer 257 auf der Feinstaub-Map.

Opengeiger hat einen ausführlichen Bericht zur Feinstaub-Episode im Januar in Stuttgart mit vielen meteorologischen Details.



Presseschau

Am 02.02.2017 berichten die Stuttgarter Nachrichten, dass schwäbische Grüne und CDU gemeinsam die Blaue Plakette für schadstoffarme Fahrzeuge einführen wollen.

Ebenfalls in den Stuttgarter Nachrichten gibt es am 03.02.2017 einen achtteiligen Faktencheck zum Thema Feinstaub:

  1. Der Faktencheck zum Feinstaub
  2. Staub macht krank
  3. Die Abgase
  4. Die Kaminöfen
  5. Heizungen
  6. Es rollt und reibt
  7. Einiges ist getan
  8. Weiteres ist nötig

Blick aus dem Dachfenster

Nach Sonnenaufgang am 11.02.2017 zeigt unser Sensor rund 90 µg/m³ PM10.



Sonntag, 29. Januar 2017

Klirrende Kälte


In den letzten Tagen war das Wetter sehr kalt und sonnig: hier ein Bild einer Seifenblase bei Sonnenaufgang, sie kristallisiert nach Berührung mit einem kalten Metallgeländer.


Später beim Winterspaziergang funkelten zarte Eiskristalle in der Sonne.


Weniger romantisch: Die Leonberger Kreiszeitung schreibt am 25.01.2017 über die durch dieses Wetter verursachte Feinstaub-Belastung: "Die Dunstglocke hängt am Engelberg". Die Feinstaubwerte waren hier bei uns im Umland vergleichbar hoch wie in der Innenstadt am Stuttgarter Neckartor.


Sonntag, 15. Januar 2017

Fahren ohne Fahrerlaubnis?

Adler Originalfoto
In der guten alten Zeit war bekanntlich so manches besser 😀 und auf der Strecke der Württembergischen Schwarzwaldbahn fuhren bei deren Eröffnung im Jahr 1872 Personenzüge mit eher gemütlicher Geschwindigkeit. Güterzüge gab es damals noch gar nicht.


Aktuell fahren auf genau dieser Strecke von Korntal nach Renningen neben der S-Bahn S6 / S60 rund um die Uhr auch Güterzüge mit bis zu 120 km/h. Die machen dann entsprechenden Lärm. Deswegen lag es nahe, einfach mal nachzufragen, ob das überhaupt erlaubt ist. Als Adressat der Frage wählten wir das Eisenbahn-Bundesamt (EBA), die für Eisenbahnen zuständige Genehmigungsbehörde, die Bescheid wissen sollte. Hier das Ergebnis:

Auszug aus einer Auskunft des EBA vom 19.12.2016

Was das heißt? Nun, das ist ganz einfach: Die Bahn fährt schwarz - denn sie kann keine gültige Betriebsgenehmigung vorweisen. Aus unserer Sicht hat die Bahn deshalb keinen Rechtsanpruch auf den Güterzugbetrieb.

Ob unsere Bahnstrecke bestimmungsgemäß genutzt wird, weiß man beim EBA irgendwie auch nicht. Das ist deswegen interessant, weil die Bahn Forderungen nach Lärmsanierung gerne mit der Ausrede abschmettert, dass es sich um eine langjährig und bestimmungsgemäß genutzte Bestandsstrecke handelt. Bei uns gilt somit: Obwohl die Bahn keine Betriebsgenehmigung vorweisen kann, hält sie es für ihr Gewohnheitsrecht die Lärmgrenzwerte zu verletzen (letzteres stellt jedenfalls der Lärmaktionsplan so fest).

Auf der Prioritätenliste der Bahn für Lärmsanierungen steht unsere Strecke übrigens auf dem ehrenwerten Platz 93. Wie heißt es doch so schön: Dabeisein ist alles.

Gewiss wäre dies ein gutes Thema für die Sitzung am 31.01.2017, wenn der Leonberger Gemeinderat die Lärmaktionsplanung für unsere Stadt diskutiert.