Samstag, 28. Juli 2018

Mondfinsternis

so sah die totale Mondfinsternis am 27.07.2018 über Silberberg aus (rechts darunter Mars)





Samstag, 16. Juni 2018

Erdbeben in Deutschland

Spiegel-Online bringt einen interessanten Artikel über das Erdbebenrisiko in Deutschland. Hier eine Karte mit registrierten Beben seit dem Jahr 1000:
Der englischsprachige (sehr wissenschaftliche) Orginalartikel steht hier.




Sonntag, 6. Mai 2018

Aktuelle Pläne für die Bahnlärmsanierung in Leonberg-Silberberg

Im folgenden Artikel steht eine Faktensammlung zur geplanten freiwilligen Bahnlärmsanierung in Leonberg: Am 23.04.2018 fand dazu in der Stadthalle eine Informationsveranstaltung statt (siehe Bericht in der LKZ). Auf dem Podium waren unser Oberbürgermeister Martin Kaufmann, dem diese Angelegenheit erkennbar wichtig war, mit seinen Mitarbeitern aus unserer Stadtverwaltung, die Leiterin der Bahnlärmsanierung im Südwesten, Sabine Weiler, sowie der Experte Martin Reichert von der Firma Modus Consult, die die notwendigen Lärmberechnungen durchführt. Die Unterlagen aus der Veranstaltung sind auf der Webseite der Stadt Leonberg öffentlich ausgelegt.

Die Bahnlärmsanierung ist eine freiwillige Leistung des Bundes in Wohngebieten, in denen die Belastung von Bestandsstrecken (d.h. alten Bahnstrecken) besonders hoch ist. Natürlich unterliegt sie einer Förderrichtlinie. Relevant ist daraus u.a. §1, Abs. 3:

"Ziel der Förderung ist es, die Lärmbelastung der Anlieger bestehender Schienenwege der Eisenbahnen des Bundes ... um die von den Schienenwegen ausgehenden Schallemissionen zu mindern, (a.) soweit die zu schützenden baulichen Anlagen vor Inkrafttreten des BundesImmissionsschutzgesetzes errichtet wurden oder (b.) ... oder (c.) ... oder (d.) der Verkehrslärm nach Errichtung der baulichen Anlage in nicht vorhersehbarer Weise zugenommen hat."

Saniert wird also, falls die Gebäude vor dem 01.04.1974 errichtet wurden (diese Aussage steht auch so in der Präsentation der Deutschen Bahn) oder falls der Lärm unvorhersehbar stark zugenommen hat (diese Aussage steht so nicht in der Präsentation der Deutschen Bahn ⇒ ein Schelm, wer Böses dabei denkt).


Wie sieht die Belastung in Silberberg aus?


Berechnung Schienenlärm durch die Firma SoundPlan im Rahmen der Lärmaktionsplanung für Leonberg (Quelle: Stadt Leonberg, Lärmaktionsplanung Stufe 2 vom 01.03.2018, Anlage 3a, Maßnahme M11)
Die aktuelle Lärmaktionsplanung für Leonberg zeigt in Silberberg, dass die ersten zwei bis drei Gebäudereihen entlang der Bahnlinie stark belastet sind. Die obige Karte muss man wie folgt lesen: berechneter Pegel nachts über 55 dB(A) = hellgrün, über 57 dB(A)  = dunkelgrün, über 60 dB(A) = gelb, über 63 dB(A) = rot

Ein Hinweis zum Verständnis solcher Zahlen: In der Norm "Schallschutz im Städtebau" (DIN 18005) steht: "Bei Beurteilungspegeln über 45 dB(A) ist selbst bei nur teilweise geöffnetem Fenster ungestörter Schlaf häufig nicht mehr möglich" und deshalb wird in allgemeinen Wohngebieten ein Orientierungswert von 45 dB(A) empfohlen. Es besteht allerdings keine Rechtspflicht diese Empfehlung der Experten einzuhalten und deshalb ist die reale Belastung vielerorts höher. In der sehr lesenswerten Unterlage über Schienenlärm des Arbeitsrings Lärm der Deutschen Gesellschaft für Akustik steht u.a.: "Die auf der Basis von epidemiologischen Studien beim Straßenverkehr postulierten Risikoschwellen für Herzinfarkte von 65/55 dB(A) tags/nachts haben sich auch für den Schienenverkehrslärm ergeben". Also sollte die nächtliche Lärmbelastung aus gesundheitlichen Gründen unterhalb 55 dB(A) und idealerweise unter 45 dB(A) liegen. Leider fließen diese Erkenntnisse nicht in die gesetzlichen Vorgaben ein.

Schauen wir uns nun die Unterlage zur Bahnlärmsanierung von Modus Consult für Silberberg an:

Berechnung Schienenlärm durch die Firma Modus Consult im Rahmen Bahnlärmsanierung Leonberg 2018 (Quelle: Unterlage zur Informationsveranstaltung am 23.04.2018, Anlage 2.8)
Blau eingezeichnet ist die 57 dB(A) Isophone. Das bedeutet: Alle Gebäude zwischen Bahnlinie und blauer Isophone haben nachts eine Lärmbelastung von mehr als 57 dB(A). Hier zeigen also SoundPlan und Modus Consult vergleichbare Bilder. An allen rot eingezeichneten Gebäudefassaden liegt der nächtliche Pegel oberhalb des Grenzwertes von 57 dB(A).

Manche Nachbarn mögen sich jetzt wundern, wenn ihr Wohngebäude zwar innerhalb der 57 dB(A) Isophone liegt, aber keine rote Fassade hat. Das liegt nicht etwa daran, dass an diesem Haus die Lärmbelastung geringer ist, sondern vielmehr daran, dass es nach 1974 errichtet wurde und gemäß §1 Abs. 3(a) der oben zitierten Förderrichtlinie nicht förderfähig ist. Liebe Nachbarn, da haben Sie eben Pech gehabt (?) ... Mehr dazu später.

Lärmschutzwände und/oder Lärmschutzfenster?

Modus Consult hat berechnet, wie sehr Lärmschutzwände auf beiden Seiten der Bahnlinie die Belastung verbessern.

Berechnung Schienenlärm durch die Firma Modus Consult im Rahmen Bahnlärmsanierung Leonberg 2018 nach Errichtung von drei Meter hogen Lärmschutzwänden (Quelle: Unterlage zur Informationsveranstaltung am 23.04.2018, Anlage 3.1.8)

Die drei Meter hohen Lärmschutzwände sind grün eingezeichnet. Die blaue 57 dB(A) Isophone liegt nun erheblich näher an der Bahnlinie. Dementsprechend weniger Wohngebäude überschreiten den Grenzwert. An den Stellen, wo Fassaden noch immer rot eingezeichnet sind, werden zusätzliche "passive Lärmschutzmaßnahmen" notwendig; dabei handelt es sich um Zuschüsse für Lärmschutzfenster und Lüftungsanlagen. Letztere braucht man, weil die Lärmschutzfenster zumeist geschlossen bleiben sollten, weil sie natürlich keinen Lärm abhalten, solange sie zum Lüften offen stehen. 

Ist Ihr Haus zu jung?

Wir untersuchen nun im Nordosten Silberbergs die Wirksamkeit der Lärmschutzwände:

Nordosten von Silberberg: Detail aus dem vorigen Bild

An der Friedrich Haugstraße wird auch mit Lärmschutzwand der Grenzwert von 57 dB(A) übertroffen, wie man an den roten Fassaden sieht. Möglicherweise sind die Lärmschutzwände mit 3 Meter noch zu niedrig und man sollte 4 m Höhe anstreben? Die nördliche Lärmschutzwand endet auf der Höhe der Paulinenstraße 32. Deswegen ist der Lärmschutz der in der Nähe liegenden Häuser weniger wirksam. Deren Fassaden sind jedoch nicht rot eingezeichnet, weil die Häuser hierfür zu jung sind. Der Bebauungsplan "Östliche Haugstraße" stammt aus dem Jahr 1976 und Stichtag für die Förderwürdigkeit war der 01.04.1974. Rein technisch würde jedenfalls eine Erhöhung und Verlängerung der Lärmschutzwand auch dort erhebliche Verbesserungen bringen.


Was steht eigentlich im Bebauungsplan?

Auf den Webseiten der Stadt Leonberg kann man erfreulicherweise die alten Bebauungspläne herunterladen (das, das und das ist ein guter Service der Stadt!). Relevant erscheint im Bebauungsplan "Östliche Haugstraße" die folgende Passage:

Auszug aus dem Bebauungsplan Östliche Haugstraße aus dem Jahr 1976

Es gibt also ein Lärmgutachten der Firma Bender und Stahl aus dem Jahr 1974. Offenbar steht dort, dass bei der geplanten Bebauung ein Beurteilungspegel von 50 dB(A) an den Fassaden nicht überschritten wird. Heute liegen die Pegel oberhalb 63 dB(A), wie im Rahmen der Lärmaktionsplanung der Stadt Leonberg berechnet wurde. 13 dB(A) Unterschied sind erheblich. Das entspricht rund und roh gerechnet einer 20-fachen Verkehrsbelastung. Hier muss man deshalb fragen, ob nicht die Bestimmung §1, Abs. 3(d) greift, wonach "der Verkehrslärm nach Errichtung der baulichen Anlage in nicht vorhersehbarer Weise zugenommen hat." Immerhin gab es doch damals ein offizielles Gutachten, welches eine solche Steigerung offenbar nicht vorhergesehen hat. Die physikalische Erklärung dafür, wie es zu jener Steigerung um 13 dB(A) kam, ist übrigens sehr einfach: 


Die Zahl der Güterzüge nahm über die Jahre hinweg schleichend, aber stetig zu




Update 07.05.2018: Ein nie gebauter Lärmschutzwall


Folgender sachdienliche Hinweis aus der Nachbarschaft kam gerade herein:


Detail aus dem Bebauungsplan Östliche Haugstraße aus dem Jahr 1976

Im Detailbild des Bebauungsplanes 1976 ist blau ein Lärmschutzwall eingezeichnet, der sicherstellen sollte, dass keine Sichtverbindung zwischen den Wohngebäuden und der Eisenbahn besteht. Der Lärmschutzwall musste seinerzeit vom Bauträger errichtet werden. Der Bauträger ging allerdings vorher in Insolvenz und seitens der Behörden wurde auch nichts mehr unternommen. Und deswegen ist ein Lärmschutzwall im Bebauungsplan dokumentiert, der niemanden vor Lärm schützt, weil er in Wirklichkeit überhaupt nicht existiert.


Update 11.05.2018: Stellungnahme der AGVL

Dort stehen weitere wichtige Hinweise:

  • die in den Berechnungen von Modus Consult angesetzten aktuellen Zugzahlen für 2016 erscheinen zu niedrig
  • für die Vorhersage der zukünftigen Lärmbelastung setzt die Bahn einen Prognosehorizont 2025 fest; die Lärmschutzmaßnahmen werden voraussichtlich 2022 umgesetzt werden; ein Prognosehorizont 2030 wäre möglich und angemessen
  • die Bahn betrachtet nur Lärmschutzwände und Lärmschutzfenster; es gäbe aber durchaus weitere Maßnahmen, wie Entdröhnung von Brücken, Schienenschmieranlagen oder schlicht Tempolimits; diese werden nicht ausreichend betrachtet
  • es besteht eine Forderung den Einbau der im Rahmen der Sanierung eingeplanten Lärmschutzfenster an Gebäuden mit gesundheitsschädlicher Belastung [~60 dB(A) nachts] zeitlich vorzuziehen: dafür braucht man nämlich nicht auf eine Planfeststellung zu warten sondern kann sofort umsetzen
Ach ja, ... bereits vor längerer Zeit hatten wir in diesem Blog darauf hingewiesen, dass die Rechtsgrundlage, auf welcher die Deutsche Bahn lärmige Güterzüge fahren lässt, fragwürdig erscheint: es gibt bis heute keine Betriebsgenehmigung


Samstag, 28. April 2018

Presseschau zum Leonberger Lärm

Am 23.04.2018 fand in der Leonberger Stadthalle ein Informationsabend über die freiwillige Lärmsanierung der hiesigen Bahnstrecke statt (siehe Bericht in der Leonberger Kreiszeitung). Die Unterlagen sind inzwischen bei der Stadt Leonberg zugänglich und wir werden diese analysieren.
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Hier noch ein paar weitere, ältere Zeitungsartikel über Lärm in Leonberg:

  • am 22.12.2017 hofft die Leonberger Kreiszeitung auf ein "Entflechtungs-Wunder"(?) Im Rahmen des achtspurigen Ausbaus der A8/A81 zwischen Stuttgarter Kreuz und Leonberger Dreieck wurde ein vierter Fahrstreifen gebaut, wobei dem Regierungspräsidium Stuttgart offenbar wichtig war, zu betonen, dass es keinen zusätzlichen Fahrstreifen gibt, obgleich jetzt einer mehr da ist. Dafür hätte man nämlich eine Planfeststellung gebraucht. Die Planer sagen: „Diese nun in Richtung Autobahnkreuz Stuttgart verlängerte vierte Fahrbahn bringt für Leonberg keinen zusätzlichen Verkehrslärm“.

Die Luftbildansicht auf Google Maps zeigt vier Fahrspuren in jeder Richtung, d.h. eine mehr als zuvor
  • am 06.03.2018 berichtet die Leonberger Kreiszeitung, dass es am Bahnhof Rutesheim, der im Leonberger Ortsteil Silberberg gelegen ist, weniger ruhestörende Ansagen der Deutschen Bahn stattfinden werden. Ein Anwohner erreichte mit seiner Klage, dass die Bahn nachts auf Gongtöne und allerlei Durchsagen verzichtet.

Sonntag, 25. März 2018

DUH misst Stickstoffdioxid

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat im Februar 2018, also einen Monat lang, an über 500 Orten in Deutschland die Belastung mit Stickstoffdioxid (NO2) gemessen. In Deutschland gilt im Jahresdurchschnitt ein Grenzwert von 40 µg/m³ NO2. In der Schweiz liegt der entsprechende Grenzwert bei 30 µg/m³ NO2. Die DUH veröffentlichte soeben ihr Ergebnis, wonach die Luft nicht bloß in Innenstädten, also an Orten wie dem berüchtigten Stuttgarter Neckartor, stark belastet ist, sondern auch vielerorts in der Fläche. 


In unserer Gegend finden sich verschiedene Messwerte, teilweise auch von anderen "Forschern" als der DUH:
  • 47 µg/m³ in Gerlingen an der Hauptstraße (SWR)
  • 28 µg/m³ in Malmsheim an der Heimsheimerstraße (SWR)
  • 29 µg/m³ in Rutesheim an der Bahnhofstraße nahe der A8 (SWR)
  • 47 µg/m³ in Leonberg an der Grabenstraße (Umweltbundesamt 2016)
  • 31 µg/m³ in Leonberg an der Berlinerstraße nahe Leo-Bad (DUH)



Wir wissen natürlich nicht, wie repräsentativ diese Messungen aus dem Februar übers Jahr wirklich sind. Allerdings zeigt sich, dass in diesem Monat mit dem Schweizer Jahresgrenzwert vergleichbare Belastungen nicht nur an verkehrsreichen Straßen in Innenstädten auftreten, sondern überall: Anscheinend herrscht hier flächendeckend eine Hintergrundbelastung von rund 30 µg/m³ NO2.

Das Umweltbundesamt gab am 08.03.2018 eine erschreckende Pressemitteilung und eine Studie zu den gesundheitlichen Wirkungen der Belastung mit Stickstoffdioxid heraus: 2014 waren rund 6000 vorzeitige Todesfälle bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen darauf zurückzuführen, weiterhin 8% der Diabetes- und 14% der Asthma-Erkrankungen.


Update 29.03.2018;

Städte mit DUH-Klagen (Quelle)

Update 15.04.2018:


Der Spiegel berichtet, dass neben anderen Faktoren auch Feinstaub Alzheimer auslösen kann.




Sonntag, 4. Februar 2018

Samstag, 28. Oktober 2017

Deutsche Umwelthilfe untersucht Grenzwertüberschreitungen bei Stickstoffdioxid auch in Leonberg

Es gibt weiteren Druck von der Deutschen Umwelthilfe: Sie fordert von über 40 verkehrsreichen Städten wirksame Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung. Laut Bericht im Spiegel vom 24.08.2017 ist auch Leonberg betroffen. Das liegt daran, dass wir an der Messstelle in der Grabenstraße seit vielen Jahren den gesetzlichen Jahresgrenzwert für Stickstoffdioxid überschreiten. Es gibt zwar einen Luftreinhalteplan, in dem gewisse Maßnahmen ausgewiesen werden, aber diese reichen nicht aus, um den Missstand in absehbarer Zeit abzustellen.

Air-pollution
Verkehrsbedingte Luftverschmutzung anderswo (Bild: Wikimedia Commons)

Die Städte hatten seit August Zeit sich über wirksamere Maßnahmen zu äußern, berichtet der Gäubote über einen ähnlich gelagerten Fall in Herrenberg. Wir sind nun gespannt zu erfahren, welche Maßnahmen die Stadt Leonberg tatsächlich vorschlägt, und wie die Sache dann weitergeht. Die hohe Belastung hier kommt vermutlich nicht alleine aus dem lokalen innerstädtischen Verkehr, sondern auch von den Autobahnen: schließlich müssen die von täglich über 150.000 Fahrzeugen am Leonberger Dreieck emittierten Schadstoffe irgendwo auch wieder herunterkommen.